Abstimmungsergebnis zur Challenge "Auf der Mauer stand mit Kreide"

Ronnie: Endzeit

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  1. #1
    Ronnie ist offline Mitglied
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    07.03.2016
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    Endzeit

    Boran lief der Gruppe voran. Hinter ihm gingen Lora und Kent. Boran hatte einen Bogen in der Hand und einen Köcher prall gefüllt mit Pfeilen dabei. Wachsam behielt er die Umgebung im Auge. Der Rock, den er trug, bestand aus Fell; die Schuhe waren ebenfalls aus Fell. Seine Jacke bestand aus einem Stück Wildleder und hatte keine Ärmel. Einen Moment blieb er stehen und band seine langen Haare mittels einer Lederschnur zu einem Pferdeschwanz.
    Leon, Ruda und der kleine Bula, ein zehnjähriger Junge liefen ein ganzes Stück hinter ihm. Sie konnten mit seinem Tempo nur bedingt Schritt halten. Als sie sahen, dass er stehen blieb, versuchten sie aufzuholen. Kent schwitzte dabei noch mehr und krempelte die Ärmel seines Hemdes hoch, so dass die Tätowierungen an seinen Unterarmen sichtbar wurden. Lora, seine Freundin, lief neben ihm. Ihr Rock war halblang, dreckig und an manchen Stellen löchrig. Die Strumpfhose wies mehr kaputte Nähte auf, als ein unregulierter Fluss Seitenarme. Die Weste, die sie trug, glich eher einem Putzlappen als einem Kleidungsstück. Ruda strich ihren Rock hin und wieder glatt. Aber er sah danach nicht besser aus; die Kleidung der Männer und die des Jungen ließen genauso zu wünschen übrig.
    Abrupt hielt Boran inne, drehte sich um und machte den anderen Zeichen, sich ruhig zu verhalten. Leon verstand erst nicht und fragte: "Was ist denn los?"
    Boran funkelte ihn an und legte demonstrativ einen Finger auf die Lippen. Er bedeutete allen, in die Hocke zu gehen und sich ruhig zu verhalten. Sie hatten gerade ein größeres Waldstück durchschritten und eine Lichtung war vor ihnen aufgetaucht.
    Boran zog einen Pfeil aus dem Köcher und hakte ihn in die Sehne ein. Mit geübten Bewegungen spannte er den Bogen, visierte ein Ziel an und schoss. Das typische Sirren war zu vernehmen, wenn ein Pfeil von der Sehne schnellt. Das Geschoss flog schnurgerade und dann sahen sie das Tier straucheln. Es zappelte noch etwas, um schließlich umzufallen und liegen zu bleiben.
    Lora, verzog das Gesicht. Kent, der wusste, dass sie zuhause am liebsten Tofu, Salate, Gemüse, gekochten Reis und Früchte aß, lachte.
    „Stell dich nicht so an … schließlich brauchen wir was zu essen."
    Boran lief los. Die anderen folgten ihm. Er zog den Pfeil aus dem toten Kaninchen und legte sich das Tier über die Schulter.
    Am Abend prasselte ein Feuer an einer geschützten Stelle im Innern der Höhle. Es gab sogar einen Rauchabzug, den Boran installiert hatte. Er nahm das Jagdmesser und schlitzte das Fell des Kaninchens auf, um es abzuziehen. Mit geübter Hand schnitt er danach dessen Bauch auf und nahm es aus. Anschließend trieb er einen Spieß der Länge nach durch den Körper des Tieres. Er legte Holz auf die Feuerstelle, als er damit fertig war, und zündete es an. Aus einer Ecke der Höhle holte er ein Gestell, legte das Kaninchen oben drauf, so dass die Enden des Spießes auf den beiden Gabeln des Gestells auflagen. Dann gab er dem Jungen Anweisung, am Feuer zu bleiben.
    "Du musst ihn immer wieder mal drehen."
    Der Junge nickte eifrig und freute sich, dass man ihm so etwas zutraute.
    Boran nahm anschließend Lora und Ruda mit nach draußen, um ihnen zu zeigen wo man Beeren pflücken und Wasser holen konnte. Die Beeren sollten die Frauen einfach in ihre Rocktaschen stopfen. Für das Wasser, das sie einer Quelle entnehmen konnten, gab er ihnen mehrere Kannen, die er aus der Höhle geholt hatte. Die Frauen machten sich ans Werk und Boran schlich in der Zeit ein Stück tiefer ins Gelände. In der Hoffnung, noch weiteres Wild anzutreffen, das er jagen konnte. Ein Kaninchen reichte nicht für alle.

    Später saßen alle in der Höhle vor dem Feuer. Boran brachte noch ein Rebhuhn mit, dem er gleich die Federn ausrupfte und ebenfalls auf den Grill legte. Es gab die Beeren dazu, als das Fleisch gar war, die die Frauen gepflückt und an der Quelle gewaschen hatten. Zudem hatte jeder einen Becher bekommen, aus dem er Wasser trinken konnte.
    „Wie ihr seht“, sagte Boran, und schnitt mit einem Jagdmesser das erste Stück Fleisch ab, „ist hier noch so einiges intakt. Angefangen mit der schützenden Höhle, den Tieren im Wald, dem Wasser und nicht zuletzt den Beeren.“ Er schnitt weitere Stücke Fleisch für die anderen ab. Sie hatten sich zuvor draußen, auf seine Anweisung hin, große Blätter abgerissen, um das Essen drauf zu legen.
    Nachdenklich und mit einem Seitenblick beobachtete Kent Boran, den Überlebenskünstler. Er war groß und kräftig, aber nicht dick. Seine Kleidung, wie seine Schuhe, hatte er selbst hergestellt. Er besaß Pfeil und Bogen für die Jagd, hatte eine Höhle mit allem Nötigen. Und das Wichtigste, seine Ruhe und Gelassenheit, mit der er die Dinge anging. Mit all dem mussten sie sich nun auch vertraut machen, wenn sie überleben wollten. Ob sie dazu in der Lage sein würden?
    Im nächsten Moment meldete sich Kent, der draußen Wache hielt, dass er langsam auch Hunger habe, ob ihn jemand ablöse. Boran forderte Leon auf, zum Höhleneingang zu laufen und seinem Wunsch zu entsprechen. Dieser nickte, kaute den Bissen fertig, stand auf und lief raus. Lora fragte: „Worauf sollen wir denn schlafen?“ Kent, der inzwischen vor dem Feuer saß, hatte sich auch ein Stück Fleisch abgeschnitten: „Da draußen gibt´ s Laubbäume“, sagte er. „Wir schneiden uns Zweige ab und schichten sie zu einem Schlaflager auf. Gleich hier neben dem Feuer, dann frieren wir nicht.“
    Boran nickte und fügte hinzu: „Es muss uns die Tage gelingen, ein oder zwei größere Tiere zu fangen; dann haben wir Felle, um uns zu bedecken.“ Kent sah ihn kauend an, schluckte runter und fragte: „Gibt es solche Tiere hier?“
    Lora fragte dazwischen, ehe jemand auf die erste Frage antworten konnte: „Und was machen wir, wenn jemand sich verletzt oder krank wird?“ Alle schwiegen und sahen Boran an.
    „Die gute alte Kräutermedizin, Umschläge, das alte Heilwissen.“
    Lora sah ihn zweifelnd an. „Und wer kennt sich damit aus?“ Boran deutete auf sich selbst und lächelte. An Kent gewandt, erklärte er: „Solche Tiere gibt es hier, sicher.“

    Am nächsten Tag, gleich frühmorgens, hoben Boran, Kent und Leon eine Fallgrube aus. Die Arbeit war mühsam, denn sie hatten nur primitive Grabwerkzeuge aus Holz. Gegen Mittag erst, nach Stunden harter Arbeit, war die Grube ausgehoben. Die Männer legten zur Tarnung lange, dünne Äste und Zweige darüber. Oben drauf setzten sie einen kleinen Haufen mit gesammelten Eicheln, Nüssen und dergleichen.
    "Wenn es uns gelingt", erklärte Boran, "damit ein Wildschwein zu fangen, haben wir genug Fleisch für eine Weile und die nötigen Felle."
    Kent und Leon nickten dazu und hofften, dass sich die Plackerei auf die Art auszahlen werde. Als nächstes wies Boran die Frauen an, auch für diesen Tag wieder Beeren zu pflücken, Wasser zu holen und große Blätter abzureißen, auf die sie das Essen legen konnten. Danach nahm er sich Pfeil und Bogen und ging mit Kent auf die Jagd. Im Falle des Wildschweines konnten sie im Moment nicht mehr tun als zu warten. Leon wurde als Wache vor der Höhle eingeteilt.
    Die Ausbeute an dem Tag war nicht so üppig. Sie erwischten ein Karnickel und ein Rebhuhn, das Boran geschossen hatte. Leon versuchte es auch, schoss aber jedes Mal daneben. „Du lernst das auch noch“, tröstete Boran ihn.
    Als sie zurück waren erklärte Boran den Frauen wie man das Fell abzieht, die Federn ausrupft, die Tiere ausnimmt und auf den Grill steckt. Danach suchte er mit Leon ein paar geeignete Äste, die sie teilweise von Bäumen abhacken mussten. Dabei benutzte Boran eine Axt, ein echtes Luxusgerät. Anschließend schleppten sie das Holz in die Höhle. Dort hatte Boran stabile Fasern, die man wie Schnüre drehen konnte, um die Äste - nachdem man sie auf die richtige Länge gestutzt hatte - zu einem Bettgestell zusammen zu binden. Ein Bett war aber nicht groß genug für alle. "Das andere bauen wir Morgen", sagte Boran.
    "Die Frauen und das Kind können erst mal auf diesem hier schlafen. Der Rest legt sich wieder neben dem Feuer auf den Boden.“
    Leon zeigte wenig Begeisterung für diese Idee, sein Rücken tat schon genug weh, von der letzten harten Nacht. Am nächsten Tag bauten Kent und Boran das zweite Bett, während Leon Wache hielt. Die Frauen holten Wasser und pflückten Beeren. Später musste noch gejagt werden für das Abendessen. Ein Wildschwein hatte sich bisher nicht blicken lassen, geschweige denn, dass eines in die Grube gefallen wäre. Boran legte frisches Futter auf die Falle und wusste, dass man Geduld haben müsse.

    Am Ende der Woche schließlich, saßen sie abends alle am Feuer bei Früchten und Wasser.
    Das Jagdglück war ihnen an diesem Tag nicht gerade hold gewesen. Boran hatte nichts vor seinen Bogen bekommen. Die Frauen jammerten, dass das Bett so hart wäre, ohne eine Matratze, und das sie immer noch kein Fell hätten, um sich zu bedecken. Und auch keine Felle, um sich Kleidung zu schneidern, damit sie aus diesen furchtbaren Klamotten raus kämen. Kent beschwerte sich ebenfalls darüber, dass ihm der Rücken permanent weh täte und dass er die Frauen durchaus verstehen könne.
    Boran aß, wie die anderen ein paar Hände voll Beeren, trank hin und wieder einen Schluck Wasser dazu und schwieg. Ihr werdet mit der Zeit schon noch begreifen, wie wichtig es war, dass wir aufeinander getroffen sind, dachte er. Wichtig für euch, weil ihr jetzt einen kompetenten Mann dazu gewonnen habt, der euch das Nötige beibringen kann. Und wichtig für mich, weil ich jetzt nicht mehr alleine sein muss. Es mag wie Zufall ausgesehen haben, als wir uns hier im Wald getroffen haben. Ich war auf der Jagd und ihr seid ziellos durch die Gegend gestreift - gepeinigt von Hunger, Durst, Kälte und Unmut. Aber es war Schicksal, wie sich jetzt immer mehr zeigt; wenn auch ein vorher vereinbartes.
    Bula, der Junge, hatte sich inzwischen mit einem Stock Kohlestücke aus dem Feuer geholt und sie erkalten lassen. Damit malte er auf eine der Höhlenwände. Aber keine Tiere und Jäger, wie die Steinzeitmenschen es taten, er malte ein Auto. Lora stand hinter ihm und sah ihm zu.
    "Auf der Mauer stand mit Kreide", murmelte sie vor sich hin.
    Bula drehte sich um. "Gefällt es dir nicht, Tante Lora?"
    "Wie kommst du darauf?"
    "Weil du so komisch vor dich hin plapperst."
    Lora lachte. "Das hat mein Lehrer immer gesagt, wenn ich im Unterricht etwas an die Tafel geschrieben habe: Auf der Mauer stand mit Kreide. Und dabei hat er dann immer gegrinst, als hätte er weiß Gott was lustiges gesagt."
    "Ist doch lustig", antwortete Bula, "aber schreiben tue ich nicht."
    Lora trat näher an ihn heran, massierte sanft seine Schultern und sagte: "Nein, du malst ein schönes Bild."
    Bula hielt inne. "Aber Tante - ist doch noch gar nicht fertig."
    "Es wird mal schön", verbesserte sich Lora, "das kann man jetzt schon sehen."
    Bula drehte sich um und lächelte sie an - dann drehte er sich wieder zur Höhlenwand und malte weiter.

    Tage später, als die Männer erneut auf der Jagd waren, hatten sie einen Hügel erklommen.
    Sie verharrten einen Moment da oben und blickten in das Tal unter ihnen. Es gab anscheinend keine Vegetation mehr dort, keine Tiere regten sich und das Tal wirkte, als sei es ein riesiger Krater, der einen Vulkanausbruch hinter sich hatte.
    „Da runter gehen wäre lebensgefährlich“, sagte Boran nach einer Weile.
    „Da ist ja auch nichts mehr außer einem gähnenden Schlund“, antwortete Leon.
    „Es soll dort eine der Atombomben hoch gegangen sein, die uns in die Steinzeit zurück befördert haben“, erklärte Boran. "Und ob ihr es glaubt oder nicht - da unten war mal eine Stadt. Seht ihr die Steinhaufen da hinten?", er zeigte mit dem Finger in die Richtung, "das müssen mal Häuser gewesen sein."
    Alle sahen hin und stellten sich vor, dass hier mal Häuser und Straßen waren, Menschen lebten, eine lebendige Stadt gewesen sein muss, die von einer einzigen Bombe pulverisiert und für undenkliche Zeiten verseucht worden war.
    Kent, der seine Augen über das schaurige Gelände hatte schweifen lassen, deutete auf einmal auch auf etwas, das er entdeckt hatte. "Seht mal, da hinten - ein ganzes Stück links von den Steinhaufen, die mal Häuser waren."
    Die anderen beiden sahen in die Richtung. Da steckte ein schwarzes Etwas in der Erde. Es sah von Weitem aus wie eine riesige Tafel Schokolade, die jemand in den Boden gerammt hatte. An den Enden hingen große, erkaltete Tropfen, als wenn diese Schokoladentafel zu lange auf einem Ofen gelegen hätte.
    "Das muss ein Stück der Straße gewesen sein", sagte Leon.
    Boran nickte. "Sie wurde bei der Explosion vermutlich hoch geschleudert, ist dann wieder runter gefallen und in der Erde stecken geblieben. Und die Hitze hat sie so verschmelzen lassen."
    Alle drei sahen eine Weile schweigend zu diesem Relikt einer einstigen Zivilisation hinüber.
    „Da können wir froh sein“, brach Kent schließlich die Stille, „dass wir auf einem Stück Land leben, auf dem es noch etwas gibt und das nicht verseucht ist.“
    Boran nickte. „Dafür sollten wir in der Tat dankbar sein. Ich habe bisher keine Anzeichen gefunden, dass unser Land eine ähnlich hohe Strahlung abbekommen hätte. Dann würden sich die Pflanzen verändert haben und die Tiere - nicht zu reden von Menschen, die als sichtbare Zeichen Wucherungen und offene Wunden am Körper bekämen. Im schlimmsten Fall dahin siechen und sterben würden. Ich, zum Beispiel, ich lebe schon lange auf diesem Land; aber wie ihr wisst, geht es mir gut." Die anderen sahen ihn kurz an und nickten.
    Noch eine Weile standen sie da und betrachteten die Früchte der Zerstörung mit einer Mischung aus Unglauben, aber auch aus Hoffnung. Dann kehrten sie um, stiegen den Hügel hinab und nahmen im Wald die Jagd wieder auf.

    Kurz nachdem man von draußen aufgeregte Stimmen gehört hatte, es war zwei Tage später, waren alle hellwach. Boran sprang auf, griff zu Pfeil und Bogen. Leon tat es ihm nach; auch Lora griff sich ihre Jagdwaffe. Die anderen Frauen und der Junge zogen sich eilig in eine Nische weiter hinten in der Höhle zurück und verbargen sich. Boran und Leon hatten den Ausgang noch nicht erreicht, als eine Horde Männer herein stürmte und sie zurück drängte. Alle in Felle gekleidet, manche hatten lange Messer in der Hand und einen wilden, entschlossenen Gesichtsausdruck. Dem Anführer hingen zwei gekreuzte Knochen, an einer Kette, um den Hals. Die Frauen schrien. Die fremden Männer hatten Kent dabei, dem die Hände auf den Rücken gefesselt waren.
    „Was wollt ihr von uns?“
    Der Anführer gab Boran keine Antwort. Seinen Leuten gab er jedoch ein Zeichen, die Höhlenbewohner zu überwältigen. Alle wurden daraufhin an Händen und Füßen gefesselt, auch die Frauen und der Junge wurden von hinten nach vorne gezerrt. Am Ende saßen alle, verschnürt wie Pakete, nebeneinander auf dem Boden. Der Anführer gab seinen Leuten erneut ein Zeichen. Vier Männer liefen raus und kamen kurz danach mit einem riesigen Topf wieder, an dem sie schwer zu schleppen hatten. Zwei andere trugen ein Gestell aus Eisenteilen hinterher.
    „Baut es auf!“
    Sie folgten der Anweisung des Anführers. Die Gefangenen verfolgten das Geschehen und jeder versuchte sich auszumalen, auf was da auf sie zukommen sollte.
    Einer der Männer hackte das gesammelte Holz klein, warf es ins entfachte Feuer, so dass es aufloderte. Wieder gingen ein paar Männer nach draußen und kamen mit Behältern voller Wasser zurück, das sie in den Topf laufen ließen.
    „Was wird das denn?“, flüsterte Leon Boran ins Ohr, der gefesselt neben ihm saß.
    „Woher soll ich das wissen?“, log der als Antwort.
    Der Anführer der Fremden schnauzte die beiden an:
    „Hier wird nicht gequatscht, Maul halten!“

    „Es ist soweit", sagte einer der Männer, "das Wasser kocht.“
    Der Anführer nickte und gab ein Zeichen. Zwei seiner Männer standen auf, liefen zu Ruda und zerrten sie auf die Beine.
    „Bringt sie her zu mir!“
    Die Männer gehorchten. Der Anführer nickte einem anderen Mann zu, der ein großes Messer in der Hand hielt. Der Mann stand auf und näherte sich Ruda, während die beiden anderen Männer sie festhielten.
    „Das sind Kannibalen!“, schrie Kent in die Runde, „die wollen unsere Ruda fressen!“
    Der Anführer sah in seine Richtung und sagte einen Moment nichts. Schließlich antwortete er: „Wenn hier alle Tiere gejagt sind, was glaubt ihr, was ihr dann machen werdet?“
    Seine Männer lachten.
    Der mit dem Messer packte Ruda jetzt hinten an den Haaren und ihr riss den Kopf zurück, so dass die Kehle frei lag. Ruda schrie und versuchte sich los zu reißen. Die beiden Männer mussten sie mit aller Kraft fest halten. "Nun mach schon!", brüllte einer den mit dem Messer an, "ewig können wir diese Furie nicht fest halten."
    Leon bekam in dem Moment eine Hand frei und versuchte hastig, die übrigen Fesseln los zu werden: Er musste seine Frau retten, koste es was es wolle.
    Das lange Messer wurde an Rudas Hals angesetzt. Der Mann packte ihre Haare nochmal fester und riss ihr den Kopf noch weiter nach hinten. Ruda zeigte jetzt kaum noch Reaktion, die Todesangst und die Aussichtslosigkeit ihrer Situation hatte ihre Gegenwehr auf Null reduziert. Leon, der die Fesseln endlich los war, griff sich einen Stein vom Boden und sprang mit hoch erhobener Hand auf die Männer zu.
    "Ihr sollt meine Frau los lassen, ihr verdammten Menschenfresser!"

    Der Bus, um sie abzuholen stand zwei Tage später, morgens um 10 Uhr (wie vereinbart) vor der Höhle. Am Steuer saß der Anführer der Kannibalen. Seine Knochenkette hatte er abgelegt und statt Fell trug er einen leichten Sommeranzug. Auf der Heimfahrt wurde heftig über den Tag diskutiert, an dem der Überfall in der Höhle statt gefunden hatte.
    "War das vielleicht doch zu hart?", fragte der Fahrer und sah über den Rückspiegel nach hinten.
    Boran grinste und enthielt sich einer Antwort. Er, als Firmeninhaber und Tourleiter, hatte es natürlich gewusst: Es war die Überraschung, von der man den Teilnehmern nichts verraten hatte.
    Ruda sagte: "Ich weiß ja nicht so recht ... für einen Moment dachte ich wirklich, es gehe mir an den Kragen."
    Leon sagte: "Ich habe das auch für echt gehalten ... obwohl es eigentlich gar nicht sein konnte. In so einem Moment beherrschen einen anscheinend nur die Gefühle."
    Bula sah mit bleichem Gesicht die anderen einen Moment lang schweigend an.
    "Ja", gestand er dann, "ich hatte wirklich große Angst."
    Kent pflichtete ihm bei. Er saß vorne neben dem Fahrer und drehte sich zu den anderen um:
    "Für ein Kind ist das tatsächlich zu hart gewesen."

    Sie duschten alle und zogen sich im Gebäude der Firma Endzeit um, als sie dort ankamen. Zivilisation - wie hatten sie die vermisst.
    „Es gibt noch eine zweite Endzeittour, die man buchen kann“, sagte Boran, der jetzt wieder Jens Müller hieß, bei der Verabschiedung; auch die anderen benutzten wieder ihre richtigen Namen.
    „Da lebt man dann an einem Fluss mit verseuchtem Wasser und ist mit einer Insektenplage konfrontiert - etwas für Fortgeschrittene wie euch.“
    Begeisterung wollte bei den Angesprochenen nicht so recht aufkommen. Keiner sagte etwas dazu.
    „Sie können es sich ja in Ruhe überlegen und mir gegebenenfalls Bescheid sagen“, schlug Jens Müller vor. Die Umstehenden nickten stumm, hoben in einer Abschiedsgeste die Hand und strebten ihren Autos zu.
    Geändert von Ronnie (12.12.2016 um 17:38 Uhr)

  2. #2
    jobär ist offline Senior-Mitglied
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    Aktuelles Buch: Nina George - Das Lavendelzimmer

    Hallo Ronnie,

    Die Strumpfhose wies mehr kaputte Nähte auf, als ein unregulierter Fluss Seitenarme.
    Da ist schon klar, dass die Geschichte nicht in alten Zeiten spielt. Aber warum sich die Menschen durch die Wildnis schlagen, bleibt bis zum Schluss unklar. Die Notwendigkeit treibt sie offensichtlich, denn trotz aller Meckerei sagt niemand, er steige aus. Letztlich ist die Lösung dann auch logisch und konsequent. Hier und da blitzt auf, dass die Gruppe um Boran noch an den Segnungen der Zivilisation hängt. Vielleicht könnte dieser Aspekt noch stärker betont werden. Aber sonst habe ich nichts zu meckern gefunden.

    Es kommt mir so vor, als ob die Geschichte ruhig dahinplätschert. Keine großen Aufregungen, keine unerwarteten Ereignisse. Die Menschen gehen auch bei ihren Nörgeleien freundlich miteinander um. Irgendwie alles Routine, die sich jeden Tag wiederholt. Und dabei sind sie ja doch offensichtlich erst kurz zusammen. Da klingt mir deine Geschichte zu sehr nach heiler Welt. Aber vielleicht stehen sie ja noch unter Schock von den Ereignissen, die sie in die Wildnis gebracht haben.

    Liebe Grüße

    Jobär

  3. #3
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    Aktuelles Buch: Thomas Mann, Doktor Faustus

    Hallo @Ronnie,

    ich habe zwei Fragen an dich:

    1. Warum erscheint deine Geschichte in der Challenge? Ich kann keinerlei Bezug zum gestellten Thema finden. Nirgends eine Wand oder Mauer, nirgends ein Buchstabe oder eine Höhlenzeichnung.
    Um die Geschichte dennoch für die Challenge zu retten, schlage ich vor, dein Prot Boran ritzt eine Art Hausordnung in die Höhlenwand.

    2. Woher wissen die Überlebenden, dass sie in einem unverseuchten Gebiet gelandet sind. Nur weil sie nichts riechen und schmecken? Oder anders gesagt: Haben die noch nie was von "Fallout" gehört? Sie wissen doch offensichtlich, was eine Atombombe ist und so lange kann der Abwurf nicht her sein, ich sage nur "Strumpfhose

    Sonst folge ich dem Kommentar von @jobär, zu brav, zu wenig Dramatik.

    Freundliche Grüße
    wieselmaus

  4. #4
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    Aktuelles Buch: Perverse Peitschenexzesse blutjunger Nonnenschülerinnen :D

    Hallo Ronnie!

    Auch ich bin ein wenig ratlos, inwiefern die Geschichte unserer TdM-Challange zuzuordnen ist, wenn man von der Höhlenmalerei mit dem Auto einmal absieht. Die Idee von wieselmaus hat ja schon mal einen ganz guten Bezug zur Challange und deiner Geschichte. Eine "Hausordnung", mit Kohle an eine Höhlenwand geschrieben, zeigt zugleich die neue Ordnung in der neuen Welt - kein übler Ansatz, wenn du mich fragst.

    Was deine Geschichte angeht, so kann ich die Wald- und Höhlenszenen gut vor mir sehen. Du beschreibst viele Aspekte sehr detailliert und ausführlich. Die Kleidung, die Zubreitung der Jagdbeute, das Sammeln von Naturprodukten und die Nahrungssuche. Das ist zwar für eine einzelnen, isolierte Szenenbeschreibung gut, jedoch recht unbefriedigend, was die gesamte Rahmenhandlung angeht.
    Warum ist das so?
    Nun, du nennst deine Geschichte "Endzeit" - für mich schon mal ein absoluter Blick- und Interessenfänger, da ich mich für Endzeit- und Postkatastrophen-Szenarien sehr interessiere. Dann beschreibst du den Einschlagort einer Atombombe. Ok, aber du gewichtest die "wichtigen" und "unwichtigen" Aspekte deiner Geschichte nicht so richtig. Mich macht das Atomkrieg-Szenario wesentlich neugieriger als die ausufernde Beschreibung einer Beerenlese oder dem Sammeln von Blättern.
    Die Ausgangslage würde ich auch etwas schlüssiger beschreiben. Es ist ja sehr praktisch, dass Boran so ein Naturbursche und Survival-Künstler ist, aber woher hat er seine Kenntnisse? Die zeitliche Einordnung könnte dabei eine Rolle spielen. Wenn der Atomkrieg (wenns denn einer war) jetzt 500 Jahre her ist, dann könnte man sich das erklären. Aber wieso sind Kent, Lora und die anderen dann so hilflos? Einerseits gibt es Relikte wie "Strumpfhosen" (wieselmaus hatte dies ja auch schon angesprochen), aber andererseits hat man ansonsten überhaupt keine Überbleibsel der Zivilisation mehr, wenn man von einer Axt mal absieht. Und wieso wird nichts über Ruinen, Autowracks, zerstörte Häuser, rissige Straßen und rostige Straßenlaternen gesagt. Man würde eine Atombombe doch eher über einem "lohnenden" Ziel abwerfen, und nicht mitten im Nirgendwo.

    Ich finde, du solltest die Story noch ein wenig überarbeiten und ihr auch ein Endzeit-Szenario verleihen, wenn du sie in der Endzeit spielen lassen willst. Ich rede jetzt nicht von Mad-Max-oder-Fallout 4-Szenen, aber bislang ist das "lediglich" die Geschichte einer Gruppe von Leuten im Wald. Keine Bedrohung, keine Gefahren, kein Überlebenskampf, sondern ein Selbstversorger-Camping-Trip.
    Da geht noch mehr!

    Grüße vom EISENMANN, der in der Endzeit hoffentlich nicht wegrostet!!

  5. #5
    RinaWu ist offline Mitglied
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    Aktuelles Buch: GEISTERFJORD / Yrsa Sigurðardóttir

    Hallo @Ronnie,

    am Anfang der Geschichte ist mir das ein wenig zu viel Personenbeschreibung. Vielleicht empfinde nur ich das so, aber das liest sich wie eine Liste der auftretenden Charaktere mit äußerer Beschreibung. Das könntest du viel subtiler im Laufe des Textes einbauen, so entstehen die jeweiligen Personen Stück für Stück vor dem inneren Auge des Lesers und es wäre nicht so viel auf einmal.

    Insgesamt ist die Welt, in der diese Menschen leben, gut beschrieben, da ist mir nichts unstimmiges aufgefallen. Allerdings liest es sich eher wie eine Anweisung eines Überlebenskünstlers, als wie eine spannende Geschichte mit Konflikten. Wie sind die Beziehungen der Personen untereinander? Sind die wirklich permanent so höflich und nett zueinander? Keiner, der egoistisch ist oder unangenehm? Dass sich da jemand über einen Schmerz im Rücken beklagt, ist mir zu wenig. Da könntest du viel rausholen, indem du sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander prallen lässt.

    Außerdem muss ich leider auch sagen, dass ich den Bezug zum Thema der Challenge nicht sehe. Okay, da malt ein Junge mit Kohle ein Auto an die Wand. Das ist legitim. Aber warum malt er das? Was bedeutet es für ihn oder die Gruppe? Wenn das die einzige Szene ist, die den Bogen zum Thema der Challenge spannt, dann musst du ihr unbedingt mehr Bedeutung geben, finde ich.

    So viel von mir.
    Viele Grüße
    RinaWu

  6. #6
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    Aktuelles Buch: Thomas Mann, Doktor Faustus

    Hallo @Ronnie,

    ich muss mich entschuldigen. Doch, es gibt ja den Jungen, der ein Auto an die Höhlenwand gemalt hat. Die Textstelle müsste ausgebaut werden und eine Bedeutung für den Plot bekommen. Vielleicht malen alle Kinder das, woran sie sich erinnern, und es entsteht ein Gemälde für die Nachwelt, wenn sie es nicht schaffen wegen der Strahlenkrankheit.

    Gruß
    wieselmaus

  7. #7
    Ronnie ist offline Mitglied
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    Hallo Jobär,

    Da ist schon klar, dass die Geschichte nicht in alten Zeiten spielt. Aber warum sich die Menschen durch die Wildnis schlagen, bleibt bis zum Schluss unklar. Die Notwendigkeit treibt sie offensichtlich, denn trotz aller Meckerei sagt niemand, er steige aus. Letztlich ist die Lösung dann auch logisch und konsequent. Hier und da blitzt auf, dass die Gruppe um Boran noch an den Segnungen der Zivilisation hängt. Vielleicht könnte dieser Aspekt noch stärker betont werden. Aber sonst habe ich nichts zu meckern gefunden.
    Ok - nehme ich mal so zur Kenntnis.

    Es kommt mir so vor, als ob die Geschichte ruhig dahinplätschert. Keine großen Aufregungen, keine unerwarteten Ereignisse. Die Menschen gehen auch bei ihren Nörgeleien freundlich miteinander um. Irgendwie alles Routine, die sich jeden Tag wiederholt. Und dabei sind sie ja doch offensichtlich erst kurz zusammen. Da klingt mir deine Geschichte zu sehr nach heiler Welt. Aber vielleicht stehen sie ja noch unter Schock von den Ereignissen, die sie in die Wildnis gebracht haben.
    Zugegeben, dann könnte noch mehr Dramatik rein. Menschen verhalten sich in der Regel nicht so super harmonisch, wenn das Schicksal sie auf die eine oder andere Art in so eine Lage zwingt.
    Da ist noch Luft nach oben, da gebe ich dir recht - das kommt auf die Liste.
    Meine Vorstellung war: Ganz unaufgeregt beschreiben und dem Leser langsam klar machen, dass das kein Picknick ist, sondern eine Situation, in der die Betroffenen keine Wahl haben. Und am Schluss sehen, dass sie es - unter den Umständen - noch einigermaßen gut getroffen haben.
    Danke für deinen Kommentar und deine Einschätzung - hat mich gefreut.

    Gruß, Ronnie


    Hallo Wieselmaus,

    ich habe zwei Fragen an dich:
    1. Warum erscheint deine Geschichte in der Challenge? Ich kann keinerlei Bezug zum gestellten Thema finden. Nirgends eine Wand oder Mauer, nirgends ein Buchstabe oder eine Höhlenzeichnung.
    Um die Geschichte dennoch für die Challenge zu retten, schlage ich vor, dein Prot Boran ritzt eine Art Hausordnung in die Höhlenwand.
    Die Idee ist gut - ich denke darüber nach.

    2. Woher wissen die Überlebenden, dass sie in einem unverseuchten Gebiet gelandet sind. Nur weil sie nichts riechen und schmecken? Oder anders gesagt: Haben die noch nie was von "Fallout" gehört? Sie wissen doch offensichtlich, was eine Atombombe ist und so lange kann der Abwurf nicht her sein, ich sage nur "Strumpfhose
    Das ist eine gute Frage. Ich könnte Boran einen Geigerzähler gönnen, mit dem er das Gebiet getestet und keine Radioaktivität gefunden hat (oder innerhalb ungefährlicher Grenzwerte) Aber das wäre dann vermutlich deus ex machina. Ehrlich gesagt, habe ich im Moment keine schlüssige Lösung für dieses Problem.
    Danke für deine Fragen - sie sind (wie gesagt) gut und nötig.

    Gruß, Ronnie

    P.S. Entschuldigen hättest du dich nicht müssen - ist ja was dran an der Sache.


    Hallo Eisenmann,

    Auch ich bin ein wenig ratlos, inwiefern die Geschichte unserer TdM-Challange zuzuordnen ist, wenn man von der Höhlenmalerei mit dem Auto einmal absieht. Die Idee von wieselmaus hat ja schon mal einen ganz guten Bezug zur Challange und deiner Geschichte. Eine "Hausordnung", mit Kohle an eine Höhlenwand geschrieben, zeigt zugleich die neue Ordnung in der neuen Welt - kein übler Ansatz, wenn du mich fragst.
    In der Hinsicht wird noch was passieren - versprochen.

    Was deine Geschichte angeht, so kann ich die Wald- und Höhlenszenen gut vor mir sehen. Du beschreibst viele Aspekte sehr detailliert und ausführlich. Die Kleidung, die Zubreitung der Jagdbeute, das Sammeln von Naturprodukten und die Nahrungssuche. Das ist zwar für eine einzelnen, isolierte Szenenbeschreibung gut, jedoch recht unbefriedigend, was die gesamte Rahmenhandlung angeht.
    Verstehe.

    Warum ist das so?
    Nun, du nennst deine Geschichte "Endzeit" - für mich schon mal ein absoluter Blick- und Interessenfänger, da ich mich für Endzeit- und Postkatastrophen-Szenarien sehr interessiere. Dann beschreibst du den Einschlagort einer Atombombe. Ok, aber du gewichtest die "wichtigen" und "unwichtigen" Aspekte deiner Geschichte nicht so richtig. Mich macht das Atomkrieg-Szenario wesentlich neugieriger als die ausufernde Beschreibung einer Beerenlese oder dem Sammeln von Blättern.
    Stimmt - da könnte man in einer Rückblende noch einiges mehr darüber erzählen. Guter Tipp, kommt auf die Liste.

    Die Ausgangslage würde ich auch etwas schlüssiger beschreiben. Es ist ja sehr praktisch, dass Boran so ein Naturbursche und Survival-Künstler ist, aber woher hat er seine Kenntnisse? Die zeitliche Einordnung könnte dabei eine Rolle spielen. Wenn der Atomkrieg (wenns denn einer war) jetzt 500 Jahre her ist, dann könnte man sich das erklären. Aber wieso sind Kent, Lora und die anderen dann so hilflos? Einerseits gibt es Relikte wie "Strumpfhosen" (wieselmaus hatte dies ja auch schon angesprochen), aber andererseits hat man ansonsten überhaupt keine Überbleibsel der Zivilisation mehr, wenn man von einer Axt mal absieht. Und wieso wird nichts über Ruinen, Autowracks, zerstörte Häuser, rissige Straßen und rostige Straßenlaternen gesagt. Man würde eine Atombombe doch eher über einem "lohnenden" Ziel abwerfen, und nicht mitten im Nirgendwo.
    Ich stelle mir gerade vor, dass sie am Ende noch Teile von zerstörten Häusern, vielleicht von einer Straße sehen. Da könnte noch mehr Endzeit-Kolorit rein, jo.

    Da geht noch mehr!
    Schau mer mal ...

    Danke für deinen Kommentar, für die ausführliche Begutachtung und die Tipps. Damit lässt sich etwas anfangen.

    Gruß, Ronnie


    Hallo RinaWu,

    am Anfang der Geschichte ist mir das ein wenig zu viel Personenbeschreibung. Vielleicht empfinde nur ich das so, aber das liest sich wie eine Liste der auftretenden Charaktere mit äußerer Beschreibung. Das könntest du viel subtiler im Laufe des Textes einbauen, so entstehen die jeweiligen Personen Stück für Stück vor dem inneren Auge des Lesers und es wäre nicht so viel auf einmal.
    ok - sehe ich mir nochmal an.

    Insgesamt ist die Welt, in der diese Menschen leben, gut beschrieben, da ist mir nichts unstimmiges aufgefallen.
    Ein Lob!

    Allerdings liest es sich eher wie eine Anweisung eines Überlebenskünstlers, als wie eine spannende Geschichte mit Konflikten. Wie sind die Beziehungen der Personen untereinander? Sind die wirklich permanent so höflich und nett zueinander? Keiner, der egoistisch ist oder unangenehm? Dass sich da jemand über einen Schmerz im Rücken beklagt, ist mir zu wenig. Da könntest du viel rausholen, indem du sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander prallen lässt.
    Jo - habe ich weiter oben schon zugegeben. Da könnte man leicht mehr Konflikt einbauen (und sollte es auch)

    Außerdem muss ich leider auch sagen, dass ich den Bezug zum Thema der Challenge nicht sehe. Okay, da malt ein Junge mit Kohle ein Auto an die Wand. Das ist legitim. Aber warum malt er das? Was bedeutet es für ihn oder die Gruppe? Wenn das die einzige Szene ist, die den Bogen zum Thema der Challenge spannt, dann musst du ihr unbedingt mehr Bedeutung geben, finde ich.
    Jo - haben andere auch schon angemerkt. Da wird auch noch was passieren diesbezüglich.

    Danke für deinen Kommentar. Werde deine Anmerkungen und Tipps auf die Liste setzen.

    Gruß, Ronnie

    P.S.
    Ein paar der Tipps habe ich inzwischen in meinem Text umgesetzt:
    - Die Szene mit dem Jungen, der an die Wand malt (Bezug zur Challenge)
    - Die Sache mit dem verseuchten Gebiet (woher weiß Boran, dass sein Land nicht verseucht ist?)
    - Eine nähere Erläuterung, wie sich diese Menschen getroffen haben.
    - Ein bisschen mehr Endzeitkolorit im letzten Absatz.
    Geändert von Ronnie (26.11.2016 um 23:08 Uhr)

  8. #8
    maria.meerhaba ist gerade online Senior-Mitglied
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    Aktuelles Buch: Gezeichnet

    Hallo @Ronnie
    Das eigenartige Geräusch war zu vernehmen, wenn der Pfeil von der Sehne schnellt.
    Das klingt jetzt so, als würde es manchmal kein Geräusch machen.

    und dann sahen sie das Tier straucheln, das getroffen worden war.
    Der letzte Teil ist unnötig. Wenn das Tier strauchelt, dann weiß ich, dass es getroffen wurde.

    Er zog den Pfeil aus dem toten Hasen, als er dort war
    Entweder schreibst du das mit „als er dort war“ am Anfang, oder du erwähnst es gar nicht. Schlussendlich laufen sie ja hin.

    Boran schlich in der Zeit ein Stück tiefer ins Gelände, in der Hoffnung
    Der Beistrich ist überflüssig

    Nachdenklich und auch ein wenig neidisch beobachtete Kent Boran, den Überlebenskünstler
    Du solltest dem Neid einen Ausdruck geben, ohne dieses Wort zu verwenden. Zum Beispiel, könnte er verstohlen Boran ansehen und dann seinem Neid mit Worten Kraft geben.

    währen Leon Wache hielt.
    während

    aber wie ihr wisst, geht es mir gut. Die anderen sahen ihn kurz an und nickten.
    Da fehlt ein Ausrufezeichen.

    Die Idee ist nicht schlecht und erinnert an das Buch „Herr der Fliegen“ (das ich total gehasst habe und nach dem Lesen dann zusah, wie das Buch langsam in Flammen aufging), aber es wirkt nicht wie eine ganze Geschichte, sondern eher so, als hättest du aus einem Buch Kapitel 7 genommen und gepostet. Auf alle Fälle ist das hier in meinen Augen einfach keine Kurzgeschichte. Es ist zu wenig, du gehst überhaupt nicht auf die Figuren ein, zeigst nur ein einseitiges Bild der Figuren, baust keine Spannung auf und vor allem fehlt der Konflikt, den diese Geschichte brauchen würde. Du kratzt nur an der Oberfläche auf die Art: Tag 37, so schaut es aus und fertig. Dabei baust du eine gute Atmosphäre auf, die nur auf Spannung wartet, die du dann doch nicht einbaust, sondern du brichst förmlich die Geschichte ab und fertig. Also das ist enttäuschend. Mag sein, dass du das vielleicht für die Challenge, die ja kurzfristig angelengt war, schnell geschrieben hast, aber für meinen Geschmack ist das einfach zu wenig.

    Liebe Grüße
    Maria

  9. #9
    Ronnie ist offline Mitglied
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    Hallo maria.meerhaba,

    danke für die gefundenen Fehler. Habe die Liste ausgedruckt und werde sie am Text abarbeiten.

    Die Idee ist nicht schlecht und erinnert an das Buch „Herr der Fliegen“ (das ich total gehasst habe und nach dem Lesen dann zusah, wie das Buch langsam in Flammen aufging),
    "Herr der Fliegen" kenne ich nur vom Titel her.

    aber es wirkt nicht wie eine ganze Geschichte, sondern eher so, als hättest du aus einem Buch Kapitel 7 genommen und gepostet.
    Wieso gerade Kapitel 7?

    Auf alle Fälle ist das hier in meinen Augen einfach keine Kurzgeschichte. Es ist zu wenig, du gehst überhaupt nicht auf die Figuren ein, zeigst nur ein einseitiges Bild der Figuren, baust keine Spannung auf und vor allem fehlt der Konflikt, den diese Geschichte brauchen würde. Du kratzt nur an der Oberfläche auf die Art: Tag 37, so schaut es aus und fertig. Dabei baust du eine gute Atmosphäre auf, die nur auf Spannung wartet, die du dann doch nicht einbaust, sondern du brichst förmlich die Geschichte ab und fertig. Also das ist enttäuschend.
    Ok - nehme ich mal so hin. Es ging mir nicht so sehr um die Figuren, als um die Gesamtsituation.

    Mag sein, dass du das vielleicht für die Challenge, die ja kurzfristig angelegt war, schnell geschrieben hast, aber für meinen Geschmack ist das einfach zu wenig.
    Ne - nicht schnell hin geschrieben. Die Geschichte gibt es schon länger. Ich habe sie für die Challenge nochmal überarbeitet. Und dabei darauf geachtet, dass sie nicht zu ausufernd wird. Allzu lange Geschichten werden nicht (oder weniger gern) gelesen, wie wir alle wissen.
    Mein Intension beim Schreiben war:
    Unaufgeregt erzählen - die Gesamtsituation der Menschen ist ja schon schrecklich genug und hängt über ihnen wie ein Damoklesschwert. Im Titel ist das von vorne herein verbrieft. Die Überlebenden müssen einfache Dinge wieder lernen. Jegliche Zivilisation ist erst mal verloren und sie müssen dankbar sein, dass sie auf einem Terrain leben können, auf dem es noch Vegetation und Tiere gibt.

    Gruß, Ronnie
    Geändert von Ronnie (28.11.2016 um 13:46 Uhr)

  10. #10
    Friedrichard ist offline Senior-Mitglied
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    Aktuelles Buch: Curtis: The North American Indian, 1907/1930

    Hallo Ronnie,

    es ist schön zu erleben, dass es so was wie eine gute Entwickung in Deinem Werk gibt. Eine schöne Geschichte über eine potentiell unschöne Begebenheit erzählstu da, wie zur Bestätigung, dass wir alle noch die alten Troglodyten (Karl Kraus) seien, wenn auch auf technisch höherem Niveau. Dass es nach einem atomaren Kahlschag allerdings noch Natur gäbe, wie wir sie uns vorstellen als Flora und Fauna, mag vielleicht nach Fukushima und insbesondere Tschernobyl gelten (lächerlicher Versuch derzeit, über T. eine undurchlässige Hülle zu bilden, die hundert Jahre halten soll, derweil werden mindestens vier weitere Supergaus andernorts geschehen, die man dann wieder verhüllt, und in zweihundert Jahren sind es dann 16 weitere Supergaus … Quasi ein dreh Dich nicht um, der Plumpsack geht herum ….

    So schaffstu quasi ein SF in der Verknüpfung von S(cience) und F(antasy), denn dass die lange Phase der Sammler und Jäger in Höhlen stattgefunden habe, ist aus einigen Knochenfunden und vor allem der Funde an technischen Mitteln und der Höhlenzeichnungen – die andernorts außen am Fels angebracht sind – entstanden.

    Hätte es eine historische Wissenschaft zu Zeiten der Entdeckung Amerikas oder Australiens schon gegeben, man hätte erkennen können, das die Höhlenmenschen an sich Nomaden waren mit flexiblen, schnell zu errichtenden Bauten/Zelten, die den oft jahreszeitlich bedingten Wanderzügen der Jagdbeute folgten. Wo hätten die Vorfahren der San denn ihre Höhlen finden können? Die haben übrigens ein modern anmutndes Geschäftsmodell aus der steinzeitlichen Lebensweise entwickelt, leben in Namibia und betreiben die Jagd und die alte Lebensweise als touristische Attraktion.

    Aber nach einem anständigen Hypergau wird die Kalahari wie eine blühende Landschaft wirken.

    Triviales Dutzend

    1)
    Leon verstand erst nicht und wollte fragen[,] was los ist.
    (den Relativsatz solltestu zudem in den Konjuntiv, was los wäre, übersetze, den nicht verstehen und fragen wollen erzeugen ausgesprochen hypothetische Sätze ...)

    2)
    ... bedeutete allen, runter in die Hocke zu gehen und sich ruhig zu verhalten.
    Bistu auch mal „rauf“ in die Hocke gegangen? Ach ja, beim Kopf- und Handstand ...

    Es zappelte noch etwas, um schließlich leblos umzufallen und liegen zu bleiben.
    Wie gerade unter 2) - hastu jemals etwas leblos zappeln oder weiterlaufen gesehen – außer natürlich in Fantasy & co.

    3)
    Er zog den Pfeil aus dem toten Hasen …
    Bistu sicher, dass es kein Kaninchen, sondern Meister Lampe war? Der ist nämlich jetzt schon vom Aussterben bedroht (weil er sich auch auf Äckern und Weiden herumtreibt, kennt er unerbittliche Feinde, die sich auch mittels Mähmaschine bewaffnen

    4)
    Die Beeren sollte die Frauen einfach in ihre Rocktaschen stopfen.
    Entweder „sollte die Frau“ oder „sollten die Frauen“ … stopfen.

    5)
    In der Hoffnung[,] noch weiteres Wild anzutreffen, das er jagen konnte.
    (Infinitvgruppe „anzutreffen“ hängt von einem Substantiv ab (Wild hier), darum „ist“ ein Komma zu setzen

    6)
    Ob sie dazu in der Lage sein würden?
    Nicht falsch, aber mit „wären“ fiele würde weg, ohne dass der Satz eine andere Aussage bekäme.

    7)
    „Es muss uns die Tage gelingen, ein oder zwei größere Tiere zu fangen; dann haben wir Felle, um uns zu zu decken.“
    Nicht unbedingt falsch, das gedoppelte zu, aber der Inifinitv gelingt auch ohne „zu“, „dann haben wir Felle, um uns zu bedecken.“

    8)
    Kent und Leon nickten dazu und hofften beide, dass sie sich die Plackerei auf die Art auszahlen werde.
    Dass „beide“ hoffen, verrät doch schon das plurale „hoffen“

    9)
    und große Blätter ab zu reißen,
    Abreißen ein Wort, auch als Infinitiv. Bei manchen Konstruktionen zuvor ließe sich auch zusammenschreiben. Inzwischen ist die Dudenredaktion so weit, dass sie oft Auseinanderschreibung und Zusammenschreibung zulässt, womit der Blödsinn der Reform richtig Fahrt aufnimmt: Schreib ich etwas anders, mein ich auch was anderes.

    10)
    Danach nahm er sich Pfeil und Bogen und ging mit Kent auf die Jagd. Im Falle des Wildschweines konnten sie im Moment nicht mehr tun, als warten.
    Komma weg, weil die vergl. Konjunktion a) keinen vollständigen Satz einleitet und b) „warten“ tatsächlich Teil eines – wenn auch umfangreicheren – Tuns ist. Der Infinitv ohne "zu" (warten) ist eine der Freiheiten der deutschen Sprache.

    11)
    ..., schoss aber jedes mal daneben.
    „jedes Mal“!

    Als sie zurück waren, erklärte Boran den Frauen[,] wie man das Fell abzieht, die Federn ausrupft, die Tiere ausnimmt und auf den Grill steckt.
    Hier ists – entgegen 10) - leitet die vergl. Konjunktion einen vollständigen Satz ein

    12)
    Leon zeigte wenig Begeisterung für diese Idee, sein Rücken tat schon genug weh[...] von der letzten harten Nacht.
    Wie 6, 7, 9 und 12) , dass das Bett so hart wäre[...] ohne eine Matratze, und das[s] sie immer noch kein Fell h[ä]tten, um sich [zuzu]decken.

    Und zum Schluss
    ..., die uns in die Steinzeit zurück befördert haben“,
    „zurückbefördern“.

    Hab gesehen, dass Vorredner die Mauer vermissen. Da bedarf es nicht einmal der Felszeichnung: Das Menetekel ist von meinem Wohnort etwas über hundert km jenseits von Aachen: Belgische A-Meiler, einige km weiter nördlich Gorleben usw. und exakt 128 km das AKW Lingen.

    Schöne Aussichten, umzingelt von Menetekeln ...

    Gruß

    Friedel, der hier tatsächlich seine Art von Menetekel untebringen kann

    Karl Kraus "formuliert zugleich eine Kritik am (bloß technischen) Fortschritt, wenn der moderne Mensch Homo sapiens sapiens noch als der alte „Troglodyt“ ... mit Harry Potter im Gepäck und dem iPod in der Hand durchs Neandertal stapft - freilich dann einem entlaubten Gebiet zwischen Düsseldorf und Wuppertal, dass Kraus moderner und aufgeklärter als alles elektronische Gepiepse und Gepupse läute: „Wenn ich nur ein Telephon habe, der Wald wird sich finden! Ohne Telephon kann man nur deshalb nicht leben, weil es das Telephon gibt. Ohne Wald wird man nicht leben können, auch wenn's längst keinen Wald mehr geben wird. Dies gilt für die Menschheit. Wer über ihren Idealen lebt, wird doch ein Sklave ihrer Bedürfnisse sein und leichter Ersatz für den Wald als für das Telephon finden. Die Phantasie hat ein Surrogat an der Technik gefunden; die Technik ist ein Surrogat, für das es keines gibt. Die Andern, die nicht den Wald, wohl aber das Telephon in sich haben, werden daran verarmen, dass es außen keine Wälder gibt. Die gibt es nicht, weil es innen und außen Telephone gibt. Aber weil es sie gibt, kann man ohne sie nicht leben. Denn die technischen Dinge hängen mit dem Geist so zusammen, dass eine Leere entsteht, weil sie da sind, und ein Vakuum, wenn sie nicht da sind. Was sich innerhalb der Zeit begibt, ist das unentbehrliche Nichts“, ... Die Phrase und mit ihr der Sumpf, in dem sie versinkt und hoffentlich ersäuft, ist Ausgeburt der Technik: der Medienwelt, die zu bestimmten Zeiten ihren angestellten oder freien Mitarbeitern, der Journaille am Tage Material verlangt über alles, was zwischenzeitlich gleich wo und wie in allen Lebensbereichen vorgefallen ist, muss journalistisch und ggfs. als Sensation aufbereitet sein. Die Phrase gleicht dem überflüssigen Ornament und Schnörkel, kurz: dem Staubfänger am Design. „Da Ornament und Redeblume am liebsten von einer Zeit getragen werden, deren Wesen dem verlorenen Sinn dieser Formen widerstrebt, und umso lieber, je weiter sie jenem Sinn entwachsen ist, ihr eigener Inhalt aber nie imstande sein wird, neue Ornamente und Redeblumen zu schaffen, so wird ein Staat noch »zum Schwerte greifen«, wenn es ihm schon längst geläufig sein wird, zum Gas zu greifen. Kann man sich denken, dass solcher Entschluss je zur Redensart werden könnte? Es sollte Aufschluss über die Technik geben, dass sie zwar keine neue Phrase bilden kann, aber den Geist der Menschheit in dem Zustand belässt, die alte nicht entbehren zu können. In diesem Zweierlei eines veränderten Lebens und einer mitgeschleppten Lebensform lebt und wächst das Weltübel. Die Zeit ist nicht phrasenbildend, aber phrasenvoll; und eben darum, aus heillosem Konflikt mit sich selbst, muss sie immer wieder zum Schwerte greifen. Die neue Begebenheit wird keine Redensart hervorbringen, wohl aber die alte Redensart die Begebenheit!“ ..., oder wie er’s vordem auf einen Punkt bringt: „Die Entwicklung der Technik ist bei der Wehrlosigkeit vor der Technik angelangt“ ...,"

    Aus "Mir fällt zu Hitler nichts ein", hierorts unter Rezensionen

  11. #11
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    Aktuelles Buch: Thomas Mann, Doktor Faustus

    Hallo @Ronnie,

    ich habe einen Blick auf deine Bearbeitung geworfen, und ich muss sagen, die Szene in der Höhle gefällt mir sehr gut. Jetzt kann keiner mehr meckern: Thema verfehlt
    Auch andere Passagen haben gewonnen. Ist jetzt eine gute Geschichte.

    Gruß
    wieselmaus

  12. #12
    Ronnie ist offline Mitglied
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    Hallo wieselmaus,

    ich habe einen Blick auf deine Bearbeitung geworfen, und ich muss sagen, die Szene in der Höhle gefällt mir sehr gut. Jetzt kann keiner mehr meckern: Thema verfehlt
    Auch andere Passagen haben gewonnen. Ist jetzt eine gute Geschichte.
    Danke für das Lob - habe ja auch gute Tipps und Anregungen bekommen (nicht zuletzt von dir)

    Gruß, Ronnie
    Geändert von Ronnie (01.12.2016 um 23:17 Uhr)

  13. #13
    Ronnie ist offline Mitglied
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    Hallo Friedel,

    es ist schön zu erleben, dass es so was wie eine gute Entwickung in Deinem Werk gibt. Eine schöne Geschichte über eine potentiell unschöne Begebenheit erzählstu da, wie zur Bestätigung, dass wir alle noch die alten Troglodyten (Karl Kraus) seien, wenn auch auf technisch höherem Niveau.
    Nehme ich erst mal als Lob und sage danke.

    Dass es nach einem atomaren Kahlschag allerdings noch Natur gäbe, wie wir sie uns vorstellen als Flora und Fauna, mag vielleicht nach Fukushima und insbesondere Tschernobyl gelten (lächerlicher Versuch derzeit, über T. eine undurchlässige Hülle zu bilden, die hundert Jahre halten soll, derweil werden mindestens vier weitere Supergaus andernorts geschehen, die man dann wieder verhüllt, und in zweihundert Jahren sind es dann 16 weitere Supergaus … Quasi ein dreh Dich nicht um, der Plumpsack geht herum ….
    Dann glaubst du also nicht daran, dass es in so einer Situation noch kleine Inseln mit Natur (wie wir sie kennen) geben kann.

    So schaffstu quasi ein SF in der Verknüpfung von S(cience) und F(antasy), denn dass die lange Phase der Sammler und Jäger in Höhlen stattgefunden habe, ist aus einigen Knochenfunden und vor allem der Funde an technischen Mitteln und der Höhlenzeichnungen – die andernorts außen am Fels angebracht sind – entstanden.
    Verstehe

    Hätte es eine historische Wissenschaft zu Zeiten der Entdeckung Amerikas oder Australiens schon gegeben, man hätte erkennen können, das die Höhlenmenschen an sich Nomaden waren mit flexiblen, schnell zu errichtenden Bauten/Zelten, die den oft jahreszeitlich bedingten Wanderzügen der Jagdbeute folgten. Wo hätten die Vorfahren der San denn ihre Höhlen finden können? Die haben übrigens ein modern anmutndes Geschäftsmodell aus der steinzeitlichen Lebensweise entwickelt, leben in Namibia und betreiben die Jagd und die alte Lebensweise als touristische Attraktion.
    Meine erdachten Leute können nicht zu Nomaden werden, versteht sich, wenn sie auf einer grünen Insel leben (sozusagen) und drum herum alles pulverisiert ist (so weit das Auge reicht)

    Hab gesehen, dass Vorredner die Mauer vermissen. Da bedarf es nicht einmal der Felszeichnung: Das Menetekel ist von meinem Wohnort etwas über hundert km jenseits von Aachen: Belgische A-Meiler, einige km weiter nördlich Gorleben usw. und exakt 128 km das AKW Lingen.
    Schöne Aussichten, umzingelt von Menetekeln ...
    Gut gesagt! Danke für deinen Kommentar. Die Fehlerliste werde ich ausdrucken und am Text durchgehen. Hat mich gefreut. Jetzt lese ich noch den Karl Kraus.

    Gruß, Ronnie

    P.S.
    Karl Kraus "formuliert zugleich eine Kritik am (bloß technischen) Fortschritt, wenn der moderne Mensch Homo sapiens sapiens noch als der alte „Troglodyt“ ... mit Harry Potter im Gepäck und dem iPod in der Hand durchs Neandertal stapft - freilich dann einem entlaubten Gebiet zwischen Düsseldorf und Wuppertal, dass Kraus moderner und aufgeklärter als alles elektronische Gepiepse und Gepupse läute: „Wenn ich nur ein Telephon habe, der Wald wird sich finden! Ohne Telephon kann man nur deshalb nicht leben, weil es das Telephon gibt. Ohne Wald wird man nicht leben können, auch wenn's längst keinen Wald mehr geben wird. Dies gilt für die Menschheit. Wer über ihren Idealen lebt, wird doch ein Sklave ihrer Bedürfnisse sein und leichter Ersatz für den Wald als für das Telephon finden. Die Phantasie hat ein Surrogat an der Technik gefunden; die Technik ist ein Surrogat, für das es keines gibt. Die Andern, die nicht den Wald, wohl aber das Telephon in sich haben, werden daran verarmen, dass es außen keine Wälder gibt. Die gibt es nicht, weil es innen und außen Telephone gibt. Aber weil es sie gibt, kann man ohne sie nicht leben. Denn die technischen Dinge hängen mit dem Geist so zusammen, dass eine Leere entsteht, weil sie da sind, und ein Vakuum, wenn sie nicht da sind. Was sich innerhalb der Zeit begibt, ist das unentbehrliche Nichts“, ... Die Phrase und mit ihr der Sumpf, in dem sie versinkt und hoffentlich ersäuft, ist Ausgeburt der Technik: der Medienwelt, die zu bestimmten Zeiten ihren angestellten oder freien Mitarbeitern, der Journaille am Tage Material verlangt über alles, was zwischenzeitlich gleich wo und wie in allen Lebensbereichen vorgefallen ist, muss journalistisch und ggfs. als Sensation aufbereitet sein. Die Phrase gleicht dem überflüssigen Ornament und Schnörkel, kurz: dem Staubfänger am Design. „Da Ornament und Redeblume am liebsten von einer Zeit getragen werden, deren Wesen dem verlorenen Sinn dieser Formen widerstrebt, und umso lieber, je weiter sie jenem Sinn entwachsen ist, ihr eigener Inhalt aber nie imstande sein wird, neue Ornamente und Redeblumen zu schaffen, so wird ein Staat noch »zum Schwerte greifen«, wenn es ihm schon längst geläufig sein wird, zum Gas zu greifen. Kann man sich denken, dass solcher Entschluss je zur Redensart werden könnte? Es sollte Aufschluss über die Technik geben, dass sie zwar keine neue Phrase bilden kann, aber den Geist der Menschheit in dem Zustand belässt, die alte nicht entbehren zu können. In diesem Zweierlei eines veränderten Lebens und einer mitgeschleppten Lebensform lebt und wächst das Weltübel. Die Zeit ist nicht phrasenbildend, aber phrasenvoll; und eben darum, aus heillosem Konflikt mit sich selbst, muss sie immer wieder zum Schwerte greifen. Die neue Begebenheit wird keine Redensart hervorbringen, wohl aber die alte Redensart die Begebenheit!“ ..., oder wie er’s vordem auf einen Punkt bringt: „Die Entwicklung der Technik ist bei der Wehrlosigkeit vor der Technik angelangt“ ...,"

    Aus "Mir fällt zu Hitler nichts ein", hierorts unter Rezensionen
    Fundamentale Erkenntnis - was für ein Glück für ihn, dass er nicht heute leben muss. In einer Zeit, in der benannte Dinge, auf die absolute (böse Zungen behaupten unerträgliche) Spitze getrieben sind.
    Geändert von Ronnie (01.12.2016 um 23:16 Uhr)

  14. #14
    Perdita ist offline Moderatorin, Blog-Moderatorin
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    Hallo Ronnie,

    jetzt wo ich endlich mal ein bisschen Zeit zum Kommentieren habe, trifft es deine Geschichte als erste, weil ich Endzeitszenarien so gern lese und außerdem sehr gerne darüber klugscheiße.

    Ich fange gleich mit Details zum Text an und fasse am Schluss meinen Gesamteindruck zusammen.

    Endzeit
    Entschuldige bitte, aber der Titel ist einfallslos. Ja, das ist eine "Endzeitgeschichte" - das ist quasi das Genre. Aber einen Krimi betitelt man doch auch nicht mit "Krimi". Liebesgeschichten, die "A Lovestory" oder so heißen, habe ich zwar schon gesehen, aber das muss man ja nicht nachmachen.

    Sollte dir ein schönerer Titel einfallen, wende dich an einen Moderator, man kann das nicht selbst ändern.

    Der Rock, den er trug, bestand aus Fell; die Schuhe waren ebenfalls aus Fell. Seine Jacke bestand aus einem Stück Wildleder und hatte keine Ärmel. Seine Haare waren lang, buschig und zu einem Pferdeschwanz gebunden.
    Wäre das ein Film, würde man das alles in wenigen Augenblicken erfassen und dann abhaken. Um diese Sätze zu lesen, braucht man dagegen relativ lange - zu lange, meiner Meinung nach. In einer Geschichte hat so eine ausführliche Beschreibung, was jemand anhat - und das ist ja nicht die einzige, nur die erste im Text - aus meiner Sicht selten einen Mehrwert. Man kann das am Rande erwähnen, insbesondere wenn es für das Befinden der Protagonisten von Bedeutung ist (z.B. "in ihrer zerissenen Kleidung froren sie erbärmlich"), aber einen ganzen Absatz auf die Klamotten zu verwenden, finde ich nicht empfehlenswert.

    Leon, Ruda und der kleine Bula, ein zehnjähriger Junge liefen ebenfalls hinter ihm.
    Da fehlt noch ein Komma nach Junge.

    Und ich finde die Namensgebung der Protagonisten seltsam. Boran, Lora, Kent, Leon, Ruda, Bula. In welcher Region der Welt spielt das? Manche Namen klingen vertraut, andere recht exotisch. Wäre die Katastrophe, die die Zivilisation vernichtet hat, schon lange her, wäre das weniger irritierend, dann könnte sich die Sprache weiter entwickelt haben etc. Aber es ist ja nicht viel Zeit verstrichen (wenn selbst ein zehnjähriges Kind sich noch an Autos erinnert, können es eigentlich maximal ein paar Jahre sein). Und da kommt es mir seltsam vor, dass Leute, die z.B. Lora und Kent heißen, ihrem Kind den Namen "Bula" geben würden. (Ich weiß, die beiden sind nicht die Eltern des Jungen, ich meine bloß, die Namen passen nicht zusammen).

    Die Strumpfhose wies mehr kaputte Nähte auf, als ein unregulierter Fluss Seitenarme.
    Kill your darlings! Der Vergleich funktioniert nicht gut.

    Die Beeren sollten die Frauen einfach in ihre Rocktaschen stopfen.
    Hast du schon mal Beeren gesammelt? In die Tasche stopfen kann man die, wenn man eine primitive Form von Marmelade herstellen möchte, ansonsten ist es nicht so ratsam. Abgesehen davon haben Röcke nur selten Taschen. Wenn Gefäße für Wasser da sind, dann können in eins davon auch Beeren gesammelt werden. Und übrigens sind Männer - die keine geübten Jäger sind und sich vielleicht trotzdem nützlich machen wollen - genausogut zum Sammeln in der Lage wie Frauen. Nur mal so am Rande.

    Boran brachte noch ein Rebhuhn mit, dem er gleich die Federn ausrupfte und ebenfalls auf den Grill legte.
    So wie der Satz formuliert ist, landen die Federn auf dem Grill statt des Vogels.

    Nachdenklich und mit einem Seitenblick beobachtete Kent Boran, den Überlebenskünstler. Er war groß und kräftig, aber nicht dick. Seine Kleidung, wie seine Schuhe, hatte er selbst hergestellt. Er besaß Pfeil und Bogen für die Jagd, hatte eine Höhle mit allem Nötigen. Und das Wichtigste, seine Ruhe und Gelassenheit, mit der er die Dinge anging. Mit all dem mussten sie sich nun auch vertraut machen, wenn sie überleben wollten. Ob sie dazu in der Lage sein würden?
    Im nächsten Moment meldete sich Kent, der draußen Wache hielt, dass er langsam auch Hunger habe, ob ihn jemand ablöse.
    Der unglaubliche teleportierende Kent betrachtet in einem Moment Boran von der Seite, und im nächsten ist er am Eingang der Höhle. Entweder fehlt etwas dazwischen, oder die Höhle ist so winzig, dass so viele Menschen darin kaum Platz finden dürften, oder - am wahrscheinlichsten - es gab eine Verwechslung zwischen den Figuren.

    Wenn es uns gelingt", erklärte Boran, "damit ein Wildschwein zu fangen, haben wir genug Fleisch für eine Weile und die nötigen Felle.
    Zur Gruppe gehören, wenn ich richtig zähle, fünf Erwachsene und ein Kind. Ein Wildschwein hat ein Fell.

    Leon wurde als Wache vor der Höhle eingeteilt.
    Die Ausbeute an dem Tag war nicht so üppig. Sie erwischten ein Karnickel und ein Rebhuhn, das Boran geschossen hatte. Leon versuchte es auch, schoss aber jedes Mal daneben. „Du lernst das auch noch“, tröstete Boran ihn.
    Wieder eine Verwechslung. Leon hält Wache, Kent geht mit Boran auf die Jagd, aber dann ist es plötzlich Leon, der danebenschießt. Wenn du selbst deine Figuren nicht auseinanderhalten kannst, wie sollen es die Leser schaffen? Die Jungs sind im wahrsten Sinne des Wortes austauschbar.

    Außerdem ist ein Kaninchen + ein Rebhuhn genau dieselbe Ausbeute wie am Tag zuvor.

    Die Frauen jammerten, dass das Bett so hart wäre, ohne eine Matratze, und das sie immer noch kein Fell hätten, um sich zu bedecken. Und auch keine Felle, um sich Kleidung zu schneidern, damit sie aus diesen furchtbaren Klamotten raus kämen.
    Ja ja, diese Frauen, immer am Jammern, während die Männer alle Widrigkeiten des Lebens stumm und stoisch ertragen. Wer einmal erlebt hat, wie Menschen verschiedenen Geschlechts zum Beispiel mit einer Erkältung umgehen, weiß, dass es sich im richtigen Leben häufig umgekehrt verhält.

    Ich war auf der Jagd und ihr seid ziellos durch die Gegend gestreift - gepeinigt von Hunger, Durst, Kälte und Unmut.
    Show, don't tell. Das wäre ein viel interessanterer Einstieg in die Geschichte gewesen als die Informationen, wer was anhat.

    "Das hat mein Lehrer immer gesagt, wenn ich im Unterricht etwas an die Tafel geschrieben habe: Auf der Mauer stand mit Kreide.
    Wenn schon ein Title Drop, dann würde ich nicht auch noch die Aufmerksamkeit darauf ziehen, indem eine unstimmige Geschichte drum herum erzählt wird. Wenn Lora unbedingt den Challenge-Titel vor sich hinmurmeln soll, so als kleines Augenzwinkern an den Leser, das fände ich zwar überflüssig, aber okay. Aber "mein Lehrer hat immer etwas völlig Zusammenhangloses gesagt, deshalb mache ich das jetzt auch" ist keine Erklärung, das macht es nicht logischer, dass sie das an der Stelle sagt, sondern weniger plausibel.

    Alle sahen hin und stellten sich vor, dass hier mal Häuser und Straßen waren, Menschen lebten, eine lebendige Stadt gewesen sein muss, die von einer einzigen Bombe pulverisiert und für undenkliche Zeiten verseucht worden war.
    musste

    „Dafür sollten wir in der Tat dankbar sein. Ich habe bisher keine Anzeichen gefunden, dass unser Land eine ähnlich hohe Strahlung abbekommen hätte. Dann würden sich die Pflanzen verändert haben und die Tiere
    Das ist nicht gesagt. Ich habe eine Doku über Tschernobyl gesehen, wie es dort jetzt aussieht, ein paar Jahrzehnte nach dem GAU. Auf den ersten Blick sieht man eigentlich nichts von der radioaktiven Belastung. Die Pflanzen wirken überwiegend ganz normal und auch die Tiere sind nicht etwa tumorübersäte Mutanten - vielen von denen scheint es im Gegenteil sogar ziemlich gut zu gehen. Wenn man zynisch wäre, könnte man sagen, dass die Anwesenheit von Menschen für die Natur anscheinend sehr viel schädlicher ist als eine erhöhte Radioaktivität. Es gibt Pflanzen, an denen man Veränderungen sehen kann, und es gibt Tiere, die an der Strahlung zugrunde gehen - besonders, wenn sie durch andere Faktoren noch zusätzlich unter Stress stehen (z.B. Zugvögel). Aber ohne Geigerzähler und sonstige technische Hilfsmittel ist es wirklich nicht so einfach, festzustellen ob ein Gebiet radioaktiv verseucht ist. Deine Protagonisten könnten also sehr wohl auf einem betroffenen Gebiet leben, ohne es zu wissen.
    Wildschweine soll man übrigens auch heute noch in bestimmten Gegenden Deutschlands nicht essen, weil die gerne Pilze und Wurzeln fressen, wo sich die radioaktiven Isotope des Tschernobyl-Fallouts angereichert haben - also ist es vielleicht gesünder für die Gruppe, dass sie keins erwischt haben.

    Damit es in der ganzen Zerpflückerei von Einzelheiten nicht untergeht, möchte ich auf jeden Fall sagen, dass mir die Idee zu deiner Geschichte gut gefällt und dass du einige sehr eindrückliche Szenen drin hast - insbesondere die Höhlenmalerei und die Beschreibung des Straßenstücks, das aussieht wie eine angeschmolzene Schokoladentafel, finde ich gut.

    Was ich schade finde, ist dass die Figuren so blass bleiben. Boran ist der einzige, von dem ich ein klares Bild habe. Aber auch von ihm weiß man eigentlich sehr wenig. Er ist ja offensichtlich nicht erst vor kurzem in den Wald gezogen, obwohl die Zerstörung wohl noch nicht so lange zurückliegt. Das heißt, er hat irgendwann der Zivilisation freiwillig den Rücken gekehrt, um in einer Höhle zu wohnen und sich mit Sammeln und Jagen zu ernähren. Hat er den Atomkrieg vorausgeahnt? War er auf Selbstfindungstrip? Ein bisschen mehr Hintergrund hätte ich mir zu ihm schon gewünscht.

    Und der Rest der Gruppe ist erst recht kaum ausgearbeitet. Lora und Kent bekommen wenigstens ein paar Sätze hauchdünne Charakterisierung ab und Bula hat als einziges Kind so ein bisschen eine Sonderrolle, aber die anderen beiden Figuren könnten genausogut Mann2 und Frau2 heißen oder auch gar nicht existieren. Wozu brauchst du so viele Figuren, wenn du sie gar nicht zum Einsatz bringst? Ich würde sagen, entweder streichst du Ruda und Leon (dann kann es auch nicht mehr zu solchen Verwechslungen kommen), oder du entwickelst sie zu richtigen Charakteren.

    So eine Geschichte bietet eigentlich ganz viel Stoff für Konflikte und Gelegenheiten, Figuren mit ihren Schwächen und Ängsten zu konfrontieren und ihren Charakter bloßzulegen - eben weil sie in einer so extremen Situation sind, an die ein Zivilisationmensch überhaupt nicht gewöhnt ist.

    Hier ist trotz des Hintergrundes alles seltsam gemütlich. Also mal angenommen, ich überlebe einen Atomkrieg und ziehe dann mit einer kleinen Gruppe von Leuten umher auf der Suche nach einem Ort, wo man noch leben kann. Und dann treffen wir auf einen Typen, der Felle trägt und Pfeil und Bogen hat und der sagt: Oh hey, cool, ich hab mich die ganze Zeit allein gefühlt, kommt in meine Höhle!" - Ich glaube nicht, dass ich da sofort Feuer und Flamme wäre. Woher weiß ich, dass man dem vertrauen kann?

    Und auch umgekehrt - woher weiß Boran, dass er der Gruppe trauen kann? Das die ihm nicht etwa seine Luxuxaxt oder seine mühsam gesammelten Nussvorräte klauen? Die waren sicher ausgehungert und verzweifelt, bevor sie ihn getroffen haben. Ich würde ja an seiner Stelle schon ein bisschen abwägen - wieder menschliche Gesellschaft haben ist sicher was Schönes, aber will ich wirklich so einen Haufen Leute, die vom Überleben ohne Zivilisation keinen blassen Schimmer haben, die mir die Karnickel verscheuchen und alles wegessen, dauerhaft am Hals haben?

    Du hast dir über die "logistischen" Fragen - wie bekommt man, wenn die Zivilisation völlig zerstört wird, Nahrung und Kleidung und einen Platz zum Schlafen, viele Gedanken gemacht und sicher auch recherchiert.

    Das ist lobenswert, aber das ist nicht der Kern einer Geschichte. Der Kern sind Figuren, wie es denen geht, was mit denen passiert, wie die zueinander stehen. Und davon hat mir die Geschichte zu wenig. Nicht zuwenige Figuren, wohlgemerkt, sondern zuwenig Innenleben und zuwenig Konflikt.

    Grüße von Perdita

  15. #15
    Ronnie ist offline Mitglied
    Mitglied seit
    07.03.2016
    Beiträge
    251
    Hallo Perdita,

    danke für dein langes Statement.
    Den Titel möchte ich gerne beibehalten, weil er von vorne rein das Thema benennt und jeder Leser dann weiß, was in ungefähr auf ihn zukommt. Mmn sollten Titel nicht einfallsreich, eher zutreffend sein.
    Was die Logik der Geschichte betrifft könnte man natürlich noch viel mehr in die Einzelheiten gehen, da gebe ich dir recht: Wie lange ist der Atomkrieg her, wo haben die Leute mal gelebt, wo spielt das Ganze etc. Ich habe das bewusst offen gelassen, weil ich nicht so einen ausufernden Text haben wollte. Und weil es mir eher darum ging, eine entsprechende Atmosphäre zu schaffen, wie es in besagter Endzeit sein könnte.
    Der Ausbau der Charaktere fällt auch unter diesen Aspekt - die Geschichte würde, vom Umfang her und mMn, zu sehr ausufern. Die Namen habe ich deshalb so gesetzt, weil sie archaisch klingen. Es gibt ja nichts mehr, keine Städte, keine Zivilisation, die Menschen sind auf den Ursprung zurück geworfen. Die Namen sollen das irgendwie mit ausdrücken.
    Vermutlich bin ich nicht bei den 15 Geschichten, die du favorisierst - damit muss ich leben.
    Dennoch danke für deine Mühe und deine Sicht der Dinge.

    Gruß, Ronnie
    Geändert von Ronnie (04.12.2016 um 10:50 Uhr)

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