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Überleben?!

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21.06.2003
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Überleben?!

Überleben

Die Dunkelheit war erdrückend, ja geradezu vernichtend.
Er konnte sie spüren in jeder Pore, jedem Teil seines Körpers, die Angst.
Gefangen in den Ketten seiner Furcht konnte er sich nicht bewegen. Er fürchtete sich wie ein kleiner Junge, wie damals als er sich verlaufen hatte und die Nacht im Wald verbracht hatte. Erst am nächsten Tag hatte man ihn gefunden, halb erfroren.
Er konnte die Zielfernrohre praktisch spüren, die auf seinen Kopf ausgerichtet waren. Das leise Surren aus weiter Ferne machte den Zoomer erkenntlich. Er wusste, dass es nur einige Sekunden sein würden, bis die tödliche Kugel auf seinen Kopf treffen würde.
Die Angst nahm ihm die Luft zu atmen. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen.
Es erschien ihm, als wären Minuten vergangen bis er sich entschloss loszulaufen.
Er setzte sich in Bewegung, erst langsam und behutsam, aber dann immer schneller und entschlossener in Richtung des nahegelegen Waldes. Sobald er ihn erreichen würde, wäre er in Sicherheit. Im Schutze der Bäume würde er fliehen können. Hier auf freiem Felde war er den Zielfernrohren hilflos ausgeliefert.
Doch wenn er rannte, könnten sie ihn nicht visieren.
Die Luft kam stoßweise aus seinen Lungen. Seit der Arzt bei ihm Asthma diagnostisiert hatte, bekam er sehr schlecht Luft. Vorher auch schon, aber jetzt war es noch schlimmer.
Die Angst schnürte ihm die Kehle zu. Luft, dachte er, ich brauche Luft.
Seine Beine wurden immer müder. Sie drohten unter ihm wegzusacken.
Da war der Wald, kurz vor ihm, nur noch wenige Meter. Doch was war das? Am Waldrand entlang zog sich ein etwa zwei Meter hoher Maschendrahtzaun, gesichert mit Stacheldraht. Wie sollte er ihn überwinden?
Verzweifelt suchte er ihn nach einem Einschlupfloch ab. Er rannte daran entlang, durfte nicht stehen bleiben, dann wäre er verloren. Plötzlich sah er eines. Es war ein sehr kleiner Einschnitt im Zaun. Ihm war zwar schleierhaft wie er es durchqueren sollte, doch er war sich sicher, er würde es schaffen. In diesem Moment verließ ihn die Kraft. Er fiel der Länge nach hin und wollte liegen, nie wieder aufstehen. Er röchelte nur noch. Ihm war jetzt alles egal.
Er merkte wie etwas durch die Luft zischte.
Was war das für ein Knall?, fragte er sich.

 

Hallo Kathyria,

eine wirklich gute Schilderung die du hier postest! Sehr stimmungsvoll, emotionsgeladen und zugleich bedrückend - man kann richtig mitfühlen! Das einzige was mich etwas stört sind die beiden Sätze wegen dem Asthma, die haben mich direkt aus dem Geschehen gerissen! Auch das Ende gefällt mir sehr gut, ich kann nur sagen - weiter so!


MfG SteffenJ

PS: Bist du dir sicher, dass deine Schilderung unter "Alltag" richtig untergebracht ist?

 

Hi Steffen,
danke für das positive Feedback. Ich hab mich wirklich gefreut, denn dies ist die erste Geschichte die ich veröffentlicht habe.
Könntest du mir vielleicht sagen, unter welcher Rubrik du sie besser untergebracht fändest? Ich habe auch erst gezweifelt.
Ansonsten bin ich für weitere Tipps wirklich dankbar.
Liebe Grüße
Lathyria

 

Hallo Kathyria,

ja nicht ganz einfach eine passende Rubrik zu finden - evtl. Philosophisches, Experimente oder Spannung; im Notfall immer Sonstiges ;-)
Was mich mal interessieren würde ist, warum du so eine düstere Geschichte geschrieben hast ... eigentlich etwas seltsam!


MfG SteffenJ

 

Hallo Steffen,
du hast recht, meine Geschichte ist ziemlich düster. Warum ich sie geschrieben habe, weiß ich selbst nicht so genau. Es hatte keine bestimmten Gründe. Sie ist mir nur eingefallen und ich habe sie aufgeschrieben...
Ich meine, wieso sollte man nicht auch mal eine eher düstere Geschichte schreiben.
Liebe Grüße
Lathyria

 

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