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Annemaries Tagebuch
Liebes Tagebuch,
heute ist ein schöner Sonntag und ich war selten so glücklich wie heute. Warum fragst du dich? Ich werde dir die ganze Geschichte erzählen:
Ich lernte vor einigen Wochen einen Jungen, Thomas, im Internet kennen. Wir haben gechattet, Fotos getauscht und telefoniert. Er sieht wirklich gut aus und ist sehr nett. Gestern haben wir uns endlich zum ersten Mal getroffen. Papa und Günther waren nicht zuhause, also machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof um Thomas abzuholen.
Gespannt wartete ich beinahe eine halbe Stunde, denn der Zug hatte Verspätung. Ich war sehr nervös und hoffte, dass wir uns sofort von den Fotos her wiedererkennen würden.
Als er dann die Treppe vom Bahnsteig herunterkam, habe ich ihn sofort erkannt. Er sah genauso aus wie auf den Fotos. Groß, schlank, sportlich und seine mittellangen blonden Haare passten perfekt zu ihm.
Wir begrüßten uns erst ein wenig schüchtern, dann umarmte er mich plötzlich. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, aber ich fand es toll.
Wir machten uns dann auf den Weg zu mir nach Hause und gingen unterwegs durch den Wald, um einige Pilze zu sammeln. Ich erklärte Thomas, woran man erkennt, ob ein Pilz essbar war oder nicht, und schließlich gingen wir mit einer kleinen Plastiktüte voll verschiedener Pilze weiter zu mir nach Hause.
Papa und Günther waren noch unterwegs, und so hatten wir das Haus erst einmal für uns alleine. Wir unterhielten uns, lachten viel und bekamen langsam Hunger. Also gingen wir in die Küche, und ich holte ein paar Frikadellen aus dem Kühlschrank.
"Ähm, du weißt, dass ich Vegetarier bin, Annemarie?"
Spontan wurde ich knallrot im Gesicht. Natürlich war er Vegetarier, schließlich hatten wir schon mehrmals im Chat und am Telefon darüber gesprochen. Schnell improvisierte ich und holte die Pilze aus dem Flur, die wir vorher gesammelt hatten.
Während ich die Frikadellen für mich zur Seite legte, machte ich für Thomas eine große Pfanne geschmorte Pilze mit Sahnesauce. Er half mir dabei und seine Nähe während des Kochens direkt neben mir zu spüren machte mich nervös und glücklich zugleich.
Wir aßen und gingen dann ins Wohnzimmer, setzten uns vor den Fernseher und überlegten, ob wir uns gemeinsam eine DVD anschauen sollten. Ich durchstöberte das Regal und fand auch etwas.
"Kennst du die Band P.U.R.?" fragte ich.
"Pur?" antwortete Thomas.
"Nein, P.U.R., das ist eine Rockband", erkärte ich "meine Lieblingsband" fügte ich lächelnd hinzu. Ich nahm die DVD aus dem Regal, legte sie in den Player und drückte auf Start.
Nach dem kurzen Intro betrat die Band um Sänger Ingo die Bühne und das Publikum jubelte begeistert. Ingo trug einen gelben Rollkragenpullover, eine hellbraune Lederkrawatte, eine kurze enge Jeanshose und seine schwarze Gitarre mit Eimermotiv.
"Wir sind P.U.R.!" rief er in die Menge, die noch lauter jubelte. "Ihr wisst, was das heißt?"
Die Menge antwortete mit einem lauten "Jaaa!". Viele trugen Regenjacken oder spannten einen Schirm auf. Ein paar wenige drängten sich weiter nach vorne, öffneten weit den Mund und schlossen dabei die Augen.
Dann öffnete Ingo den Reißverschluss seiner kurzen Jeanshose und schiffte erst einmal kräftig ins Publikum.
"Wir sind Pissen und Rocken!" rief er dabei und die Menge grölte noch lauter. Dann nahm die Band ihre Instrumente und begann zu spielen. Sie spielten neben vielen neuen Songs auch einige Klassiker wie "Nasenharald" oder "Hüttenflunder auf Jamaika".
Thomas sah mich an und grinste dabei.
"Da möchte ich aber nicht in der ersten Reihe stehen." sagte er. "Du etwa?"
Auch ich grinste, sagte aber nichts.
Wir schauten uns das Konzert bis zum Schluss an, dann kamen Papa und Günther mit dem Hund nach Hause. Ich stellte Thomas meinen Vater und meinen kleinen Bruder vor und sie verstanden sich sofort super.
Thomas und Papa unterhielten sich über aktuelle Bundesligaergebnisse und mein fünfjähriger Bruder rannte mit Generealoberst Manfred von Dackelstolz, unserem süßen kleinen Dackelchen, durch das Wohnzimmer und spielte Flugzeug.
Am Nachmittag schien die Sonne und ich ging mit Thomas und Generaloberst Manfred von Dackelstolz in den Park. Wir setzten uns auf eine Parkbank, unterhielten uns und Thomas schaute mich immer wieder mit seinen schönen braunen Augen an.
Schließlich näherten sich unsere Lippen und berührten sich. Feuer und Eis gleichzeitig, anders kann ich es nicht beschreiben. Es war einfach nur schön. Ich weiß nicht, wie lang wir uns küssten, aber schließlich wurden wir durch mahnendes Kläffen unterbrochen. Generaloberst Manfred von Dackelstolz wollte schließlich auch noch einen Hauch von Aufmerksamkeit bekommen.
Wir spielten noch ein wenig mit dem Hund auf der Wiese. Thomas schien Generaloberst Manfred von Dackelstolz sehr zu mögen und die beiden waren kaum zu trennen, während sie mit einem Stöckchen immer wieder über die Parkwiese rannten.
Als es abends kühler wurde, gingen wir nach Hause. Gemeinsam mit Papa und Günther setzten wir im Wohnzimmer vor den Fernseher uns schauten uns eine Actionkomödie an. Papa gähnte und griff nach seiner Hemdtasche, fand jedoch nicht wonach er suchte.
"Verdammt, wo sind denn meine Zigaretten?" murmelte er. Günther, der neben dem Schlafkörbchen von Generaloberst Manfred von Dackelstolz lag und den schlafenden Hund leise streichelte, sprang auf.
"Im Auto!" rief der Kleine. "Darf ich gehen und die Zigaretten holen? Bitte bitte bitte!"
Papa nickte und gab Günther die Autoschlüssel, der sofort zur Vordertür raus zur Einfahrt rannte. Plötzlich schepperte es draußen laut. Papa spang auf und eilte raus zum Auto. Ich hörte ihn Günthers Namen rufen und auch ich eilte schließlich raus um nachzuschauen, was passiert war.
Der schwere BMW lag auf der Seite, darunter halb begraben wimmerte Günther leise. Wir versuchten ihn zu befreien, aber er steckte unter dem Auto fest. Gemeinsam versuchten wir den Wagen wieder auf alle vier Räder zu stellen, aber das Auto war sehr schwer.
Schließlich kam auch Thomas nach draußen und zu dritt schafften wir es schließlich den Wagen wieder auf die Räder zu stellen. Günther sprang sofort auf und lief zurück ins Haus. Papa warf einen traurigen Blick auf den abgebrochenen Rückspiegel und den zerkratzten Lack an der Fahrertür.
Dann gingen auch Thomas, Papa und ich wieder ins Haus zurück und sahen, dass Günther weinend durch's ganze Haus lief und den Dackel suchte.
"Generaloberst Manfred von Dackelstolz!" rief mein kleiner Bruder immer wieder in allen Räumen. Wir suchten überall im Haus, fanden aber keine Spur von dem Hund.
"Er muss durch die offene Haustür nach draußen gelaufen sein, als wir das Auto aufgestellt haben", sagte Papa und wir suchten auch den Vorgarten und die nähere Nachbarschaft ab. Dann begann es dunkel zu werden und wir konnten nicht mehr viel sehen. Papa ließ die hintere Gartentür offen, damit Manfred von Dackelstolz ins Haus zurück konnte. Mehr konnten wir leider nicht machen.
Während Günther weinen auf der Couch im Wohnzimmer saß und von Papa mit einer großen Schale Schokoladenpudding getröstet werden musste, machte ich mich mit Thomas endlich auf den Weg die Treppe hinauf in mein Zimmer. Da Papa und Günther unten schliefen, hatten wir die ganze Etage für uns allein!
Erst saßen wir auf meinem Bett und küssten uns, schließlich legten wir uns hin. Ich deutete an, dass mir sehr warm war und Thomas verstand zum Glück sofort, worauf ich hinauswollte. Er lief zu meinem Schreibtisch, nahm eine Schere und schnitt mein dünnes Sommerkleid von unten nach oben langsam und vorsichtig auf. Ein leises, lustvolles Stöhnen konnte und wollte ich dabei nicht unterdrücken.
Wieder drückte er seine Lippen auf meine, saugte und kaute auf meiner Unterlippe herum, dass ich mir für einen Moment nicht mehr ganz sicher war, ob er nun wirklich Vegetarier war oder nicht. Schließlich arbeitete er sich mit seinen Lippen weiter meinen Körper herab. Ich schloss die Augen und genoss es einfach.
Doch plötzlich hörte er auf und begann zu husten. Ich öffnete meine Augen und sah, dass Thomas mich seltsam anschaute und dabei leicht zitterte. Ich fragte ihn, ob alles in Ordnung wäre, aber er antwortete nur kurz, leise und irgendwie panisch:
"Mir ist schlecht!"
Dann sprang er auf und rannte in Richtung Tür, erreichte diese jedoch nicht, sondern brach mitten in meinem Zimmer zusammen und blieb regungslos auf der Seite liegen. Ich lief sofort zu ihm und sah, wie eine cremige helle Masse, dazwischen die Überreste einiger halbverdauter Pilze, aus seinem Mund auf den hellen Teppich floss.
Ich verstand das nicht, ich war mir ganz sicher, dass die Pilze, die ich gesammelt hatte, völlig in Ordnung waren. Ein paar hatte ich schließlich selbst gegessen.
Doch es kam noch mehr. Nach den Pilzen mit Sahnesauce kamen er erst einige kleine, dann ein paar größere Fleischstücke und etwas, das wie kleine Knochen aussah. Dann erbrach er plötzlich ...
... einen Schal? Ich schaute mir den Schal genau an und entdeckte etwas glitzendes daran. Ein Hundehalsband.
"Generaloberst Manfred von Dackelstolz" flüsterte ich.
Dann sprang ich auf, zog mir etwas an und holte schnell Papa. Gemeinsam trugen wir den noch immer regungslosen Thomas in den Garten an die frische Luft. Ich holte eine Schaufel aus dem Schuppen und begann zu graben. Papa half auch mit.
Heute morgen erwachte ich dann viel zu spät. Ich fühlte mich nicht gut und ging erst um etwas 11 Uhr nach unten in die Küche. Papa hatte die Knochen und das Fell von Generaloberst Manfred von Dackelstolz gesäubert und auf dem Küchenboden nach Größe sortiert ausgelegt. Günther lag auf den Knien davor uns weinte bittere Tränen.
Dann klingelte es an der Haustür.
"Erwartest du jemanden?" fragte Papa.
Ich schüttelte den Kopf, ging in den Flur und öffnete die Haustür. Draußen stand ein Paketbote, dunkle Ringe unter den Augen und drückte mir ein Paket in die Hand.
"Liefern Sie jetzt auch Sonntags?" fragte ich, während ich unterschrieb.
"Eigentlich nicht, aber ich bin gestern nicht mit der Lieferung fertig geworden", antwortete der Mann.
Ich nahm das Paket, auf dem mein Name als Empfänger stand, ging damit ins Wohnzimmer und öffnete es.
Sofort besserte sich meine Laune. Strahlend packte ich die neue P.U.R. Live DVD mit dem Abschlusskonzert der "Stuhlgang-Tour" aus und legte sie in den DVD Player. Was für ein schöner Sonntag!