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Alltag aus der Sicht eines Brotes

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08.03.2003
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Alltag aus der Sicht eines Brotes

Ich habe bestimmt schon einhundert Gramm abgenommen, seitdem ich hier wohne und ich wohne erst seit einem Tag hier. Hier, das ist ein schlichtes Einzimmerapartment ohne Fenster, mit Schiebetür, dafür aber ohne lästige Untermieter und in angenehmer hellgelber Farbe. Ja, ich kann mich nicht beschweren.
Wenn bloß diese lästigen Zweibeiner nicht wären, die jeden Morgen – JEDEN MORGEN – laut keifend vor meiner Wohnung stehen und einen Krach machen, als wären sie hier Zuhause. Tss, ich meine, bitte, es gibt ja wohl so etwas wie Etikette, Manieren, eine ganz normale, höfliche Zurückhaltung würde mir ja auch schon reichen. Aber nein, gequatscht wird in einer Lautstärke, das einem Angst und Bange wird, Geschepper, Geklimper ertönt und Musik wird auch noch angemacht. Und da soll man seinen Schönheitsschlafen halten – unmöglich! Ich habe das Gefühl, dass meine Haut durch die ganze seelische Belastung schon etwas härter geworden ist. Na, da muss man ja seine Elastizität verlieren, wenn man sich jeden Tag – JEDEN TAG – so aufregen muss.
Oh nein!!! Jetzt klappen sie schon wieder meine Schiebetür auf. Sie kommen in MEINE Wohnung. Gestern dachte ich ja noch, okay, sie wollen sich vielleicht vorstellen, so von wegen „Auf gute Nachbarschaft und so“. Schließlich will man ja auch keinen Ärger, ich meine, man braucht ja manchmal etwas, man hilft sich ja gerne aus.
Aber das war gestern. Heute ist heute und so etwas macht man einfach nicht.
NEIN!
Ich meine, ich habe gerade noch geschlafen, bin noch ganz nackt (meine Kleidung muss wohl bei dem Umzug verloren gegangen sein…) und sie haben noch nicht einmal geklopft.
NICHT GEKLOPFT! Das ist gerade so, als ob ich einfach in das Schlafzimmer anderer Leute reinspazieren würde. Ohne Anmeldung. Tss, na ja, versuche einfach gute Miene zum bösen Spiel zu machen und werde lächeln und Gut….
HILFE, jetzt reicht es aber. Jetzt hat mich diese Person einfach aus meiner Wohnung gehoben. Sie wirbelt mich richtig…HILFE…das so etwas nicht auffällt. Da muss einem doch einer zu Hilfe kommen. Auf Niemanden ist mehr Verlass. Man wird einfach im Stich gelassen. Ich wünsche mir ein wenig mehr Respekt und vor allem Courage.
Puh, jetzt liege ich wieder auf festem Boden.
Aber….aber…was hat sie denn jetzt in der Hand? Oh nein, das ist ein Alptraum. Jetzt schneidet sie mir in den Bauch. Oje, ich glaube, das träume ich jetzt nur. Das muss ein Traum sein.
Und noch eine Scheibe. Und dabei hält sie mich mit ihrer anderen Hand, die feucht und schwitzig ist, fest. Puh, ist das eklig.
Ich meine, es ist so entwürdigend. Wenn ich wenigstens gefragt worden wäre. Okay. Es tut ja auch nicht weh, aber es ist wie gesagt, so verdammt entwürdigend.
Das Positive an der ganzen Sache ist, dass ich abnehme, ohne hungern zu müssen. Ich kannte da mal ein Knäckebrot, dass mit mir zusammen in einem zugigen Hochhaus (allerdings mit Sauna ) wohnte. Wir haben uns zwar nicht unterhalten ( mir kam er ziemlich arrogant vor ), aber ich kann mir denken, dass er kaum was gegessen hat. So dünn, wie der war. Da fällt mir ein, wo ist eigentlich mein Lebensmittelvorrat? Der ist bestimmt auch bei meinem Umzug verloren gegangen.
Huch, die hört ja gar nicht mehr auf zu schneiden. Jetzt habe ich schon die Hälfte meines Gewichtes verloren. Gar nicht schlecht, gar nicht schlecht. Erreiche ja richtige Modelmaße.
Ja, ich denke das reicht. So finde ich mich richtig hübsch. Ja, gut, sie können jetzt aufhören.
Wieso hört sie denn nicht auf? Versteht sie mich nicht? Vielleicht spricht sie ja eine fremde Sprache.
HALLO! Bitte aufhören…ich werde ja noch ganz dünn…ganz dünn…hilfe…oh…jetzt….hal mmmhhhmmmpf

 

:D
Lustige Geschichte, mal was anderes.

Beim Titel würde ich vielleicht das "Alltag" weglassen, einfach: "Aus der Sicht eines Brotes".

Wenn du ganze Wörter in Grossschrift schreibst, stört mich das ein bisschen. Ich würde eher kursiv, nicht unbedingt alles gross.

Witzig erzählt!

Liebe Grüsse,
Marana

 

Hallo Marana,
danke für Deinen Kommentar und Dein Lob. Freut mich, dass Dir die kurze Story gefallen hat.
Deinen Vorschlag, den "Alltag" wegzulassen finde ich auch ganz witzig, vor allem kurz und bündig, aber doch ein wenig zu allgemein. Ich kann mir bei meinem Titel vielleicht doch ein wenig mehr vorstellen...oder? Mmm, weiß nicht?!
Weißt Du; mit dem Großschreiben wollte ich den Ausrufen Dynamik und Ausdrucksstärke verleihen. Dachte, dass würde besser rüberkommen: die Empörung und die Angst.

Danke nochmal!!!!

Gruß, Alexa

 

Geil!

Wirklich sehr lustig. Aber Alltag ist das nun wirklich nicht :-). Ein kleiner Fehler (ich glaub zumindest das es einer ist): Am Anfang sagt das Brot das es schon hundert Gramm abgenommen hat. Als dann aber Brotscheiben von ihm abgeschnitten werden hört es sich so an als würde das zum ersten Mal passieren. Aber sonst ist die Geschichte geil.

 

Hallo Dazhunt,

schön, daß Dir meine kleine Geschichte gefallen hat. Stimmt beides, was du sagst (hüstel). Der Alltag des Brotes wäre gewesen, wenn man mehrere Tage beschrieben hätte, von morgens bis abends und nicht nur einen kurzen Einblick in sein Leben. Sozusagen nur ein Ereignis. Aber das kam mir auch erst, nachdem ich Deinen Kommentar gelesen habe.
Das mit dem Abnehmen stimmmt teilweise. Es hört sich ja wirklich so an, als wäre es das erstemal. Dabei habe ich aber sagen wollen, daß es ihm am Tag zuvor auch schon passiert ist:

Zitat: "Gestern dachte ich noch, okay, sie wollen sich vielleicht vorstellen...."

Tja, kam wohl nicht so rüber. Nächstes Mal wird es besser.

Gruß,
Alexa

 

Oh, was für eine süße Geschichte! Das arme Brot. Werde ab jetzt bei meinem Brotfach anklopfen, wie es sich gehört, und ab und zu einen Schokoriegel reinlegen... ;)

Nur ein kleiner Tippfehler ist mir aufgefallen:

Und da soll man seinen Schönheitsschlafen halten – unmöglich!
Schönheitsschlaf

 

Hi Alexa,
wie auch schon Dazhunt sagte: Geil! Wirklich Geil!
Mehr kann man dazu wirklich nicht sagen!
Super gute Geschichte!

 

Hallo Alexa!
Coole Idee, tolle Umsetzung! Ist dir total gelungen! Kompliment!

Gruß Joker

 

Hallo Alexa
Ich finde deine Geschichte echt klasse. Sehr lustig, eine tolle Idee und gut gefällt mir auch wie das Brot sich manchmal wiederholt so genervt und gestresst. Super!
Mach etjut

 

Hallo Alexa,

es ist schön sagen zu können, dass der größte Fehler der Geschichte die Überschrift ist. Es verrät zu viel und ehrlich gesagt klingt es ziemlich langweilig. Ich möchte jetzt keine direkten Verbesserungsvorschläge liefern, da ich damit selbst die meisten Probleme habe.

Ansonsten kann ich mich nur meinen Vorrednern anschließen!

 

Hallo Joker,

danke für Dein tolles Lob, hab mich ehrlich gefreut!!!

Tschüß,
Alexa

 

Hi Pudu!

es ist ein tolles Gefühl, wenn man ein Kompliment für seine Geschichte bekommt. Danke dafür und ich finde es schön,daß Dir meine Geschichte so gut gefallen hat.
Ja, ja, Brote haben es nicht leicht.

Tschüß,
Alexa

 

Hallo hoEyo,

vielen Dank für Dein Lob und Deine Kritik! Das mit der Überschrift stimmt wirklich. Sie verrät zu viel und so ganz stimmt sie ja auch inhaltlich nicht. Schließlich wird ja quasi nur ein Tag des armen Brotes beschrieben. Aber sollte die Überschrift nicht auch auf die Geschichte hinweisen?

Hab mich gefreut!

Tschüß,
Alexa

 

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