- Zuletzt bearbeitet:
- Kommentare: 12
Alltag
Alltag
I
Grauer Alltag. Ich stehe da und warte. Warte darauf, dass auch dieser Tag vorbeigeht, so wie er es immer zu tun pflegt. Ich setzte mich auf den Stuhl, auf den ich mich immer setze und warte auf das, was jeden Tag geschieht. Ich Gähne, esse, stehe auf und setze mich. Das Leuchten der Sterne berührt mich nicht mehr. Die wärmenden Sonnenstrahlen bleiben kühl. Und auch das Gesicht meiner Freunde bleibt grau. Nein. Ich gestehe mir ein, dass ich nicht auf das warte, was jeden Tag geschieht. Ich will etwas Neues erleben, will mich vom Wind fortragen lassen. Ich will nicht auf diesem Stuhl sitzen und auf bessere Zeiten warten. Das Leben scheint an mir vorbei zu huschen, ohne dass es bei mir anhält. Vielleicht hat es mich ja einfach übersehen?
II
Der Tag ist weitergegangen. Jeder ist den seinigen Weg gegangen und hat seine Aufgaben erledigt. Bis auf etwas. Ich wollte einmal dem Alltag entfliehen und ein bisschen leben. Ich habe nicht gewusst, dass sie so schmerzhaft ist, diese Flucht. Jetzt weiss ich es und wünsche, ich wüsste es nicht. Wäre doch alles nur seinen üblichen, langweiligen Gang gegangen. Ich hoffe, es war nur ein Tagtraum, der mich der Realität entfliehen liess. Ja, ich glaube nicht, dass es wahr ist. Solch eine Flucht, auf die nun viele folgen werden… Ich kann nicht geflohen sein. Nein, die Welt ist noch gut. Und alles ist in bester Ordnung. Wäre da nicht dieses störende Geräusch. Tick Tack. Die Uhr lässt Sekunden verstreichen. Ich halte mir die Ohren zu. Könnte ich eben diese Zeit zurückdrehen! Dann hätte ich diesen Fehler nicht begangen. Ich hätte den Alltag erduldet, egal ob grau oder bunt. Jetzt aber sehe ich, ich bin geflohen. Ach, wäre es doch beim Alten geblieben! Die Zeit wäre ihren üblichen Gang gegangen und das Leben hätte mich vielleicht wirklich übersehen. Jetzt bin ich aber mitten in einem Leben, in dem mir das Gewöhnliche fehlt. Ich halte mir verzweifelt die Ohren zu und versuche das Neue auszusperren.
III
Wieder ist die Zeit vorüber. Ich habe sie nicht zurückdrehen können. Trotzdem möchte ich gerne wieder zurück. Denn mein neuer Alltag hat sich zu einem alten entwickelt, dasselbe Spiel von vorn. Wenn ich an den alten Alltag denke, fürchte ich mich vor Neuem. Doch diese Furcht ist umsonst. Denn so bald ändert sich mein Alltag nicht mehr, ich will mich damit zufrieden geben. Tick Tack. Nur dieses Geräusch ist geblieben, ich höre ihm zu. Lange Zeit ist da nichts anderes – es ist mein neuer Alltag geworden. Nur ab und zu wird es unterbrochen. Von ebenso gleichmässigen Sachen, denen ich nicht entfliehen kann. Ich will zurück. Tack Tick.