jerado
Guest
1, 2, 3 - letzte Chance - vorbei!
Den Kopf auf meine Hand gestützt schaute ich aus dem Fenster und dachte darüber nach, was mir meine Mutter an diesem Morgen an den Kopf geworfen hatte. Nutzlos wäre ich, weil ich den ganzen Tag nur in meinem Zimmer säße und lesen würde, statt ihr im Haushalt zur Hand zu gehen.
Ich gebe es ja zu, ich war nicht gerade ein Vorbild an Fleiß, doch war ich deshalb schon nutzlos? Ich saß ja nicht nur aus Spaß in meinem Zimmer, sondern weil ich auch den größten Teil dieser Zeit lernte. Es machte sich nun leider nicht in meinen Noten bemerkbar. Meinte sie etwa das mit nutzlos? War ich ihr einfach zu dumm?
Anfangs hatte ich mit Mama noch darüber gestritten, dass ich mir doch die größte Mühe gab, nicht vom Gymnasium runtergehen zu müssen, das Abitur zu schaffen. Doch mehr und mehr glaubte ich auch selbst daran. Wahrscheinlich lag es wohl wirklich an mir, dass so unbeliebt war.
"Noch eine Person kann sich selbst nominieren oder nominiert werden. Kommt schon Leute, eine Person werden wir wohl noch finden" Lehner, mein Lehrer, war schon genervt, dass sich die Klassensprecherwahl wieder so lange zog. Ich schaute kurz an die Tafel. Ja klar, die Üblichen standen schon an der Tafel: die Coolen und Beliebten, die das Amt nur aus Prestigegründen haben und sich aber nicht wirklich für die Klasse engagieren wollten. Denn dabei könnten sie ja den kürzeren gegen die Lehrer oder den Direktor ziehen. Solche Leute hasste ich.
Eigentlich wollte ich schon mal ganz gerne Klassensprecher sein: Mich mal richtig einmischen und meine Meinung sagen und, das ist das wichtigste, angesehen zu sein. Doch das war schon ein Problem. Wie werde ich überhaupt Sprecher ohne Ansehen?
"Kommt schon, die letzte Gelegenheit, sonst führen wir die Wahl mit nur fünf Kandidaten aus.", sagte Lehner schon zum dritten Mal.
Wen man mich genau beobachtet hätte, was in dieser Klasse wohl nicht der Fall war, hätte man gesehen, dass ich leicht meine Hand anhob, auf halber Höhe halt machte und dann doch lieber in mein Federmäppchen griff, um meinen Labello rauszuholen.
"Ok, dann beginnt die Wahl wohl nur mit fünf Personen."
Und da war sie, meine vergebene Chance, mich zu beweisen. Es mir, meiner Mutter und meiner Klasse zu beweisen.
Ich stützte den Kopf auf meine Hand und begann aus dem Fenster zu starren.