Abstimmungsergebnis zur Challenge "Auf der Mauer stand mit Kreide"

Kerkyra: Siesta

Stichworte

Alltag, Erotik, Gesellschaft

Ergebnis 1 bis 12 von 12
  1. #1
    Kerkyra ist offline Mitglied
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    Aktuelles Buch: The post-birthday world, Lionel Shriver


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    Siesta

    „Ich bin dann jetzt weg. Den Monatsbericht hab ich noch fertig gemacht.“
    Ertappt wie ein kleiner Junge fuhr er hoch und schaltete hastig den Bildschirmschoner ein. „Äh ja“, räusperte er sich, „danke, und ein schönes Wochenende Frau Bakovic. Oh, Sie haben wohl noch was vor?“
    Ihr Kleid war etwas zu eng, genauso wie die hohen Schuhe, aus denen ihre fleischigen Füße quollen.
    „Ja“, sie strich lächelnd über den glänzenden Stoff des Kleides, der wirklich keinen Makel verzieh, „meine Freundin Larissa feiert Jungesellinnenabschied, mit Limousine und allem drum und dran.“
    „Na dann, viel Spaß, hoffe, Ihre Freundin hat sich das gut überlegt, haha…“
    „Natürlich …“, leicht irritiert blickte sie ihn an, „also, ich muss jetzt. Ach übrigens: einen schönen Urlaub!“
    Seufzend blickte er auf seine Armbanduhr: 18:05 Uhr. Er hatte Heike versprochen, heute früher zu kommen, sie müssten schließlich packen. Unmotiviert spielte er noch eine Runde Solitär, prüfte einmal mehr den Posteingang und richtete dann umständlich eine Abwesenheitsnotiz für sein Emailkonto ein. Im Flur hielt er ein kleines Schwätzchen mit dem Hausmeister, ehe er in den Aufzug stieg und in die Tiefgarage fuhr.
    ***
    Der Schatten des Sonnenschirms war gewandert und seine immer noch bleichen Beine lagen in der prallen Sonne. Wenn er nicht aufpasste, hätten seine Füße bald die Farbe gekochter Hummer. Träge setzte er sich auf und nahm einen Schluck von seiner Pina Colada, die inzwischen warm und wässrig war.
    Er warf einen Blick auf Heike, die seit Stunden neben ihm lag und ihre Nase in ein Buch gesteckt hatte. Wahrscheinlich wieder eins dieser Sado-Maso-Schmonzetten, die sie neuerdings verschlang. Zumindest hatte das ihr eingerostetes Sexleben wieder etwas auf Trab gebracht, obwohl er sich reichlich dämlich vorkam, sie mit seinen Seidenkrawatten an die Bettpfosten zu fesseln und den bösen Jungen zu spielen. Im brutalen Licht des Vormittags, das jeden einzelnen Besenreiser an Heikes stämmigen Beinen zum Vorschein brachte, erschien es ihm geradezu lächerlich.

    Nach fünfzehn Jahren Beziehung, und das bestätigten ihm sämtliche Freunde, war es kaum so, dass man ständig übereinander herfiel. War er eigentlich noch geil auf Heike? Wie sie so dalag in ihrem matronenhaften Badeanzug mit Schalen-BH war er sich da wirklich nicht sicher. Überhaupt hatte er seit einiger Zeit das Gefühl, dass sie sich etwas gehenließ. Während er vermehrt darauf achtete, genug Sport zu treiben, um seinen Bauchansatz im Griff zu haben, schien Heikes Hinterteil von Tag zu Tag breiter zu werden. Ganz zu schweigen von den Dellen an ihren Oberschenkeln. Nicht, dass er es übers Herz brächte, sie darauf aufmerksam zu machen, aber es störte ihn schon.
    Gerade lief eine Mutter mit Kleinkind auf dem Arm an seiner Liege vorbei, knackiger Arsch, kaum verhüllt von einem winzigen Bikinihöschen, langes, glänzendes Haar. Offensichtlich gab es doch Frauen, die ihre Babypfunde wieder loswurden.
    „Matthias?!“ Er zuckte schuldbewusst zusammen. „Es ist gleich halb eins, holst du die Kinder vom Bambino-Club ab?“
    Als er sich umsah, wuchteten sich noch einige andere Familienväter aus ihren Liegen, um den Nachwuchs zum Mittagessen abzuholen. Schwitzend machte auch er sich auf den Weg zum Kinderclub und bemerkte, dass er mindestens einen Drink zu viel gehabt hatte.

    Wiederholt fragte sich Matthias, wie lange er diese Urlaube in Mittelklasse-Ferienclubs voller Mittelklasse-Familien an irgendeinem Mittelmeerstrand noch über sich ergehen lassen musste. Mit Anfang zwanzig war er den ganzen Sommer im Zug kreuz und quer durch Europa gefahren, mit Anfang dreißig als Backpacker durch Australien gereist und jetzt lag er mit anderen bierbäuchigen Familienvätern am Pool und schlürfte schon am Vormittag gepanschte Cocktails. Dieses Jahr hatte er Heike dreist vorgeschlagen, doch zur Abwechslung mal in die Toskana zu fahren, da die Kinder mittlerweile alt genug für ein bisschen Sightseeing wären. Sie hatte ihm einen verächtlichen Blick zugeworfen und das Thema war beendet.

    Nach dem Mittagessen gingen sie in den Bungalow, um sich etwas auszuruhen und die Kinder für den Nachmittag neu einzucremen. Erschöpft ließ er sich aufs Bett fallen. Die Laken fühlten sich angenehm kühl an und aus der Klimaanlage strich ein zarter Lufthauch durch den Raum.
    Heike schloss die Tür zum Kinderzimmer und krabbelte zu ihm aufs Bett. „Schatz?“, sie versuchte, sich rittlings auf ihn zu setzen, doch er hatte das Gefühl, sich gleich übergeben zu müssen und rollte schnell zur Seite. Er hatte zu viel von den Knoblauchgarnelen gegessen und musste dauernd aufstoßen. „Bitte Heike, mir ist schlecht.“
    „Du hättest nicht so viel essen sollen. Was hältst du von einer kleinen Siesta? Ich mach die Kinder fertig und bring sie zurück in den Bambino-Club. Und danach“, sie fuhr ihm lasziv mit dem Fuß über den Schritt, „danach machen wir zwei uns hier richtig locker.“ Sie beugte sich ganz nah an sein Ohr und flüsterte: „Ich bin total heiß, ich will, dass du es mir richtig besorgst.“ Vor Schreck entfuhr ihm ein lauter Rülpser. Heike sah ihn missbilligend an.
    „Bitte, entschuldige, mir geht`s echt nicht gut, ich denke, ein Nickerchen ist jetzt nicht schlecht.“
    „Aha.“ Enttäuscht stand sie auf und verließ das Zimmer. Matthias drehte sich zur Seite und zog die Beine an. Erleichtert schloss er die Augen und dämmerte sofort weg.

    Ein Klopfen schreckte ihn aus dem Schlaf. Taumelnd stand er auf und stolperte zur Tür.
    „Entschuldigung, aber ich glaube ich bräuchte kurz Ihre Hilfe.“ Die knackärschige Mutter vom Pool stand vor ihm. „Ich wohne im Bungalow nebenan und bekomme die Klimaanlage einfach nicht zum Laufen. Und das bei dieser unerträglichen Hitze …“ Sie blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und fuhr mit dem Daumen in ihr Dekolleté. Über dem knappen Bikini trug sie nur eine durchsichtige weiße Tunika.
    „Nun, ich kann mir das ja mal anschauen, natürlich bin ich kein Elektriker …“
    „Oh, ich denke, das kriegen Sie schon hin. Wenn ich den Hotelservice rufe, warte ich wahrscheinlich bis übermorgen.“ Sie warf ihm ein aufmunterndes Lächeln zu. „Kommen Sie!“ Sie warf ihre langen Haare schwungvoll über die Schulter.
    Er folgte ihr über den Steinplattenweg zum Nachbargebäude. Zwischen den Platten wuchs Unkraut, der Rasen war gelb und strohig.

    Die Türe zum Bungalow stand offen, innen war es dämmrig, da die Vorhänge zugezogen waren, und ziemlich heiß. „Ich habe schon alles probiert, doch das Ding gibt keinen Muckser von sich.“
    „Okay, dann wollen wir mal sehen.“ Matthias tippte und drehte an dem kleinen Regler an der Wand und versuchte, möglichst fachmännisch dabei auszusehen.
    „Also hier scheint alles richtig eingestellt zu sein. Geben Sie mir mal die Fernbedienung?“
    „Fernbedienung? Oh je“, sie schlug die Hände vors Gesicht, „es gibt eine Fernbedienung?“
    „Ja“, er lächelte nachsichtig, „bei uns lag sie … ah, genau da, auf dem Fensterbrett.“ Ein Tastendruck und die Klimaanlage gab ein piepsendes Geräusch von sich und sprang sofort an.
    „Tja, das ist mir jetzt wirklich peinlich. Kann ich mich irgendwie revanchieren?“ „Na ja, vielleicht geben Sie mir später ein kühles Bier an der Beachbar aus.“ Er freute sich über seine Schlagfertigkeit.
    „Das könnte ich sicherlich tun. Aber, da hier ja sowieso alles all-inclusive ist, wäre das ja keine große Revanche.“ Neckisch sah sie ihm in die Augen. „Ich glaube, mir fällt da auch was anderes ein“, sagte sie und strich sich mit der Hand über den Ausschnitt.
    Er spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. Er hatte das Gefühl, in eine dieser testosterongeladenen Werbungen für Duschgel oder Deodorant gebeamt worden zu sein. Apropos, er hoffte, dass sein Deo jetzt nicht versagte, doch wahrscheinlich war es dafür schon zu spät. Gleich würde sie womöglich die Hüllen fallen lassen, wobei es da nicht gerade viel fallen zu lassen gab.

    „Wir könnten uns ein bisschen hinlegen und entspannen, bei dieser Hitze …“ sie fuhr ihm mit den Fingerspitzen über den Hals, „uh, du bist ganz verschwitzt …“ Langsam wurde ihm wirklich heiß.
    „Ich, äh, wo ist eigentlich dein Kind? Schläft es da drin?“, brachte er krächzend hervor.
    „Meine Tochter? Die ist mit meiner Mutter am Strand. Mach dir keine Gedanken, die sind noch ein paar Stunden beschäftigt. Und jetzt entspann dich.“ Mit einer schnellen Bewegung hatte sie die Tunika abgestreift und stand jetzt im Bikini vor ihm. Ihre Haut war goldbraun und makellos.
    Er streckte eine Hand aus und legte sie auf ihre Brust. Mit dem Daumen streifte er ihr Oberteil zur Seite und strich über ihre Brustwarze, die sich sofort aufrichtete. Sie stöhnte leise. „Oh Gott, du bist so schön“, murmelte er und zog sie an sich. Ihr Haar roch nach Kokosöl und Strand und er drückte seinen Ständer an ihr schmales Becken. Am liebsten würde er sie über die Couch beugen und von hinten nehmen, hart und ihr vielleicht noch ein bisschen den Po versohlen.
    „Lass uns rüber gehen, ins Schlafzimmer, da ist es bequemer.“ Sie zog ihn an der Hand ins Nebenzimmer. „Mach es dir doch schon mal gemütlich“, sie deutete auf das große Doppelbett, „ich bin gleich wieder da.“ Hastig zog er sein Hemd über den Kopf und legte sich dann auf die kühlen weißen Laken. „Wie heißt du eigentlich?“ Sie schien ihn nicht gehört zu haben. In seinem Kopf rauschte das Blut und nicht nur dort. Er fühlte sich wie beim ersten Mal, hoffte aber, dass er es heute länger als zehn Sekunden schaffte.

    Als sie zurückkam trug sie eine Ledermaske über dem Gesicht, eine schwarze Korsage aus Lack, schwarze Strümpfe mit Strapsen und Lackpumps. Ihr Körper schien plötzlich ziemlich unförmig zu sein. Sie kniete sich über ihn und band seine Hände mit einem Gürtel aus einem seidigen Material, wie von einem Morgenrock, zusammen. „So mein Lieber, jetzt wollen wir mal sehen, wer hier wen versohlt.“
    „Heike!“, rief er entgeistert, „was machst du hier?“
    „Wir wollen es dir heute mal so richtig besorgen, was denkst du denn?“ Die junge Mutter mit dem Knackarsch stand jetzt auch neben dem Bett, sie trug nur noch ihr knappes Bikinihöschen und auch eine Maske über dem Gesicht. In der Hand hielt sie eine kurze Reitgerte.
    „Aber was, wie …“
    „Matthias! Hey, Matthias, wach auf!“
    „Was?“ Erschrocken fuhr er hoch und sah sich panisch um. Er schien in seinem eigenen Bett zu sein, Knackarsch war nicht zu sehen und Heike trug ihr gelbes Strandkleid. „Hast du schlecht geträumt? Die Kinder sind im Mini-Club.“ Sie warf einen Blick auf seine Shorts. „Oh, anscheinend hast du doch nicht so schlecht geträumt …“
    Geändert von Kerkyra (13.01.2017 um 21:47 Uhr)

  2. #2
    GoMusic ist offline Moderator
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    Aktuelles Buch: G.R.R. Martin, G. Dozois: Königin im Exil

    Hallo @Kerkyra,

    wir hatten noch nicht das Vergnügen, und Vergnügen hatte ich auch mit deiner Geschichte.

    Du hast ein flotten Schreibstil, verwendest schöne Formulierungen und schreibst fast völlig fehlerfrei.

    Ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:
    „Ich bin dann jetzt weg. Den Monatsbericht hab ich noch fertig gemacht.“ Ertappt wie ein kleiner Junge fuhr er hoch und schaltete hastig den Bildschirmschoner ein. „Äh ja“, räusperte er sich, „danke, und ein schönes Wochenende Frau Bakovic. Oh, Sie haben wohl noch was vor?“ Ihr Kleid war etwas zu eng, genauso wie die hohen Schuhe, aus denen ihre fleischigen Füße quollen.
    Hier dachte ich zuerst, der erste Sprecher und die zuerst genannte Person (der Ertappte) wären ein und dieselbe Person. Mit den fehlenden Zeilenwechseln sorgst du bei mir an einigen Stellen für leichte Irritation.

    Vorschlag/Usus:
    „Ich bin dann jetzt weg. Den Monatsbericht hab ich noch fertig gemacht.“ (ZEILENWECHSEL, da Perspektivwechsel)
    Ertappt wie ein kleiner Junge fuhr er hoch und schaltete hastig den Bildschirmschoner ein. „Äh ja“, räusperte er sich, „danke, und ein schönes Wochenende Frau Bakovic. Oh, Sie haben wohl noch was vor?“ (ZEILENWECHSEL, da Perspektivwechsel)
    Ihr Kleid war etwas zu eng, genauso wie die hohen Schuhe, aus denen ihre fleischigen Füße quollen.

    Dann verwendest du ein paar Mal „sie“ anstatt „Sie“ oder „ihre“ fürs „Ihre“ (Anrede/Höflichkeitsform). Beispiele:

    ihre Hilfe
    Ihre Hilfe
    Kommen sie!
    Kommen Sie!

    Dann gehört da an einigen Stellen noch ein Leerzeichen vor drei Punkten, wenn ein Wort fehlt.
    Ohne Leerzeichen nur, wenn ein Wort nicht vollstän…

    Alles in allem ein toller Lesespaß, der einem die Wartezeit bis zum nächsten Strandurlaub versüßt.
    Danke dafür.

    Liebe Grüße,
    GoMusic

  3. #3
    Kerkyra ist offline Mitglied
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    Aktuelles Buch: The post-birthday world, Lionel Shriver

    Hallo GoMusic,

    vielen Dank für Deine nette Bewertung. Und danke, dass Du Dir die Mühe machst, meine Rechtschreibung zu korrigieren, ja ja, man lernt nie aus. Bei der höflichen Anrede bin ich oft unsicher, ob in der direkten Rede auch Großschreibung ... Ich habe es jetzt korrigiert. Außerdem zum leichteren Lesen noch ein paar Absätze eingebaut. Merci und einen schönen Abend!
    Kerkyra

  4. #4
    Kanji ist offline Mitglied
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    Aktuelles Buch: Haruki Murakami 'Von Beruf Schriftsteller'

    Hej @Kerkyra,

    dein Ausflug ist schon recht heiß und das kam mir heute Abend im Hagelschauer, der an meine Fensterscheibe prasselte, gerade recht.

    Und obwohl du mich folgerichtig an die Protagonisten herangeführt hast, hat mir doch einiges gefehlt, um sie mir im einzelnen näherzubringen. Natürlich ist mir Mathias verständlicher als Heike, aber dennoch sind es vermutlich Nuancen, die sie hätten dichter werden lassen. Mathias konnte schon aufgrund des Fokus der Erzählung deutlicher werden in seinen Vorlieben und Abneigungen - feig', Heike nicht von seinen Gedanken in kenntnis zu setzen - Heike haftet mir in Gedanken vorrangig in ihren Eigenschaften als eine dynamische, Veränderung inszenierende Macherin aufgrund ihres gelben Kleides. Das ist richtig gut!

    Und wie du sie im Hintergund agieren lässt, um dann die Geschichte herumzureißen, ist eine gute Idee.

    Vielleicht geht das alles zu glatt, denn noch bevor ich begreife, ist es schon vorbei. Aber ich merke gerade, dass ich nicht wirklich artikulieren kann. Vermutlich interpretiere ich etwas hinein, was du gar nicht gemeint hast.

    Denn ich habe den Eindruck, du zeigst mir nur die witzig-spritzige Oberfläche, während ich etwas Dunkleres und Traurigeres vermute.

    Das war jetzt nur ein Leseeindruck und gar nicht fundiert.

    Freundlicher Gruß, Kanji


    P.s. Das fiel mir noch auf.
    Haben Sie mir mal die Fernbedienung?“
    Geben ...

  5. #5
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    Liebe @Kerkyra,

    ich habe mich gefreut, wieder einmal etwas von dir zu lesen. Auch diesmal führst du uns in den Süden, erzählst eine kleine Urlaubs-Episode eines Ehepaars, dessen Ehe etwas in die Jahre gekommen ist.

    Die äußere Beschreibung der Situation gelingt dir gut. Das ist die Stärke deines Textes. Ich sehe die Situationen wie in einem Film. Kleine, von dir benannte Details bewirken, dass ich mir diese biedere Urlaubssituation sehr gut vorstellen kann. Konsequent behältst du den Blickwinkel des Mannes bei. Mit ihm betrachte ich die Personen und das Geschehen, erfahre, was ihm durch den Kopf geht. Er ist kein schlechter Typ, registriert, wie seine Heike jetzt aussieht, verschont sie aber mit seinen Gedanken. Er macht ihre Versuche, die Beziehung aufzupeppen mit, lässt sie gewähren. (Vielleicht ist er aber auch nur feige, wie @Kanji meint.)
    Die beiden Frauen bleiben oberflächlich. Sie spielen beinahe klischeehafte Rollen in diesem Spiel, ihre innere Befindlichkeit bleibt dem Leser verschlossen.

    Nicht so recht überzeugt hat mich, wie du das eigentliche Thema angehst. Dein Handlungsverlauf erscheint mir ein wenig zu banal, zu sehr oberflächliches Geschehen, zu wenig Tiefgang, wenn ich bedenke, dass du dir hier eine Situation vorgenommen hast, die für viele Ehen zum Prüfstein werden kann. Man ist körperlich nicht mehr voneinander angezogen und muss sich fragen, wie es nun weitergehen soll. Oder aber, man fragt sich nicht und wurschtelt irgendwie weiter. Daraus entwickeln sich je nach Betrachtung komische oder tragische Situationen, zig Filme oder Geschichten haben sich mit dieser Thematik beschäftigt (u.a. hier im Forum vor kurzem @The Incredible Holg in seiner ‚Probezeit’).

    In dieser in die Jahre gekommenen Ehe ist der Mann figurmäßig noch gut beisammen, sie ist mit der Zeit eher unförmig geworden. Er hat – wohl deshalb – keinen rechten Appetit mehr auf sie. Und sie hat versucht, diesen Appetit durch ein paar Sado-Maso-Spielchen wieder anzuregen. Jetzt machen sie Urlaub. Und hier steht für mich in seinem einfachen Konstatieren der beste Satz im ganzen Text:

    Wiederholt fragte sich Matthias, wie lange er diese Urlaube in Mittelklasse-Ferienclubs voller Mittelklasse-Familien an irgendeinem Mittelmeerstrand noch über sich ergehen lassen musste.
    Mit ihm formulierst du den Ansatz für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Problem, das sich da über die Jahre eingeschlichen hat. Aber die Aussage bleibt– wie andere Bemerkungen im Text – so stehen, führt nicht weiter. Stattdessen verharrst du bei deiner Beschreibung des oberflächlichen Geschehens, lässt eine Nachbarin auftauchen, die noch knackig ist und ihn anmacht. Folgerichtig ergibt sich ein erotisches Zusammensein. Alles, wie schon millionenfach gesehen, erlebt, dargestellt. Überraschenderweise gesellt sich dann die Ehefrau zu den beiden. Jetzt könnte es losgehen. Jetzt könnte sich etwas entwickeln, was diese Oberfläche verlässt, den Text interessant macht. Aber: April – April! Die ganze Szene war nur ein Traum und Matthias und Heike gehen wieder zur Tagesordnung über. Ende der Handlung. Alles wie im wirklichen Leben: Man registriert etwas, denkt ein bisschen drüber nach, träumt sich weg, wacht auf, ist wieder in der Realität und macht so weiter wie bisher. Aber ist das wirklich eine Geschichte? Wo ist dieser besondere Moment in der Alltäglichkeit?

    Fazit:
    Die detaillierte Beschreibung der äußeren Gegebenheiten finde ich gelungen. Die recht schlichte Handlung ist mir am Ende zu oberflächlich. Das Problem einer langweilig gewordenen Ehe wird thematisiert, aber weder vertieft noch unter einem neuen Aspekt betrachtet.

    Noch ein paar andere Sachen, die ich mir notiert habe:

    Nach fünfzehn Jahren Beziehung, und das bestätigtem(n) ihm sämtliche Freunde
    Wie sie so da lag
    dalag

    Während er vermehrt darauf achteteK genug Sport zu treibenK um seinen Bauchansatz im Griff zu haben, schien Heikes Hinterteil von Tag zu Tag breiter zu werden.
    NichtK dass er es übers Herz brächte, sie darauf aufmerksam zu machen, aber es störte ihn schon.
    Dieses Jahr war er so dreist gewesenK Heike vorzuschlagen,
    Nach dem Mittagessen gingen sie in den BungalowK um sich etwas auszuruhen
    Und danach“, sie fuhr ihm lasziv mit dem Fuß über den Schritt, „danach machen wir zwei uns hier richtig locker.“
    Ich glaube, mir fällt da auch was anderes ein“, sagte sie und strich sich mit der Hand lasziv über den Ausschnitt.
    Ich glaube, in beiden Fällen kannst du dieses erklärende ‚lasziv’ wegfallen lassen.

    Zum Schluss noch ein Gedanke: Ich würde den ganzen ersten Abschnitt streichen. Er bringt für die Geschichte mMn nichts. Ich fände es besser, du würdest deine Geschichte gleich mit der Urlaubssituation beginnen lassen. Alles, was der Leser braucht, erfährt er ja im folgenden Text.

    Ich hoffe, meine Kritik hat dich nicht zu sehr getroffen. Ich finde einfach, das von dir gewählte Thema hätte ein wenig mehr Tiefgang vertragen können.

    Liebe Grüße
    barnhelm
    Geändert von barnhelm (12.01.2017 um 12:29 Uhr) Grund: Macho-Maso verwechselt

  6. #6
    Kerkyra ist offline Mitglied
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    Aktuelles Buch: The post-birthday world, Lionel Shriver

    Hallo @Kanji,

    erstmal danke für Deinen Kommentar. Finde es immer wieder interessant, was der Leser interpretiert,
    Heike haftet mir in Gedanken vorrangig in ihren Eigenschaften als eine dynamische, Veränderung inszenierende Macherin aufgrund ihres gelben Kleides. Das ist richtig gut!
    Mit dem gelben Kleid habe ich mir gar nichts gedacht, steht die Farbe gelb wohl für Dynamik? Und mit der Charakterisierung hast Du natürlich recht, obwohl ich nicht viel über die Person Heike nachgedacht habe.
    ...hat mir doch einiges gefehlt, um sie mir im einzelnen näherzubringen.
    Heike und die andere Frau spielen nur Nebenrollen, Matthias ist die Hauptperson und ich denke, dass man doch einiges über ihn erfährt.

    Denn ich habe den Eindruck, du zeigst mir nur die witzig-spritzige Oberfläche, während ich etwas Dunkleres und Traurigeres vermute.
    Du vermutest schon richtig, ich hatte eigentlich gehofft, dass das so rüberkommt. Einerseits die locker-flockige Softporno-Stimmung aber eigentlich ja die unbewusste Unzufriedenheit und unerfüllte Sehnsüchte von Matthias, eine Lebenssituation mit der er sich abfindet und aus der es auch erstmal keinen Ausweg gibt.
    Danke Dir!
    Schönen Gruß, Kerkyra

  7. #7
    Friedrichard ist offline Senior-Mitglied
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    Aktuelles Buch: Curtis: The North American Indian, 1907/1930

    Nach fünfzehn Jahren Beziehung, und das bestätigte[n] ihm sämtliche Freunde, war es kaum so, dass man ständig übereinander herfiel. War er eigentlich noch geil auf Heike?
    Da find ichs mal wieder an der Zeit, Dich zu besuchen, haben mir doch vor Zeiten (naja, zwo Jahre ist es her) die Königsberger Klopse geschmeckt. Und ne Siesta wird im Rahmen klimatischen Wandels sicherlich auch in Mitteleuropa eingeführt werden, während die Ruhr zum Wadi und der Rhein zum Rinnsal verkümmert,

    liebe Kerkyra,

    und finde dann …

    Naja, ist halt schwierig, sich ins andere Geschlecht hineinzufinden. Darum vermeid ich in aller Regel selbst näherungsweise (mehr könnt es ohnehin nicht sein) dergleichen Rollentausch. Das könnte eh nur ent-täuschen. Aber was mir auffällt ist die Vorherrschaft der Hilfsverben, die Nähe zur Schulgrammatik. Was an sich ja kein Fehler ist. Ich hab da mal folgenden Absatz herausgepickt
    Mit Anfang zwanzig war er den ganzen Sommer im Zug kreuz und quer durch Europa gefahren, mit Anfang dreißig als Backpacker durch Australien gereist und jetzt lag er mit anderen bierbäuchigen Familienvätern am Pool und schlürfte schon am Vormittag gepanschte Cocktails. Dieses Jahr war er so dreist gewesen Heike vorzuschlagen, doch zur Abwechslung mal in die Toskana zu fahren, da die Kinder mittlerweile alt genug für ein bisschen Sightseeing wären. Sie hatte ihm einen verächtlichen Blick zugeworfen und das Thema war beendet gewesen.
    Dabei ist der erste Satz in seiner Zusammensetzung gelungen, der zwote und dritte aber von Hilfsverben, insbesondere vom Verb „sein“ nahezu verseucht
    Dieses Jahr war ... gewesen … wären. Sie hatte … war ... gewesen.
    Das klingt nach Verwesung – die sich durch ein wenig Möbelrücken vermeiden ließe, etwa dergestalt:
    „Dieses Jahr schlug er Heike dreist vor, doch zur Abwechslung mal in die Toskana zu fahren, da die Kinder mittlerweile alt genug für ein bisschen Sightseeing wären. Sie warf ihm (daraufhin) einen verächtlichen Blick zu und das Thema war beendet“, kurz, sechs Hilfsverben auf zwo zusammengedampft.

    Was als zwotes auffällt, ist die Flüchtigkeit. Flüchtigkeit deshalb, weil etwa die Kommasetzung an sich gelingt, wie sich belegen lässt. GoMusic hat da schon einiges geleistet, aber da ist noch einiges, dass ich gar nicht mal garantieren kann, dass nicht noch die eine oder andere Fluse zu finden wäre ...

    An sich setzt Du die Auslassungspunkte korrekt, nur eben hier nicht
    „Na dann, viel Spaß, hoffe, Ihre Freundin hat sich das gut überlegt, haha[...]…“
    An sich ist die Kommasetzung beim Infinitivsatz drin, vielleicht hat Dich hier der doppelte Infinitiv irritiert
    Während er vermehrt darauf achtete[,] genug Sport zu treiben[,] um seinen Bauchansatz im Griff zu haben, schien Heikes Hinterteil von Tag zu Tag breiter zu werden.
    was ich hier schon fast bezweifelt hätte
    Nach dem Mittagessen gingen sie in den Bungalow[,] um sich etwas auszuruhen und die Kinder für den Nachmittag neu einzucremen.
    „Schatz?“, sie versuchte, sich rittlings auf ihn zu setzen, doch er hatte das Gefühl[,] sich gleich übergeben zu müssen und rollte schnell zur Seite.
    „Bitte[,] entschuldige, mir geht`s echt nicht gut, ich denke[,] ein Nickerchen ist jetzt nicht schlecht.“
    Hier verbindet die Konjunktion „dämmrig“ und „heiß“ und die „Vorhänge“ sind von einem vollständigen (wenn auch) Nebensatz umkleidet
    Die Türe zum Bungalow stand offen, innen war es dämmrig, da die Vorhänge zugezogen waren[,] und ziemlich heiß.
    Da ist entweder das Verb falsch gewählt oder das Reflexivpronomen entbehrlich
    Haben Sie mir mal die Fernbedienung?“
    Hier ist es das Reflexivpronomen,
    „Fernbedienung? Oh je“, sie schlug sich die Hände vors Gesicht, „es gibt eine Fernbedienung?“
    schlägt die gute Frau doch nicht „sich selbst“ ins Gesicht (ich wollt schon in die Fr… schreiben), sondern sie schlägt die Hände halt vors Gesicht, dass sie das Elend nicht sehen muss ...

    Und zuletzt, was Du ansonsten ... Naja, wir wissen schon ...
    Heike!“[,] rief er entgeistert, „was machst du hier?“
    Ich seh's als Fingerübung -

    Gruß aus'm trüben Pott in den Süden vom

    Friedel

  8. #8
    Kerkyra ist offline Mitglied
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    Aktuelles Buch: The post-birthday world, Lionel Shriver

    Liebe @barnhelm,

    Ich hoffe, meine Kritik hat dich nicht zu sehr getroffen.
    keine Sorge, ich bin immer offen für Kritik und kann sie auch annehmen. Zumindest habe ich schon mal die Kommas verbessert

    ... zu sehr oberflächliches Geschehen, zu wenig Tiefgang,...
    Aber die Aussage bleibt– wie andere Bemerkungen im Text – so stehen, führt nicht weiter. Stattdessen verharrst du bei deiner Beschreibung des oberflächlichen Geschehens,...
    Ja, kann ich schon nachvollziehen, auf der anderen Seite war das vielleicht hier auch nicht meine Intention eine wirklich tiefgründige Story zu schreiben. Und anscheinend ist es (für mich) schwierig, die richtige Balance zwischen ernstem Thema und leichter Komödie zu finden und nicht zu seicht zu sein. Vielleicht ist das Thema auch einfach zu komplex für eine Kurzgeschichte.

    Oder aber, man fragt sich nicht und wurschtelt irgendwie weiter...

    April – April! Die ganze Szene war nur ein Traum.
    Ich glaube, das ist hier zutreffend. Ich kann da auch keine Lösung aus der vermeintlichen (?) "Misere" aufzeigen.
    Matthias und Heike gehen wieder zur Tagesordnung über
    Genau, bin ein knallharter Realist.

    Vielen Dank für Deine Kritik, hat mich gefreut! Kerkyra
    @Friedrichard , danke Dir auch, werde morgen auf Deinen KOmmentar antworten, bin auf dem Sprung.

  9. #9
    Fugusan ist offline Mitglied
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    Hallo @Kerkyra,
    den Anfang Deiner Geschichte fand ich zumindest so gut, dass ich weitergelesen habe. Das Traumende war enttäuschend. Mit Traumenden entzieht sich der Autor davor, sich ein passendes Ende auszudenken. Daher mein Vorschlag für ein mögliches Ende: Das Bikinihöschenmädchen ist eine Prostituierte, die von Heike bezahlt wurde. Das Mädchen steckt dem angebundenen Matthias eine Überdosis (versehtlich?) Viagra ins Maul und drückt die Pillen durch seinen Rachen. Matthias plagen daraufhin Herzdrücke und er fällt in Ohnmacht. Heike trägt ein zu enges Korsett und muss sich wegen Schwindelgefühlen hinsetzen. Das Höschenmädchen holt einen Arzt. In der Klinik kommt es zu einem "Happy End". Sicher fällt Dir noch ein besseres Ende ein.
    Das ist mir noch aufgefallen:
    Ihr Kleid war etwas zu eng, genauso wie die hohen Schuhe, aus denen ihre fleischigen Füße quollen.
    ... aus denen das Fleisch und die Haut der Füße quollen!
    Die Geschichte wäre mit einem gelebten Ende ein richtiger Hingucker.
    viele Grüsse
    Fugu

  10. #10
    Kerkyra ist offline Mitglied
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    Aktuelles Buch: The post-birthday world, Lionel Shriver

    Lieber @Friedrichard,

    herzlichen Dank für Deine Fleißarbeit, war ja dann auch meine Fleißarbeit - also meine Fingerübung hab ich absolviert, hoffe, dass ich annähernd alles gefunden habe.
    Zumindest hatte ich wieder viel Spaß beim Lesen
    Dieses Jahr war ... gewesen … wären. Sie hatte … war ... gewesen ... Das klingt nach Verwesung

    okay, kann ich so nehmen, aber Dein Vorschlag
    Dieses Jahr schlug er Heike dreist vor, ...
    kommt mir von der Zeitform nicht korrekt vor. Muss hier nicht Plusquamperfekt verwendet werden? Denn er hatte es ihr ja vor dem Urlaub vorgeschlagen.. Werde versuchen, die Verwesung anderweitig zu entsorgen.

    Naja, ist halt schwierig, sich ins andere Geschlecht hineinzufinden. Darum vermeid ich in aller Regel selbst näherungsweise (mehr könnt es ohnehin nicht sein) dergleichen Rollentausch.
    Ich versuche es trotzdem immer wieder mal, auch wenn ich weiß, dass Ihr harten (Wort-)krieger da ziemlich empfindlich seid. Aber hey, so schlecht ist Mann doch diesmal gar nicht weggekommen. Mir macht es einfach Spaß.

    Lieber Friedel, war mir wie immer eine Freude. Danke! Und stürmische Grüße aus dem Schwabenland, Kerkyra

    Hallo @Fugusan,

    ich glaube, wir hatten noch nicht das Vergnügen. Vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Mit Traumenden entzieht sich der Autor davor, sich ein passendes Ende auszudenken.
    Da ist vielleicht was dran, aber für mich ist es auch ein ganz nettes Stilmittel Dinge zu schreiben, die ich sonst als zu unrealistisch erachten würde. ES ist irgendwie befreiend. Aber ich gebe Dir recht, dass das Ende nicht wirklich kreativ ist.
    Danke auf jeden Fall für Deine kreativen Ideen,
    Das Bikinihöschenmädchen ist eine Prostituierte, die von Heike bezahlt wurde.
    diese hier finde ich ganz interessant, vielleicht versuche ich mal, das weiter zu spinnen.
    Schönen Abend, viele Grüße, Kerkyra

  11. #11
    Friedrichard ist offline Senior-Mitglied
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    Dieses Jahr war ... gewesen … wären. Sie hatte … war ... gewesen ... Das klingt nach Verwesung
    okay, kann ich so nehmen, aber Dein Vorschlag
    Dieses Jahr schlug er Heike dreist vor, ...
    kommt mir von der Zeitform nicht korrekt vor. Muss hier nicht Plusquamperfekt verwendet werden? Denn er hatte es ihr ja vor dem Urlaub vorgeschlagen.. Werde versuchen, die Verwesung anderweitig zu entsorgen.
    schriebstu,

    liebe Kerkyra.

    Selbst wenn man nicht völlig frei ist, gibt es im Deutschen keine strenge Zeitenfolge wie in anderen Sprachen. Entscheidend sind allemal Vergangenheit (was vollendet ist, ob gerade eben oder vor 12.000 Jahren, wurscht)) und Gegenwart - was gerade dran ist, begonnen wird. Die zusammengesetzten Zeiten (incl. Futur!, es wird sein .../es wird gewesen sein) sind nur Hilfskonstruktionen, wenn man statt „ich werde kommen“ sagen kann, „ich komm morgen (oder wann auch immer)“, dann gilt es auch für die Vergangenheit, sofern der Zeithorizont bekannt ist. Und in unserm Fall
    Dieses Jahr war er so dreist gewesen Heike vorzuschlagen, doch zur Abwechslung mal in die Toskana zu fahren, ...
    ist doch dem aufmerksamen Leser klar, dass dieDreistigkeit vorm Urlaub stattfand (stattgefunden hat ist ja dennoch nicht falsch).

    Wir sollten dergleichen mal bei Königsberger Klopsen besprechen ...

    Tschüss

    Friedel

  12. #12
    Isegrims ist offline Moderator
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    Hallo @Kerkyra

    Warum hast du eigentlich keinen Humor-Tag gesetzt? Ich fand den Text nämlich ziemlich lustig, geht schließlich um eine Art Demaskierung einer Männer-Fantasie, weniger um Erotik, die ist latent, aber kaum spürbar, weil die Figur wenig individuelle Züge trägt, mehr so die Folie eines Allerwelts-Manns ist. Ein Mann in den Wechseljahren träumt davon, dass eine junge attraktive Frau ihn begehrt. Gemeinhin klappt das nur, wenn er für bezahlt, unverschämt gut aussieht oder über ungeheuer viel Intelligenz und Charme und Ausstrahlung verfügt, oder eben es ist ein Spiel, das andere steuern und er wird zum Objekt, wie hier. Eine vergnügliche, kleine Zwischenmahlzeit, mehr eine Anekdote, erzählst du da. Wärst du schärfer auf ihm geblieben, hättest du nicht bloß die Oberfläche seiner Gedanken betrachtet, die echten Verletzungen, das Elend seiner Seele, dann hätte deutlich mehr aus dem Text werden können, sprachlich ist der ja in Ordnung.

    Textstellen:

    Zitat Zitat von Kerkyra Beitrag anzeigen
    über den glänzenden Stoff des Kleides, der wirklich keinen Makel verzieh,
    wegen des Glanzes oder weil das Kleid so eng war=?

    Zitat Zitat von Kerkyra Beitrag anzeigen
    und richtete dann umständlich eine Abwesenheitsnotiz für sein Emailkonto ein.
    mm, haben die ein neues Email-Programm? Das muss für ihn doch Routine sein.

    Zitat Zitat von Kerkyra Beitrag anzeigen
    Zumindest hatte das ihr eingerostetes Sexleben wieder etwas auf Trab gebracht,
    jetzt müssten Details kommen.

    Zitat Zitat von Kerkyra Beitrag anzeigen
    „Ich bin total heiß, ich will, dass du es mir richtig besorgst.“ Vor Schreck entfuhr ihm ein lauter Rülpser. Heike sah ihn missbilligend an.
    die Stelle finde ich superlustig.

    Zitat Zitat von Kerkyra Beitrag anzeigen
    „Das könnte ich sicherlich tun. Aber, da hier ja sowieso alles all-inclusive ist, wäre das ja keine große Revanche.“
    ziemlich erwartbarer Witz

    Zitat Zitat von Kerkyra Beitrag anzeigen
    , hart und ihr vielleicht noch ein bisschen den Po versohlen.
    aha, doch ein wenig SM, hier denkt er sich das und später:
    Zitat Zitat von Kerkyra Beitrag anzeigen
    . „So mein Lieber, jetzt wollen wir mal sehen, wer hier wen versohlt.“
    er hat ihr das doch gar nicht gesagt, oder?

    Ich hoffe du kannst was mit anfangen.

    viele Grüße
    Isegrims

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