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Aristolia- Die Rückkehr

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03.11.2015
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Aristolia- Die Rückkehr

„Nur weil ein Mensch nichts Böses tut, muss er noch lange kein guter Mensch sein“, nuschelte Tana vor sich her, während sie auf ihrem Himmelbett lag und tief in einem Buch über die Gesetze Aristolias versunken war.
„Tolle Begrüßung zu meiner Rückkehr, liebste Schwester. 90 Tage lang haben wir uns nicht gesehen. Ich habe mich so sehr auf diesen Umzug gefreut. Es ist ja ok, dass du mich nicht einmal herzlich begrüßt, aber wenn ich mir anhören muss, wie du dich hier gehen lässt, mach ich mir große…“
„Was soll dies bedeuten? Ich lasse mich gehen? Ist es wegen Gnagg?“, unterbrach Tana ihren Bruder.
„Ganz genau. Treibst du es etwas mit diesem Wilden?“ Gon pausierte kurz, ehe er mit schriller Stimme wildgestikulierend umhersprang. „Gnagg! Gnagg! Gnagg! Gnagg! Das ist doch kein Name! Wie klingt das eigentlich?“, rief Gon lachend. Er entledigte sich seiner verschmutzten alten Jeanshose sowie seines löchrigen Kapuzenpullovers und schlüpfte in eine frische, weiße Toga.
Tana schlug ihr Buch zu.
„Achja, GON? Dein Name klingt ja um einiges ästhetischer!“, erwiderte sie, ehe sie wieder in ihren Gedanken versank.
„Haha. Sehr witzig! Frau Oberzynikerin!“
Gon ging auf seine Schwester zu, legte sich neben ihr ins Bett und umarmte sie von der Seite.
„Hey. Ich mach‘ mir doch nur Sorgen. Alle meinen, dass du beim letzten Mal nur ganz knapp hier bleiben durftest. Dich trennen nur noch wenige Dignapunkte von dem Land der Lücke. Und glaub‘ mir, ich weiß wie hart es da ist. Eigentlich warst du doch immer die würdigste Person, die hier lebt.“ Gon schaute ihr tief in die Augen. Er wirkte besorgt. „Und jetzt? Schau‘ dich doch bitte einmal an! Du rauchst und trinkst Alkohol. Das gibt Abzüge in der ersten Säule, gesunde Ernährung.“
„Du musst mir nicht die sechs großen Säulen und unser Punktesystem erklären. Ich kenne sie zu Genüge! Aber dir ist schon bewusst, dass diese Säule aus den Komponenten gesunde Ernährung UND umweltfreundliche Nachhaltigkeit besteht und ich die Leiterin aller 14 Baumschulen in ganz Aristolia bin? Es könnte also vielleicht wieder reichen.“
Gon küsste ihre Stirn.
„Gewiss und ich bin doch stolz auf meine große Schwester, die als einzige Person in ganz Aristolia seit der Gründung vor acht…“
„Du meinst neun!“
„Ja genau,… die als einzige Person seit der Gründung vor NEUN Jahren immer würdig genug war, um hier die Privilegien unserer Reiches auszukosten. Hey, du bist die einzige, die so perfekt ist, so etwas zu schaffen und die sich dann auch noch so ein doofes Datum merken kann!“
Gon sprang auf und begab sich wieder in seinen Bereich des Zimmers.
„Perfektion? Das Wort ist ein Oxymoron! Nichts ist perfekt solange es einen Menschen in der Nähe gibt. Das ist das Problem an Aristolia!“
„Kann sein… Boah sind die lecker! Hm. Sensationell!“, schmatzte Gon, als er seine geliebten Kaubonbons aß, die er in einer Schublade wiedergefunden hatte. „Tschuldigung, dass ich das Thema wechsele, aber du weißt nicht wie ich diese Dinger vermisst habe! HIMBEER! Die beste Geschmacksrichtung von allen Süßigkeiten. Ein bisschen zäh, aber genial diese Teile.“
„Ich habe seit deinem Umzug natürlich nichts entwendet, was dir gehört. Auch nicht deine geliebten Bonbons. Schließlich wäre das gegen das Gesetz. Dies würde ich bei niemandem machen.“
„Siehst du! Du kennst die Regeln doch noch!“ Gon klatschte provokativ. „Vorbildlich! Ich hätte, ganz ehrlich gesagt, bestimmt eines von dir genascht, wenn ich an deiner Stelle gewesen wäre“, sagte Gon mit einem Augenzwinkern.
„Aber eine Sache müsste ich dir der Korrektheit halber noch mitteilen“, sagte Tana.
„Was denn?“, fragte Gon während er dem Rascheln der Kaubonbonverpackung lauschte. „Das ist wie Musik in meinen Ohren. Das habe ich im Land der Lücke am meisten vermisst!“
„Ich…Ich habe während deiner Abwesenheit den Platz in deinem Bett verschenkt“, offenbarte Tana beiläufig und beobachtete wie kurz danach das Kaubonbon aus Gons Mund direkt auf den Boden fiel.
„Dein Ernst? An Gnagg? An diesen wilden, stinkenden Typen verschenkst du mein Bett? Weißt du, dass sie alle sagen, dass dieser Barbar aus der Wüste seinen Vater getötet haben soll und in dessen Gedärmen in kalten Nächten übernachtet hat, nur um zu überleben!“
„Du glaubst diesen Unsinn? Dies sind Ammenmärchen. Die Leute haben, auch im ach so perfekten Aristolia, Angst vor dem Fremden. Nur offen zeigen dürfen sie es nicht, weil sie sonst keine Dignapunkte erhaschen.“ Tana wirkte nachdenklich. „Und apropos stinken, ich wüsste nicht, dass er unangenehmer riecht als du!“
„Tana, pass bloß auf! Du weißt, dass Lono von Schnauff zu einem der neuen Wächter gelost wurde und ich weiß, dass er dich besonders gründlich überprüfen wird. Wenn du absteigst, dann wäre er mit dir gleichgezogen! Das ist sein großes Ziel!“
„Aha!“, sagte Tana desinteressiert.
„Außerdem meinen auch viele andere, dass du dem Druck nicht mehr Stand halten kannst und beginnst, Fehler zu machen!“
„Wie meinst du das?“
„Naja, du kannst nicht mehr erreichen, als nie in das Land der Lücke geschickt worden zu sein. Du kannst nicht perfekter werden! Das demotiviert doch, oder?“
„Perfekt. Perfekt. Perfekt. Ich kann dieses Wort nicht mehr hören!“
Tana stand auf und ging auf Gon zu. „Hier lies das!“, mit voller Wucht drückte sie ihm das Buch über die Gründung Aristolias in die Hand.
„Die Gründer schreiben darin, dass das Leben zyklisch ist. ZYKLISCH!? Verstehst du?! Ein Mensch kann gut handeln oder schlecht handeln. Handelt er schlecht, dann kommt er in das Land der Lücke. Handelt er gut, kann er wieder nach Aristolia aufsteigen! Von Perfektion steht dort NICHTS geschrieben! Auf das Gute folgt das Böse! So ist der Kreislauf, nur dass man hier aus Fehlern lernen soll.“
„Verarsch mich nicht! Ich kenne die Regeln! Aber deine Rolle als Großphilosophin nervt nur n…“
„...ergo ist es vollkommen legitim, dass auch ich absteige!“, fuhr Tana mit lauter Stimme fort.
„Ist ja gut! Dann steigst du halt ab! Und egal was passiert. Ich passe auf dich auf, auch im Land der Lücke.“
Tana senkte ihren Blick.
„Vielleicht überzeugt dich das Argument, dass deine sogenannten Wilden gar nicht so barbarisch sind, wie du denkst. Erstens haben es viele von ihnen schon geschafft hierzubleiben und zweitens haben sie lediglich die Befürchtung, dass das Land der Lücke bald zu klein für alle Menschen wird. Dann entscheiden nur noch Nuancen wer hier bleibt, aber keine wahren Werte mehr. Das ist doch kein Sport!“ Gon schaute sie schweigend an. „Wer weiß? Vielleicht reicht es ja dennoch, um hier zu bleiben! In den Säulen Sport, Intelligenz und soziales Engagement hatte ich bis jetzt immer die volle Punktzahl. Damit kann man eine Kategorie ausgleichen. Und die Tests in Sport und Intelligenz liefen heute früh ganz gut.“, fuhr Tana fort.
„Aber was ist mit Säule fünf? Höflichkeit und Freundlichkeit? Ich weiß, dass Lono es auf dich abgesehen hat.“
„Die Leute meiden mich mehr und mehr, nur weil ich denke, dass das System nicht mehr geeignet ist, um alle Menschen, die hier leben wollen, glücklich zu machen. Leider ist auch mir noch keine Lösung eingefallen. Das nagt an mir!“
„Vergiss bitte auch nicht die letzte Säule. Ein Verstoß gegen diese Gebote und du landest auch vor Ablauf der 90 Tage im Land der Lücke und zwar im dortigen Kerker. Dann nützen dir deine Dignapunkte auch nichts. Und das ist kein Zuckerschlecken dort.“
„Als ob ich irgendjemanden verletzen, töten, belügen, bestehlen, bedrohen oder erpressen würde.“
„Ich meine ja nur! Das ist dort nicht wie hier, mit all deinen Privilegien. Du hast dort keine kleine Villa aus Marmor mit drei Zimmern in der nur mit fünf anderen Menschen wohnst, keinen Garten, kein fließend Wasser, keine drei Mahlzeiten am Tag, keinen Strom, keinen Internetzugang oder Bäume. Die Landschaft dort besteht aus einem Meer von Blechhütten. Ein Pritsche für acht Menschen pro Hütte! Und der Kerker ist noch krasser!
„Verständlich“, sagte Tana etwas desinteressiert.
„Aber der Hunger ist am schlimmsten. Hier ist das Paradies! Und die Wächter dort sind nämlich viel strenger als hier. Erst recht nach dem ganzen Ansturm aus der Wüste auf unser Reich.“
„Ich weiß. Aber mach dir keine Sorgen. Noch habe ich Zeit, Punkte zu sammeln. Ich benötige lediglich 46 von 90 pro Säule und schon bleibe ich hier!“, sagte Tana.
„Hier schon! Aber wenn du einmal im Land der Lücke bist, brauchst du mehr. Die neuen Wächter stimmen heute darüber ab, weil es im gesamten Reich immer voller wird. Und obwohl sie sogar zuerst hier leben dürfen, steigen die meisten Wilden wieder ab. Nicht jeder soll wieder aufsteigen können. Ab morgen brauchen wir dann vermutlich 80 Dignapunkte. Mir haben vergangene Woche noch 75 gereicht!“
„Siehst du?!“
„Was sehe ich?“
„Dass dieses zyklische Lebenssystem einfach nicht mehr funktioniert. Hier steht geschrieben, dass wir uns selber immer hinterfragen müssen, ob wir noch das Richtige tun! Säule drei: Intelligenz und Aufgeklärtheit.“ Tana entriss Gon das Buch und schlug die Seite auf.
„Hier! Dritter Absatz: Der aufgeklärte Bürger Aristolias hinterfragt Tag für Tag sein Tun und Handeln und ist dazu befähigt in besonderen Situationen als Ultima Ratio alle Gesetze mit Ausnahme die der sechsten Säule zu ändern, sollte ihn das Gefühl beschleichen, dass das Prinzip Aristolias nicht mehr den Anforderungen der aktuellen Zeit entspricht.“
Gon schaute irritiert.
„ Öhm… Von was für einer Ausnahmesituation sprichst du? Noch gab es keine Todesfälle im Land der Lücke. Die Kerker sind spärlich gefüllt. Es ist dort halt ein bisschen voller, weil die Wilden fauler sind. Aber es herrscht dort noch kein Sodom und Gomorra.“
„Das sind dennoch keine Zustände mehr. Gnagg und seine Freunde denken das übrigens auch!“
„Der ist doch Schlimmeres gewohnt. Dieser Barbar soll endlich unsere Gesetze akzeptieren. Ich bin froh, wenn er in 90 Tagen sein Dasein im Land der Lücke fristet. Der ist einfach zu faul, sich anzustrengen. Er hatte nur Glück, dass Neuankömmlinge zuerst alle Privilegien genießen dürfen. Man hätte diese Wilden sofort in das Land der Lücke schicken sollen.“
„Das sehe ich nicht so, mein Bruder!“
„Schwachsinn. Unser System ist perfekt. Nach 90 Tagen kann jeder Nicht-Kriminelle, wieder aufsteigen, wenn er sich anstrengt. Das ist einfach nur fair! Jeder, der will und würdig ist, darf in Aristolia leben!“
„Ich sehe es immer noch anders!“
„Wieso? 46 von 90 Punkten in vier Kategorien. 90 Tage Zeit. Das ist das Tollste was es jemals gab. Jeder hat eine Chance, wirklich jeder! Sogar ICH, das schwarze Schaf der Familie.“ Gon schaute einen Moment reumütig und gedankenversunken drein. „Du warst doch immer von diesem System begeistert, Tana. Geschlecht, Geld, Glaube, Herkunft…All das spielt keine Rolle mehr. Nur die Leistung zählt. Nicht so wie in der Neuen Antike, die zum Chaos auf der Welt geführt... Dieser verdammte Dritte Weltkrieg hätte uns vor elf Jahren fast alle zerstört!
Tana nickte unbewusst.
„Willst du diesen Frieden gefährden, Tana? Die Leute hier fallen keinem Verbrechen zu Opfer, sie leben länger, sie sind friedvoll! Und vor allem sind die meisten glücklich. Wie kannst du so etwas nicht wollen? Sogar ich habe endlich hier meinen Platz gefunden. Ich bin glücklich. Zählt das nichts für dich?
„Ich will gar NIEMANDEN gefährden! Aber dieses System giert nur noch nach Punkten, hinter denen sich doch bald keine Werte mehr verstecken!“
„Wie?! Was meinst du damit?“
„Die Leute verstellen sich wegen der Punkte und wir tun so, als ob die Guten hier und die Schlechten dort leben würden. Das ist verlogen!“
„Ich verstehe dich nicht!“
Tana begab sich zur Schublade und holte einen kleinen silbernen Kelch heraus.
„Wo willst du hin?!“
„Trinken! Gnagg und seine Freunde versammeln sich heute auf dem Marktplatz!“
Gon hielt sie am Ärmel fest.
„Bist du wahnsinnig?! Sie protestieren vor dem Marktplatz, obwohl man mehrere Erpresserschreiben vor dem Rathaus gefunden hat. Wenn man dich dort sieht, bist du dran!“
„Lass mich bitte los!“, Tana schaute ihren Bruder mit ernster Miene an. „Ich verabscheue es, wenn du mich anfasst. Du weißt doch, dass du das auch schon als Kind mit Mama gemacht hast und was dann passiert ist?!
Gon wirkte geschockt und lies reflexartig ihren Arm los.
„Aber…, aber da war ich noch klein. Ich….!“

„Vor den Gesetzen Aristolias warst du noch nicht schuldfähig, aber das heißt nicht, dass dich keine Schuld trifft!“
„Ich weiß. Ich wollte das doch auch nicht!“
Tana wirkte skeptisch.
„Ja, ich glaube dir, aber bitte fass mich nie mehr an. Deine Wutausbrüche und deine Faulheit haben dich schon in das Land der Lücke gebracht und nur weil du seit deiner Mündigkeit damit nie jemanden ernsthaft verletzt hast, blieb dir der Kerker erspart.
Gon packte sich nervös an den Hals.
„Es tut mir leid!“
„Ich gehe jetzt!“
„Ok, aber bitte trink nicht so viel. Du kannst mit den Wilden nicht mithalten. Die vertragen einiges.“
„Hast du eigentlich jemals einen von ihnen gesehen, dich jemals mit einem von ihnen unterhalten? Du redest und urteilst so, als ob du ihnen schon mehrfach begegnet wärst!“
Gon schaute sie verwundert an, ehe er mit dem Kopf schüttelte. Tana entschwand durch die Türe.

***
Nach kurzer Zeit klopfte es an der Tür. Als diese sich öffnete stand ein klein geratener, schmächtiger Mann mit schütterem, blonden Haar und auffällig großen Segelohren vor ihm. In seiner Hand trug er ein weißes Tablet. Gon ließ ihn herein.
„Salve, Lono, altes Haus. Wie du siehst, ist Tana nicht da. Also kannst du dich wieder entbehrlich machen!“
„Deine Schwester brauche ich nicht, um sie zu bewerten“, entgegnete Lono schnippisch.
Er begab sich an Tanas Schreibtisch und durchstöberte akribisch die Schubladen.
„Hach! Sie raucht. Sie säuft und bei der Ärztin ist sie auch nicht erschienen, um ihre Proben abzugeben! Was ist nur aus ihr geworden?“
Der kleine Mann tippte seine Beobachtungen in einen Auswertungsbogen. Anschließend trat er an Gon heran, bäumte sich auf und schaute ihm tief in die Augen.
„Das gibt keine Punkte für heute. Gon, deine Schwester und diese Horde… Sie…Sie sind…Ja, wie soll ich sagen? Sie sind eine Gefahr, nein sie sind eine Bedrohung für den Frieden in unserem Reich! Jetzt gibt es schon Drohbriefe, die im Umlauf sind. Und diese erhalten eine fürchterliche Rechtschreibung. Es ist doch klar, wer diese verfasst hat.“
„Keine größere Bedrohung als dein Gesicht, Lono. Und wie ich dich kenne, hast du diese Briefe selber geschrieben, du Schlitzohr“, antwortete Gon.
„Du…Du.. Das ist fast schon Verleumdung!“, stotterte Lono und hämmerte wie wild eine neue Bewertung in sein System ein.
„Das ist doch nur Klamauk aus meinem Munde, Herr von Schnauff, komm schon!“
„Wie dem auch sei. Da.. da.. das hat Konsequenzen für deine Schwester! Sie sollte wegen Hetze verurteilt werden!“
Gon krakeelte lauthals.
„Hetze?! Hier. Lies! Dann weißt du, dass ihr aufgeklärter Geist, ganz dem Sinne Aristolias entspricht.“ Gon streckte Lono das Buch seiner Schwester entgegen.
„Dafür habe ich keine Zeit. Ich muss meine Bewertungen durchführen. Wir sind schließlich nur 900 Wächter für 90000 Menschen, aber eines sage ich dir: Ich spüre, dass auch du deine Schwester nicht wiedererkennst. Sie ist größenwahnsinnig geworden und erträgt diesen Druck, der auf ihr lastet, nicht mehr. Das weiß ich und das weißt auch du! Ich frage mich wie du sie beurteilen würdest, solltest du, durch das Zufallsprinzip ausgelost, Wächter werden.“
„Ja. Ja! Darf ich jetzt bitte schlafen?“
„Teile Tana bitte mit, dass ich morgen früh mit der Ärztin wieder hier erscheinen werde, damit wir ihre Tageswerte erfassen können!“
„Jawohl, Herr Wächter von Schnauff! Dies werde ich zu tun gedenken!“
Mit hochgezogenen Augenbrauen verließ Lono das Zimmer. Gon blickte erleichtert auf die großen Fenster des Zimmers, die am Tag sehr viel Sonnenlicht hineinließen. Seine nackten Füße fühlten sich durch den hellen Marmorboden lebendig an. Verschiedene Gipsskulpturen rundeten den pompösen, aber gemütlichen Eindruck des Zimmers ab. Er genoss die erste Nacht seit seinem Umzug, die für ihn Freiheit bedeutete. Glücklich ließ er seine Füße aus dem großen Himmelbett taumeln.

***
Es war mitten in der Nacht, als die schwere Eichentür des Zimmers sich langsam öffnete und Gon ein seltsames Geräusch vernahm. Vor der Villa waren Schreie zu hören. Gon schreckte hoch und schnappte sich eine kleine Platonstatue. Er verharrte in einer Abwehrhaltung auf dem Bett; seine Hand fest um die Statue umschlungen. Sein Gesicht war der Tür zugewandt. Plötzlich gab es einen unerwarteten Knall. In dem Moment, als Gon sich zur Türe begeben wollte, taumelte Tana in das Zimmer.
„Was ist da los?“
„Das…, ehrenwerter Bruder, das sind die Anderen. Sie haben mich nur nach Hause begleitet. Sie haben Angst um mich, nach all dem was heute passiert ist. Das war eine sehr wichtige und ereignisreiche Nacht.“ Tana hickste während Gon sie geschockt anstarrte.
„Wolltest du mir nicht mal deinen Freund vorstellen?!“
„Gnagg? Das geht leider nicht mehr. Sie haben uns eine Falle gestellt! Gnagg wurde wegen angeblicher Körperverletzung sofort verhaftet, dabei hat er sich nur gegen Lonos Angriff gewehrt und ihn zu Boden gerissen. Aber die Anderen und ich, wir haben schon einen Plan!“
„Deine Art zu reden bereitet mir Kopfschmerzen. Du bist voll wie eine ganze Bataillon von Barbaren!“
„Denitiv…Autokorrektur: Definitiv, ehrenwerter Bruder!“
„Ich verbiete, dass du dich weiterhin mit diesen Wilden triffst! Das ist zu gefährlich!“
„Warum? Nur weil ich diese Menschen mehr in mein Herz geschlossen habe als dich?“
Gon blieb wie angewurzelt stehen.
„Häh?“
„Richtig gehört. Das ist das, was ich heute gemeint habe. Die Dignapunkte für die Würdigen erfassen nicht, was man wirklich fühlt. Und ich habe ein großes Defizit!“
„Wie?“
„Gon, ich respektiere dich und halte mich an die Gesetze, aber ich bin kein guter Mensch! Und das macht mich fertig.“
„Wieso?“
„Weil ich meinen eigenen Bruder nicht liebe!“. Sie hielt kurz inne und holte tief Luft. „Du hast unsere Mutter damals die Treppe hinuntergestoßen. Sie ist tot. Tot, für immer und auch wenn Aristolia das theoretisch von mir verlangt… Die Punkte für Gnade und das Verzeihen habe ich mir nie verdienen können! Das ist auch ein Grund, warum ich zweifle.“ Tana musste kurz aufstoßen. Dann fuhr sie fort.
„Zum Glück wird das in diesem System nicht erfasst, aber ich schäme mich, dass ich keine Liebe für dich empfinde, keine Liebe zu den meisten Leuten hier, auch wenn ich sie schätze und ihnen keinen Schaden zufügen würde.“
„Nicht verletzen?“, sagte Gon entsetzt. „Das fühlt sich aber gerade anders an.“
„Ich weiß wie wichtig dir Aristolia geworden ist, aber für mich verliert es an Bedeutung! Es wird mir egal. Du wirst mir egal!“
Ehe Tana sich versah, landete Gons flache Hand in ihrem Gesicht. Tana stürzte zu Boden. Sie richtete sich auf ihre Knie und fixierte Gons Augen.
„Siehst du!? Würde ich dich lieben, dann würde mir das jetzt etwas ausmachen. Tut es aber nicht. Und eigentlich müsstest du dafür jetzt in den Kerker. Du bist eine Gefahr für Aristolias Bewohner.“ Tränen schossen in ihre Augen. „Es ist aber auch irgendwie meine Schuld! Lass mich jetzt bitte erst einmal alleine! Ich muss nun sehen, wie ich Gnagg befreie. DAS ist mir wichtig.“
Gon rannte, vor Rage schnaubend, aus dem Zimmer.

***
Am nächsten Morgen betrat Lono von Schnauff mit einer Ärztin und einem Wachmeister das Zimmer. Lonos Nase war mit einem großen Verband versehen.
„Guten Morgen!“, rief er leicht unverständlich.
„Mooorgen!“, entgegnete Tana, von der vergangenen Nacht gezeichnet.
„Ist das ein widerlicher Gestank! Du passt dich den Wilden immer mehr an!“ Lono richtete sich an die Ärztin. Ich glaube, dass es keinen Sinn macht, nun Blut zu entnehmen. Wir können gehen! Das gibt wieder null Punkte und ich bin gespannt wie du heute in diesem Zustand die anderen Tests absolvieren willst!“ Lono zückte sein Tablet und tippte sichtlich motiviert Notizen in seinen Bewertungsbogen. „Wir kommen morgen wieder. Bitte bleib dieses Mal abstinent oder… besser auch nicht!“
„Ich glaube ich trinke nie wieder! Ich möchte mich demnächst wieder an die vergangenen Nächte erinnern können.“
In dem Moment als Lono sich mit einem teilnahmslosen Schulterzucken verabschieden wollte, entdeckte er etwas auf Tanas geöffnetem Laptop.
„Heureka! Unglaublich!“, rief er und betrachtete eine Datei auf Tanas Desktop, die er leise vorlas.
„Ihr Naren! Wir werden das Lant an uhns reißen, wenn ihr nicht etwas ähndert! Ihr ahrmen Töllpel. Unsär Zeit ist gäkommen.

„Ich kann es nicht fassen. Das ist DIE Drohschrift, die gestern aufgehängt wurde!“
„Nein. Das kann nicht sein! Wir wollten uns vor dem Senat erklären, bevor wir etwas unternehmen. Das haben sie mir versprochen! Wir…Wir waren das nicht. Wir wollten das anders klären. Wirklich!“
„Verstricke dich nicht noch mehr in Lügen. Das ist doch eindeutig. Erst diese Attacke auf mich gestern Nacht und nun finden wir hier diese Drohbriefe. Aristolia lässt sich nicht erpressen! Du verstößt gegen die sechste Säule. KERKER!“
„Du hast ihn provoziert! Du hast ihn zuerst angegriffen!“, schrie sie Lono an. „Die Rechtschreibfehler hätte jeder dort einbauen können. Ihre Bildungslücke gegen sie zu verwenden, das würde zu dir passen!“
„Beweise es!“
„Ich war das nicht! Ich kann mich zwar nicht erinnern, was gestern war, aber das ist unmöglich. Nein!“, rief Tana.
„Das denkst du! Das kommt von zu viel Alkohol.“
„Nein, das kann nicht sein. Ich mache so etwas nicht. Das riecht nach deiner Handschrift, Lono!“
„Hast du Beweise?“
Mit Schmerzen fuhr sich Tana durch ihr leicht geschwollenes Gesicht als die Türe laut zugeschlagen wurde. Gon stand nun inmitten des Zimmers.
„Lono war es nicht!“, schrie er.
„Natürlich war ich es nicht. Ich habe ein Alibi! Ich war gestern nach 23 Uhr im Krankenhaus.“ Er wandte sich mit seinem Gesicht der Ärztin zu, die dies nickend bestätigte.
„Und wo warst du die ganze Nacht, Gon?!“, fragte Lono.
Gon zögerte. „Da ist doch egal!“
„Ist es eigentlich auch“, erwiderte Lono euphorisch und trat an Tana heran.
„Du hast dich verändert, Tana und dafür musst du die Konsequenzen tragen. Akzeptiere es! Du hast dies komplett alleine zu verantworten“, sagte Gon.
Perplex schaute sie in die leeren Augen ihres Bruders. Sie fing an zu weinen.
„Wirklich?“
„Ja! Du hast gestern den Brief geschrieben, nachdem ich dich geschlagen hatte. Wir beide sind nicht würdig für Aristolia!“
Tana wirkte beschämt. Fassungslos senkte sie ihren Kopf.
„Stimmt das wirklich?“
„Ja. Du bist unwürdig!“, bekräftigte Gon mit strenger Stimme. „Endlich hast du es geschafft!“
„Führ die Frau ab! Um ihren Bruder kümmere ich mich“, befahl Lono dem Wachmeister.
„Ich weiß nichts mehr. Das kann nicht sein. Ich habe tief und fest geschlafen. Hilf mir! Gon, bitte!“
Tana fiel auf ihre Knie.
„Tana, du solltest nun etwas Würde versprühen! Mach dich bei deinem letzten Auftritt in Aristolia nicht lächerlich“, sagte Lono.
Langsam richtete Tana sich auf. Ihre Knie bluteten. Sie warf Gon einen letzten Blick zu. Ihre Augen baten ihn um Verzeihung. Sichtlich geschockt verließ sie mit der Ärztin und dem Wachmeister das Zimmer während Gon mit Lono noch stehen blieben.
„So, so, Gon. Du bist also wieder in alte Muster verfallen. Das war demnach nur ein kurzes Gastspiel hier. Dich ehrt dein Geständnis, dich zerstört deine Tat.“
Lono näherte sich noch einmal verwundert dem Laptop. „Ich hätte es ihr eigentlich auch nicht zugetraut. Irgendwie passt das nicht. Vor allem diese äußerst plumpen Rechtschreibfehler... Diese Wörter habe nicht mal ich benu…“ Lono unterbrach sich selber. Verlegen schaute er Gon an und räusperte sich. „Hm. Ja, egal, wie dem auch sei. Das muss wohl wirklich deine Schwester gewesen sein. Ich hatte zwar schon eine Idee, wie ich ihrem riskanten Verhalten ein Ende setze, aber manchmal lösen sich Probleme von alleine. Und die anderen Wilden werde ich somit auch los. Prima.“
„Jaja. Ist gut jetzt! Du hast nun alles, was du willst!“
„Das stimmt, nur schade um dich Gon! Ich dachte du hättest deine Wutausbrüche endlich unter Kontrolle. Ohne diesen Fehler wärst du ein wichtiger Bestandteil für Aristolia. Aber du bist keinen Deut besser als deine Schwester, auch wenn du mir von großem Nutzen warst und dein Ausbruch sie bestimmt erst dazu verleitet hat! Dafür danke ich dir!“
„Ich glaube an Aristolia und werde es beschützen. Immer! Es ist der beste Ort für die Menschheit. Ich will, dass meine Kinder hier einmal in Frieden aufwachsen.“
„Ich weiß. Aber Aristolia glaubt leider nicht mehr an euch!“ Lono fasste seinen Verband an und stöhnte leicht vor Schmerzen. „Du weißt was Bürgern blüht, die gegen die Gebote der sechsten Säule verstoßen.“
Gon nickte.
„Na ja, endlich mal was Neues. Innerhalb von drei Tagen hab ich alle Stationen hier durch. Wer schafft das sonst? Diesen Rekord wirst du mir nicht nehmen!“
Lono runzelte mit der Stirn, packte Gon am Arm und zerrte ihn aus dem Raum.


***
Am Abend kehrte der Wachmeister in das Zimmer zurück, um die Beweise zu sichern. Als er den Laptop hochhob, fand er dahinter ein kleines zusammengerolltes Stück Papier. Er entfaltete es und roch kurz daran.
„Himbeer!“, flüsterte er vor sich her.
Irritiert warf er das Papier in den Müll und verließ mit dem Laptop den Raum.

 

Liebe_r Jizzle,

vielen Dank für deine nette Geschichte aus Aristolia!
Es hat Spaß gemacht diese interessante Welt in deiner Kurzgeschichte zu erkunden.
Tatsächlich hast du in meinen Augen die Welt und deren Regeln deutlich in den Mittelpunkt gestellt, sodass die Handlung irgendwie eine Nebenrolle spielt. Das finde ich schade. Die Handlung hat eine nette Grundidee, mit dem Konflikt der Geschwister, aber leidet darunter, dass in jedem Dialog soviele Informationen über die Welt untergebracht werden müssen, wie möglich. Ich verstehe gut, dass du mit dem "Show, don't tell" die Gesetze in Aristolia während des Dialoges dem Leser erklären willst, aber irgendwie wirkt dadurch der Dialog zum Teil sehr künstlich:

„Und jetzt? Schau‘ dich doch bitte einmal an! Du rauchst und trinkst Alkohol. Das gibt Abzüge in der ersten Säule, gesunde Ernährung.“
„Du musst mir nicht die sechs großen Säulen und unser Punktesystem erklären. Ich kenne sie zu Genüge! Aber dir ist schon bewusst, dass diese Säule aus den Komponenten gesunde Ernährung UND umweltfreundliche Nachhaltigkeit besteht
die als einzige Person seit der Gründung vor NEUN Jahren immer würdig genug war, um hier die Privilegien unserer Reiches auszukosten.
In den Säulen Sport, Intelligenz und soziales Engagement hatte ich bis jetzt immer die volle Punktzahl. Damit kann man eine Kategorie ausgleichen. Und die Tests in Sport und Intelligenz liefen heute früh ganz gut.“, fuhr Tana fort.
„Aber was ist mit Säule fünf? Höflichkeit und Freundlichkeit? Ich weiß, dass Lono es auf dich abgesehen hat.“
„Die Leute meiden mich mehr und mehr, nur weil ich denke, dass das System nicht mehr geeignet ist, um alle Menschen, die hier leben wollen, glücklich zu machen. Leider ist auch mir noch keine Lösung eingefallen. Das nagt an mir!“
„Vergiss bitte auch nicht die letzte Säule. Ein Verstoß gegen diese Gebote und du landest auch vor Ablauf der 90 Tage im Land der Lücke und zwar im dortigen Kerker. Dann nützen dir deine Dignapunkte auch nichts. Und das ist kein Zuckerschlecken dort.“
„Als ob ich irgendjemanden verletzen, töten, belügen, bestehlen, bedrohen oder erpressen würde.“
Das sind drei Beispiele, in denen du die sechs Säulen im Dialog "versteckt" aufzählst, bzw. weitere Hintergrundinformation über die Welt lieferst. Das Problem dabei ist einfach, dass die Charaktere in so einer Welt sich ja nicht in jedem Gespräch das offensichtliche Aufzählen würden. Man kann es in einer Kurzgeschichte bestimmt mal reinmogeln, aber in diesem Fall ist es dann vielleicht doch ein wenig ausgeartet. Es ist bestimmt eine große Schwierigkeit eine Science-Fiction Welt in einer Kurz(!)geschichte zu präsentieren und du hast es auch phasenweise ganz akzeptabel gelöst, aber vielleicht ist es doch ratsam einige Informationen in die Gedankengänge der Protagonisten zu schieben, wie z.B.:
"Ich habe in Säule X ganz viele Punkte gesammelt", sagte sie und dachte daran, wie sie dies und jenes gemacht hatte.

Es wäre außerdem möglich auf die ein oder andere Information zu verzichten. Der Leser benötigt nicht alle sechs Säulen, um zu verstehen, wie das Prinzip der Welt funktioniert. Natürlich will man als Schöpfer der Welt soviel wie möglich mitteilen, aber in einer Kurzgeschichte würden einige Säule als Beispiele genügen. Auch die Information über das Alter der Welt ist unnötig (vor allem, ob 8 oder 9 Jahre) und man könnte genau so gut einfließen lassen, dass es noch sehr jung ist.

Detailliertere Informationen über die Welt ließen sich eher in einem Roman unterbringen, oder eventuell durch weitere Kurzgeschichten (Das Ende lässt ja durchaus spannende Fortsetzungen zu).

Das oben genannte ist mein Hauptkritikpunkt an deiner Geschichte, zuviel über die Welt und zu wenig über die Charaktere. Die Handlung ist dennoch durchaus ganz nett überlegt.

Eine weitere Sache hat mich dann noch gestört:
Schon bereits vor dem vorläufigen Ende war mir klar, dass Gon den Brief geschrieben haben musste, dafür war sein "Ist doch egal was ich gemacht habe" (sinngemäß) zu offensichtlich. Dann muss nicht nach der Geschichte nocheinmal (sinngemäß, aber ziemlich überspitzt) "Gon war es übrigens" geschrieben werden. Lass den Leser ruhig etwas mitdenken und präsentiere ihm nicht alles auf dem Silberteller (Das lässt sich auch wieder auf die Hintergrundinformationen zu deiner Welt beziehen).

Naja, ich habe jetzt keine Zeit meinen Kommentar nocheinmal durchzulesen, deswegen ist er vielleicht ein wenig unkoordiniert (hoffentlich nicht unfreundlich) geraten, aber ich hoffe du kannst etwas damit anfangen! Trotz aller Kritik hat mir das Lesen Spaß gemacht!

Viele Grüße,
Sprachphysik

 

Hallo Sprachphysik, danke für das Lesen meiner Geschichte. Mit deiner Kritik hast du schon sehr gut getroffen. Aber irgendwie musste ich die Informationen der Welt von Aristolia einfließrn lassen. Einiges hätte man weglassen können oder durch einen allwissenden Erzähler ersetzen können. Mich freut es dennoch, dass dir das Lesen Freude bereitet hat und dass du mir solch einen langen Kommentar geschrieben hast. Danke dafür :)

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Jizzle,
Du hast bei Deinem Profil angegeben, dass Du wegen "Inspiration" hier bist. So liest sich auch Dein Text: wie eine Inspiration, wie einen Gedanken in Worte gefasst, wie das Textbruchstück eines Ganzen.
Als "Fingerübung" durchaus gelungen ist er teilweise auch schon Kurzgeschichte, also eine kurze Geschichte. Zum Abrunden könnte ein richtiger Anfang davorgesetzt werden, denn der Leser muss gleich richtig einsteigen, um die Situation zu erfassen. Hilfreich wäre es also, erst einmal die Ankunft Gons zu schildern und auf diese Weise einen Blick auf Aristolia (Land der Aristokraten? Land für Menschen wie Aristoteles?) und die handelnden Personen zuzulassen, statt den Leser gleich in den Dialog hineinzuwerfen, der dadurch sofort mit der Schwierigkeit konfrontiert wird, herauszubekommen wer ist wer und wer sagt was.
Bei einem dialoglastigen Text ist es für den Leser stets hilfreich, wenn er den Sprecher gleich/leichter zuordnen kann. Darauf ist zu achten beim Hin und Her der Redner. Goldene Regel: immer ein neuer Absatz!
Folgend ein leicht geändertes Beispiel:
„...ergo ist es vollkommen legitim, dass auch ich absteige!“, fuhr Tana mit lauter Stimme fort.
„Ist ja gut! Dann steigst du halt ab! Und egal was passiert. Ich passe auf dich auf, auch im Land der Lücke.“
Tana senkte ihren Blick. „Vielleicht überzeugt dich das Argument, dass deine sogenannten Wilden gar nicht so barbarisch sind, wie du denkst. Erstens haben es viele von ihnen schon geschafft hierzubleiben und zweitens haben sie lediglich die Befürchtung, dass das Land der Lücke bald zu klein für alle Menschen wird. Dann entscheiden nur noch Nuancen wer hier bleibt, aber keine wahren Werte mehr. Das ist doch kein Sport!“
Gon schaute sie schweigend an.
„Wer weiß? Vielleicht reicht es ja dennoch, um hier zu bleiben! In den Säulen Sport, Intelligenz und soziales Engagement hatte ich bis jetzt immer die volle Punktzahl. Damit kann man eine Kategorie ausgleichen. Und die Tests in Sport und Intelligenz liefen heute früh ganz gut.“, fuhr Tana fort.

Der Satz "Gon schaute sie schweigend an" gehört in eine eigene Zeile, damit das von Tanas davor und dahinter Gesprochenem abgegrenzt wird.
Weil Tana nach "Tana senkte ihren Blick" spricht, gehört der folgende Sprech auch gleich hinter diesen Satz, damit der Leser realisiert, dass sie redet.
usw.
Auf ein Wort noch: Gutes Schreiben ist erfahrungsgemäß (auch bei mir) in etwa 10% Inspiration und 90 % Transpiration.
Viel Spass noch beim "Schwitzen" ;-) kinnison

 

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