Abstimmungsergebnis zur Challenge "Auf der Mauer stand mit Kreide"

Ergebnis 1 bis 5 von 5
  1. #1
    anstru ist offline Mitglied
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    09.09.2016
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    Tränengrüße meiner Seele- Kapitel 3

    (Leseprobe- Kapitel3)

    Hurra-endlich Schule?

    Mit dem Schlusspfiff des Finales am siebten Juli 1974 wurde die bundesdeutsche Nationalmannschaft zum zweiten Mal, nach 1954, Fußballweltmeister.

    Und am ersten September 1974 gab es für mich die vorerst größte Veränderung in meinem bisherigen Leben. Ich kam gerade mit Mutter aus dem Bad von der Morgentoilette und war auf dem Weg meine, extra für diesen Tag, gekauften Sachen anzuziehen, als es an der Wohnungstür klingelte. In Windeseile rannte ich zur Tür, mit der Hoffnung, dass ich jetzt die erste Zuckertüte bekam, aber da stand--- Peter!

    Ein kleiner russischer Junge, welcher seit ein paar Monaten bei uns im Nachbarhaus mit seinen Eltern lebte. Peter wollte mich zum Spielen abholen und war schrecklich enttäuscht, dass ich keine Zeit für ihn aufbrachte.
    Er versuchte, mich zu überreden, da nicht hinzugehen und es wäre viel besser zum Spielen raus zukommen.

    Zwischenzeitlich war meine Mutter an die Tür hinzugeeilt und wollte von ihm in Erfahrung bringen, warum er noch nicht für den heutigen Schulanfang umgezogen war. Peter zuckte nichtsahnend mit den Schultern und meinte, mit seinem russischen Akzent, er müsste mal eben zu Hause bei seinen Eltern nachfragen. Vielleicht wüssten diese etwas davon und huschte in Windeseile die Treppe hinunter. Wir schlossen die Tür und ich ging mich anziehen, dabei amüsierte ich mich ausgiebig, dass Peter den Schulanfang verpasste.

    Mit Herz und Seele wartete ich, endlich meinen heiß ersehnten kolossalen roten Schulranzen in Empfang zu nehmen und ihn mit stolzgeschwellter Brust zur Feierstunde tragen zu dürfen.
    "Oh--- nein--- oh--- Schreck!", was sah ich da? Was hielt Mutter, mit einem souveränen Lächeln im Gesicht, in ihrer Hand? Sollte das wahrhaftig für mich sein? Dieses furchterregende--- grüne Monster?

    Ich ertappte mich als eine Lügnerin! Im ganzen Freundeskreis meiner Kindergartengruppe hatte ich, voller Stolz herum posaunt, dass ich einen fabelhaften großen roten Schulranzen bekam und das Recht erhielt, ihn mir persönlich auszusuchen! Und in dieser Sekunde? Veränderte sich mein ganzes Leben!
    Ich bekam ein kleines grünes, hässlich wie die Nacht--- Monster!

    Vor unendlicher Desillusionierung schossen mir die Tränen und ich wollte nicht mehr in die doofe Schule! Ohne den heiß begehrten roten Tornister konnte ich auf die Schule verzichten!
    Meine arme geplagte Mutter, geschockt von meiner Reaktion, stöhnte auf, drehte kurz, mit ihren Augen und gab sich redlich Mühe mich zu trösten. Dabei leistete sie gehörige Überredungsarbeit, mich von der Einzigartigkeit des Schulranzens zu überzeugen.
    Ich konnte und wollte mich trotz alledem nicht daran gewöhnen und fand ihn auch nicht unverwechselbar! Unter beginnenden Zeitdruck und meinen nicht alle werdenden Tränenfluss, nahm ich widerspenstig dieses perfide, grüne Monster auf meine Schultern!

    Widerwillig ging ich mit Mutter zur Feierstunde, nachdem sie zuvor flott meinen Vater weckte. Durch meinen gefühlten Schmerz über diesen Schulranzen, verschob sich, Mutters durchdachte Zeitplanung nach hinten und wir kamen erwartungsgemäß ein bisschen verspätet an.

    Meine zukünftigen Klassenkameraden standen, für den Einmarsch in den Festsaal, zum Abmarsch bereit. Zügig reihte man mich ein und ich erhielt den nächsten Schock! Neben mir stand einer meiner Cousins, den ich schier gar nicht sympathisch fand und zum allergrößten Übel, saß dasselbe widerliche grüne Monster auf seinen Schultern!
    Zu meinem Unglück stellte er es gleichermaßen fest! Mit einem üppigen Grinsen in seinem Gesicht, zeigte er mir voller Stolz seine Zahnlücke im Frontbereich und ergötzte sich, über den edlen Geschmack unserer Eltern und unserer, beider grünen Ungeheuer! Unter diesen Schicksalsschlägen half mir nur, höchstauflösendes Weinen, denn der Druck, welcher sich unweigerlich durch die zusätzlichen Enttäuschungen wiederholt aufbaute--- musste raus! Von Wegen Einzigartigkeit?

    Das Programm für uns Abc-Schützen lief schon eine Weile. Ich hatte mich halbwegs beruhigt, da sah ich, wie mein Freund Peter kaum vernehmlich von einer Frau in die erste Reihe gebracht wurde. Er winkte mir kurz zu und ich rang mir unter Mühen ein Lächeln ab. Eine komplette Stunde verlief das Theaterstück der größeren Schüler, um uns Neulinge auf den Schulalltag und das, was uns in Zukunft erwartete, aufzuklären. Nachfolgend gingen wir mit unserer Lehrerin gemeinsam zur Schule und holten unsere Schulbücher und Hefte.

    Da ich die gesamte Zeit neben meinem Cousin laufen musste und im Unterricht zusätzlich neben ihm sitzen sollte, der grässliche grüne Ranzen, ich eine ertappte Lügnerin--- das war zu viel für mich! Unter den gegebenen Umständen nochmals die Schule besuchen? Nicht im Entferntesten!

    Nachdem wir aus unserer Probestunde entlassen wurden, warteten voller Ungeduld unsere Eltern mit den überfüllten Zuckertüten vor der Schule. Ich glaube, es huschte mir die erste Freudenträne, an diesem für mich so wichtigen ereignisreichen Tag, über das Gesicht.
    Prallgefühlt mit Stolz nahm ich meine üppig gefüllte Tüte in Empfang, trug sie erhobenen Hauptes nach Hause, mit dem stetigen Hinweis meiner Eltern: "Vorsichtig die Spitze!"
    Ab besagten Moment vergaß ich vorerst das grausame grüne Monster und meinen ungeliebten Cousin.

    Über anstehende Verwandtenbesuche machte ich mir an diesem Tag, keinen Kopf mehr, da immerhin zwei Cousins und Cousinen den Schulstart durchliefen und aus selbigen Grund keiner für gegenseitige Kondolenzzeit zur Verfügung stand. Die Großeltern wollten niemanden bevorzugen, damit kein Streit aufkam. Sie hatten für sich beschlossen, jeglicher Feierlichkeit an diesem Tag fernzubleiben.

    Den Nachmittag, des für mich bedeutenden Tages, verbrachte ich mit meinem Freund Peter, draußen auf dem Hof beim Spielen.


    Die ersten Tage meiner Schulzeit geboten sich für mich, als Umstellungen pur! Eine andere, mir fremde Umgebung, unbekannte Erzieherinnen, viele noch nie gesehene Gesichter und ungewohnte Aufgaben.
    Am Unterricht hatte ich beachtenswerten Spaß, jedoch die Zeit im Hort erinnerte mich sofort an die von mir gesammelten Erfahrungen im Kindergarten.

    Als Erstklässler wurden wir nach dem Mittagessen zum Gruppengang auf die Toilette und im Anschluss zur Mittagsruhe verdonnert. Eine Hortnerin war mir bereits von den Erzählungen meiner älteren Geschwister bekannt. Sie galt als recht streng und schien folglich, sehr unbeliebt bei den Schülern zu sein. Exakt jene Person, wurde unserem Klassenverband zugeteilt!

    Einmal zur Ruhepause meldeten mehrere Kinder an, dass sie erneut Pippi mussten und baten, um die Erlaubnis nochmals die Sanitäranlage aufsuchen zu dürfen. Die Erzieherin bereitete ihrem vorausgeeilten Ruf alle Ehre und verbot ihnen den mehrmaligen Marsch, zur dafür vorgesehenen Lokalität! Sie brüllte gereizt, dass jetzt jedermann schlafen sollte!

    Genau an dem Tag drückte bei mir der Darm und nachdem meine Mitschüler schon keine Berechtigung, für einen wiederholten Gang zur Entleerung ihrer Blase, erhielten, getraute ich mich gar nicht erst, mich in irgendeiner Form bemerkbar zu machen.
    Ich mochte es nicht, unangenehm aufzufallen und mir dafür einen Anranzer der Frau einzufangen.

    Lieber spannte ich alles an, was nötig war, um ein Malheur in meine Strumpfhose zu verhindern! Ich schloss die Augen auf Gedeih und Verderb und merkte, wie ich von Minute zu Minute, kontinuierlich mehr ins Schwitzen und Bedrängnis kam. Die warmen Schweißtropfen auf der Stirn, vermischt mit meinen salzigen Tränen glitten mir über das Gesicht, hinab in das Kissen. An Schlafen war von meiner Seite und meinem gestressten Wohlbefinden, in dieser mir unüberschaubaren Situation, partout nicht zu denken.

    Die Zeit fühlte sich an, als würde sie stehenbleiben. Die riesige Schuluhr über der Klassenzimmertür tickte äußerst entspannt vor sich hin, als besäße sie sämtliche Zeit der Welt--- Tick--- tack, Tick--- tack!
    Ich versuchte, nicht das kümmerlichste Schluchzen von mir zu geben und begann, mich mit all meinen, mir zur Verfügung stehenden geistigen Kräften, zu beschwören!
    Erneut spannte ich nochmals sämtliche Muskeln in meinem Körper nach, gebunden an der lauen Hoffnung, dass nichts nach hinten losging! Aber--- all meine tapfersten Bemühungen und edelsten Versuche, haben mir nichts geholfen. Was muss--- das musste!

    Unter Peinlichkeitsgefühlen begann ich zu überlegen, wie ich die restliche Zeit überbrücken konnte, ohne dass jemand bemerkte, was für ein Malheur sich vollzog. Ich wollte mich dem Spott und der Hänseleien meiner Mitschüler nicht aussetzen! Nach intensiver Überlegung beschloss ich, kläglich so zu handeln, als wäre in jeder Hinsicht nichts passiert. Tick--- tack!

    Vierzehn Uhr erlaubte man uns, endlich aufzustehen. Also tat ich das, was ich kontinuierlich tat! Ich räumte mein Bettzeug und die Liege wie jeden Tag an seinen Platz und setzte einfach ein freundliches, schüchternes und nettes Gesicht auf. Eben--- wie jeden Tag!

    Auf das, alltägliche Vesper verzichtete ich an diesem schönen Nachmittag mit der Begründung, ich sei nach wie vor vom Mittagessen gesättigt.
    "Hmm---", bei den Hausaufgaben lief es unerfreulicher Weise nicht so problemlos vonstatten. Ich wurde gebeten, mich ordentlich auf den Stuhl zu setzen, um die Schriftübungen allererster Sahne auf das Papier zu bringen. Und somit kam es, dass ich nur noch einen Breiklumpen in meiner Strumpfhose verspürte! Es ekelte mich ab dem Moment, vor mir Selbst!

    Nach den Hausaufgaben erlaubte man, dass wir uns draußen auf den Schulhof aufhalten durften. Ohne große Erklärungen abzugeben, wandte ich mich rasch von meinen Freundinnen ab, welche mit mir Gummitwist spielen wollten und suchte den Schutz meiner Geschwister.

    Nachdem ich auf der Treppe, die zur Sporthalle führte, eine meiner Schwestern entdeckte, lief ich zu ihr und stellte mich mit einer Selbstverständlichkeit, zu ihren Freunden und ihr dazu. Einer ihrer Klassenkameraden bemerkte den üblen Geruch, den ich mit mir führte und befahl, dass ich ganz schnell wieder abschob!
    Aber dieser machte seine Rechnung ohne meine Schwester, welche von meinem Unglück jedoch nichts wusste, geschweige denn, erahnte! Sie verteidigte mich mit flotter Zunge, meinte, dass er nach dem stinkt, was er roch und er am besten selbst zügig verschwinden sollte, ansonsten holte sie ihren/unseren großen Bruder!

    Die Schwester, welche wir zu Hause fortlaufend als Brillenschlange bezeichneten, hatte sich für mich wagemutig eingesetzt und gewonnen! Unter Hosenscheißer- Rufen zischte der Junge unzufrieden ab und ich? Ich erlangte meine Ruhe und war weiterhin umnebelt von meinem fiesen Gestank!

    Endlich nahte die Zeit heran, sodass wir nach Hause durften. Eilig holte ich meinen angewiderten Monsterranzen und flitzte ab nach Hause! Es erfreute mich, dass Mutter noch nicht von der Arbeit zurück war. Im Handumdrehen entnahm ich mir einen sauberen Slip und eine neue Strumpfhose sowie eine Tüte aus dem Schrank, verschwand ins Bad und befreite mich letztendlich, von meiner Schweinerei!
    Nachdem ich alles in Ordnung gebracht und entsorgt hatte, ging es mir den Rest des Tages wieder vorzüglich! Als sympathische, nette, aber stetig zurückhaltende Schülerin funktionierte es für mich im Schulalltag weiter.

  2. #2
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    Aktuelles Buch: Donald Trump - The Art of the Deal

    Guten Morgen @anstru,

    es gibt keinen Grund, gleich drei Kapitel auf einen Schlag zu posten, das ist hier eher untypisch. Du schadest dir damit nur selbst, denn 1. wirkt sowas schnell egoistisch (auch im Kontext, dass du dich bisher bis auf eine Ausnahme nur mit deinen eigenen Texten beschäftigt hast) und 2. wird es dir bei dieser Menge an unkommentierten Kapiteln schwer fallen, das Feedback, sofern es denn welches gibt, zu verarbeiten und zu beantworten, da du dich gleichzeitig auf 3 oder 4 Threads konzentrieren musst. Mein Vorschlag, weil es sich einfach hier im Roman-Forum bewährt hat: Poste ein Kapitel, warte auf Feedback, arbeite dieses ein und beantworte die Kommentare. Danach kannst du das nächste Kapitel posten. Darüber hinaus wirst du es als sehr lohnend empfinden, dich mit einem ähnlichen Verve mit den Projekten anderer Wortkrieger auseinanderzusetzen, wie du es für deine eigenen Texte erwartest. Den das Forum basiert auf dem Prinzip "Geben und Nehmen".

    Einen schönen Dienstag wünscht

    Der Exilfranke

  3. #3
    anstru ist offline Mitglied
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    Guten Morgen @Exilfranke,

    danke für den Hinweis. Es steckt von mir kein böser Wille dahinter. Unter Bernadettes Hinweisen stand etwas von "die Anfangskapitel", dass habe ich dann wohl falsch verstanden.
    Das "Geber- und - Nehmer" Prinzip habe ich schon verstanden und werde es stärker berücksichtigen.
    Danke für deinen Hinweis.

    Kannst du mir verraten, wie ich die 2 Kapitel wieder komplett entfernen kann? ich habe diesbezüglich auf der Seite nichts gefunden?

    Danke für deine Hilfe

    Viele Grüße anstru
    Geändert von Exilfranke (13.09.2016 um 10:39 Uhr)

  4. #4
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    Aktuelles Buch: Donald Trump - The Art of the Deal

    Hallo anstru,

    danke für deine Rückmeldung und Verständnis. Ich lasse deine Kapitel jetzt online, mein Hinweis war eher für die Zukunft gedacht.

    Dir noch einen schönen Tag und frohes Schreiben!

    Exilfranke

  5. #5
    Mitglied seit
    12.09.2016
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    Hallo anstru,

    ich habe jetzt alle drei Kapitel gelesen und da ich selbst komplett neu bin im Thema SCHREIBEN, kann ich dir nur mein Gefühl vermitteln, dass ich beim Lesen hatte.
    Du hast es meiner Meinung nach geschafft, in einem sehr lockeren Tonfall selbst dramatische Ereignisse zu schildern, was ich für einen sehr interessanten Schreibstil halte. Das erinnert mich sehr an den Film "Das Leben ist schön" von Roberto Benigni.
    Leider ist Dir das im zweiten Kapitel nicht sehr gut gelungen. Dieses wunderbare Gefühl, das diese Leichtigkeit in deinen Texten besonders im ersten, aber auch im dritten Kapitel erzeugt, ohne aber die moralischen Verfehlungen der Familie außeracht zu lassen.
    Denn ich finde, dass man Dramatik auch darstellen kann über eine spielerische Leichtigkeit, die dem Erst der Situation natürlich überhaupt nicht angemessen ist und gerade deshalb so tadeln wirken kann.
    Wenn das tatsächlich eine Autobiografie ist, hoffe ich, du hast einen Weg gefunden, die Leichtigkeit deiner Worte auch dein Leben einfließen zu lassen.

    Allerbeste Grüße
    Wolkengaenslein

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