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allein im Wald

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09.06.2003
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allein im Wald

Die Wölfe schlichen seit Tagen in endlosen Kreisen um Hartmut Bremer herum. Anfangs hatte er noch versucht, indem er entgegen der Laufrichtung so schnell er konnte rannte, auszubrechen, doch musste er verschnaufen, hörte er schon wieder das Knacken im Unterholz um sich herum. Dann blieb er da, verharrte einige Stunden, dachte aber, die Wölfe fassten ein Verharren als Zeichen von Schwäche und als Signal anzugreifen auf.

So lief er weiter, hörte das Geäst unter seinen Füßen knacken und aus der Ferne von allen Seiten. Hartmuts Wasservorräte waren fast erschöpft, wollte er weiterhin auf ein Wunder hoffen, nicht verdursten und sich so zum sicheren Fressen der Wölfe zu machen, musste er in den nächsten Tagen Wasser finden.

Nachts schlief er auf einem Haufen Blätter, die er sich zu Recht machte, doch schlafen konnte er kaum. Manchmal, wenn er es wohl geschafft hatte einzuschlafen, wurde er in der Nacht von lautem Wolfsgeheul oder Gekläffe geweckt. Dann machte er die Augen auf und zitterte am ganzen Körper.

Könnte er sie wenigstens sehen! Aber diese Tiere hatten sich im Unterholz verkrochen und warteten auf ihre Stunde. Ach, würden sie doch nur endlich angreifen!
Hartmut spürte, wie er langsam wahnsinnig wurde. Er lebte unter der Angst, die Wölfe könnten jeden Augenblick angreifen und ihn zerfleischen. Er hatte sich zwar zwei spitze Stöcke zur Verteidigung gefertigt, doch es war sehr unwahrscheinlich, dass er die Wölfe damit in Schach halten konnte. Tagsüber lief er, doch es ging alles ineinander über, er träumte, wenn er lief und träumte vom Laufen, wenn er schlief.
Irgendwann, er wusste nicht, ob es Tag oder Nacht war, kamen die Wölfe von allen Seiten aus dem Wald und schritten langsam und stolz auf ihn zu. Er sah in ihre Augen und bot an: „Ich werde mich nicht wehren, wenn ihr mir sofort die Kehle durchbeißt.“ Er sah in ihre kühlen Augen und wusste, dass sie verstanden hatten, er glaubte sogar einige nicken gesehen zu haben. Unbeirrt schritten sie auf ihn zu, sein Herz pochte. Er hockte sich wie beim Gebet auf den Boden, damit sie seine Kehle zerbeißen konnten, begleitet von lautem Herzschlagen. Er glaube sein Herz explodierte, als er den Atem eines Wolfs an seinem Hals spürte und wachte auf.
Den nächsten Traum hatte er einige Tage später. Alles war wie zuvor, doch er wachte nicht auf. Statt ihm die Kehle durchzubeißen, hauchte der Wolf ihm auf den Hals „erhebe dich und beschäme uns nicht, Herr!“ Ein Löwe trat aus der Dunkelheit, als sich Hartmut knochenbleich erhob. Der Löwe verbeugte sich vor Hartmut und sagte mit stolzer Stimme: „Du bist also der Führer der Wölfe! Warum verteidigst du diese schwachen Tiere nur? Du hast zu viel Mitleid mit ihnen, bedenke, dass du uns tötest, wenn du sie schützt!“ Ein Wolf biß sich vorsichtig, aber kräftig in Hartmuts Hose fest. „Ich, wir, schütze sie nur, weil sie meine Diener sind. Sie jagen für uns, denn das kostet uns zu viel kraft und wir beschützen sie dafür! Sie sind gute Tiere!“ „Ich habe dich gewarnt“, sagte der Löwe, setzte ein hämisches Grinsen auf und verschwand. Hartmut träumte im Halbschlaf noch, wie ihn die Wölfe feierten, es schien, als verlängere er den Traum absichtlich, künstlich.
Hartmut dachte von nun an häufiger über diesen Traum nach, wenn er lief und seine Gedanken kreisen ließ.
Seine Wasservorräte waren fast aufgebraucht. Vielleicht wollten ihn die Wölfe ja nicht fressen, sondern nur zähmen, die Möglichkeit bestand doch. Jedenfalls hatten die Wölfe wohl ihre Gründe dafür, dass sie nicht angriffen, wenn sie wirklich zu schwach sind ihn zu überwältigen, so lange er bei Kräften ist. Wenn er sich nur flüchten konnte, Oder wenn sie ihm wirklich wohl gesonnen waren, musste er sich ihnen jetzt stellen. Obwohl all diese Argumente und seine Neugierde dafür sprachen und nur die Angst dagegen, war er sich seiner Sache alles andere als sicher.
Er sammelte aber schließlich Steine und stieg auf einen Baum. Nun warf er einen Stein nach dem anderen, um den Kreis der Verfolger weiter voran zu bringen, ohne sich selbst zu bewegen. Es funktionierte! Er hörte, wie die Schritte um ihn herum weiter gingen, mit jedem Stein, den er warf. Nun war es so weit, noch weiter konnte er nicht werfen. Er stieg vom Baum, warf noch einen Stein und rannte in die entgegen gesetzte Richtung. Er musste nur ein Wolf zu Gesicht bekommen, der würde schon mit ihm sprechen.
Da stieß er gegen etwas Hartes. Er fiel um.
„Pssst, seien sie still, bleiben sie liegen!“ sagte ein dunkelhaariger Mann mit Schnauzer und legte den Zeigefinger auf den Mund. Dann nahm er sein Funkgerät und sprach mit leiser Stimme hinein. Alles, was Hartmut verstand, war ein gleichmäßiger Flüsterton. „Kommen sie mit!“, sagte der Mann, packt Hartmut am Arm und half ihm aufzustehen. Sie gingen einige hundert Meter still neben einander, dann kamen sie zu einem Zelt. Vor dem Zelt, nahm eine kleine, grauhaarige Frau Hartmut in Empfang. Der Schnäuzbärtige gab ihr kurze Instruktionen: „Diesen Mann habe ich im Wald nicht weit von dem Objekt gefunden, kümmern sie sich um ihn, ich muss zurück!“ Sogleich, drehte er sich um und verschwand im Dickicht. „Wissen sie, sie waren in ziemlicher Gefahr!“ Sagte die Frau etwas zögerlich, wollte wohl ein Gespräch beginnen. „Ich weiß!“, sagte Hartmut und hob die Stimme, als wolle er noch etwas sagen, senkte dann aber den Kopf und verstummte.

 

hallo popla

Eine wirklich seltsame Geschichte, aber durchaus gelungen, meiner Meinung nach.
Die ganze Zeit wird Spannung aufgebaut, man schwebt zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Idee der sprechenden Wölfe im Traum hat mir gefallen, da gibts auch ne Kafka-KG mit sprechenden Wölfen, die einen Menschen als ihren Anführer verehren.
Am Anfang hab ich gedacht, der Prot wäre paranoid oder sowas, aber am Schluss wird klar, dass er das nicht ist.Die Szene mit dem Steinewerfen hat mich an die Tricks der Helden in Märchen erinnert, auch ne schöne Idee.
Als der Forscher auftaucht, geht es so in Richtung Mystery. Ist meiner Meinung nach kein richtiger Schluss, macht eher Lust zum Weiterlesen.

Liebe Grüße
wolkenkind

 

Hallo! Vielen dank, dass du die KG gelesen und dich mit ihr beschäftigt hast!
Ja, die Kafka-KG, Schakale und Araber, ist mein Vorbild gewesen. ;)
Zuerst wollte ich auch noch weiterschreiben, hab mir überlegt, dass die in Hartmut den Yeti gesehen haben könnten, aber das wär dann zu billig geworden, denke ich mal.
Es ist dir doch bestimmt klar geworden, dass Hartman der jenige war, der da von den "Wölfen", also dieser Forschertruppe verfolgt worden ist, oder?
Ansonsten muss ich den Yeti doch noch reinbringen ;)

 

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